Bienengesundheit: Wie die EFSA zum Schutz der Pflanzenbestäuber beiträgt

Seit der Veröffentlichung zweier neuer wissenschaftlicher Studien in der Fachzeitschrift Science, die eine Beteiligung von Pestiziden – spezifisch Neonicotinoiden – am Rückgang der Honigbiene nahe legen, steht die EFSA in engem Kontakt mit der Europäischen Kommission und der französischen Behörde für Ernährungssicherheit, Umwelt- und Arbeitsschutz (Anses). Die EFSA wird die Relevanz dieser Ergebnisse im Rahmen ihrer laufenden Arbeit zur Bienengesundheit analysieren.

Die wissenschaftlichen Sachverständigen der EFSA sind derzeit mit verschiedenen Projekten zur Bienengesundheit befasst, insbesondere in den Bereichen Pestizide, Tier- und Pflanzengesundheit sowie genetisch veränderte Organismen (GVO).

Bienen, speziell Honigbienen, spielen eine wichtige Rolle für die Bestäubung von Nutz- und Wildpflanzen. Die Produktion von nahezu 80% der 264 in der Europäischen Union angebauten Nutzpflanzen sind direkt auf die Bestäubung von Insekten, vorwiegend Bienen, angewiesen und der globale finanzielle Wert der Bestäubung wird auf mehrere Milliarden Dollar jährlich geschätzt.

Neben ihren Bestäubungsaktivitäten versorgen uns die Bienen mit Lebensmitteln und Erzeugnissen für die Küche wie Honig, Pollen, Larven, Wachs für die Lebensmittel verarbeitende Industrie, Propolis für die Lebensmitteltechnologie und Gelee royale zur Nahrungsergänzung und als Lebensmittelzutat.

In Anbetracht der Bedeutung von Bienen für das Ökosystem, die Nahrungskette und die vielfältigen Dienste, die sie für uns Menschen erbringen, ist ihr Schutz unbedingt erforderlich. Aufgrund ihres Mandats, die Lebensmittelsicherheit in der EU zu verbessern und ein hohes Maß an Verbraucherschutz zu gewährleisten, muss die EFSA eine wichtige Rolle bei der Sicherung des Überlebens der Bienen einnehmen.

Entsprechend dem Bestreben der EFSA, Risikobewertungen ganzheitlich und in einem breiteren Kontext zu betrachten, um Risikomanagern eine umfassende Beratung zu liefern, auf deren Grundlage sie ihre Entscheidungen treffen können, entwirft die Behörde derzeit Pläne für eine Überprüfung nach dem neuestem wissenschaftlichen Stand. Primäres Ziel dabei ist es, Bereiche zu identifizieren, die von einem einheitlicheren Ansatz bei der Abschätzung der Risiken für Bienen und den Diensten, die sie Menschen erbringen, profitieren würden.

Kernstück der Arbeit der Behörde in diesem Bereich ist ein Leitfaden zur Bewertung der von Pflanzenschutzmitteln ausgehenden Risiken für Bienen (Apis mellifera, Bombus spp. und Solitärbienen), der dieses Jahr veröffentlicht wird. Die EFSA wurde 2011 von der Europäischen Kommission um Beratung ersucht, nachdem Mitglieder des Europäischen Parlaments (MEPs) und Imkerverbände Bedenken bezüglich der Eignung des aktuellen Risikobewertungsmodells geäußert hatten. Dem Leitfaden wird ein weiteres wichtiges Dokument vorausgehen: ein Gutachten zu den wissenschaftlichen Grundlagen der Risikobewertung von Pflanzenschutzmitteln im Hinblick auf Bienen, das bis Ende April fertiggestellt wird.

Das EFSA-Referat Pestizide hat auch eine Literaturauswertung zu einschlägigen Themen im Zusammenhang mit der Überarbeitung der Leitfäden zur aquatischen und terrestrischen Ökotoxikologie in Auftrag gegeben. In Hinblick auf Bienen wurde ein Überblick über vorhandene wissenschaftliche Daten zu Wechselwirkungen zwischen Pestiziden und weiteren Faktoren angefordert, der bis Mitte 2012 vorliegen sollte.

Sachverständige der EFSA-Gremien und Referate für Tiergesundheit und Tierschutz, Pflanzengesundheit und neu auftretende Risiken erarbeiten derzeit ein wissenschaftliches Gutachten zum Risiko der Einschleppung und Ausbreitung des kleinen Bienenstockkäfers (Aethina tumida) und der Bienenmilbe Tropilaelaps in der EU. Der kleine Bienenstockkäfer gilt als aggressiver Schädling von Honigbienenvölkern, da er großen Schaden an Waben, dem eingelagerten Honig und den Pollen verursachen kann. Ein starker Befall mit den Käfern kann dazu führen, dass die Bienen ihren Stock aufgeben.

Auch das GVO-Gremium war in diesem Bereich tätig und hat kürzlich die Lebens-/Futtermittelsicherheit von genetisch verändertem Rapsölsamen, MON810-Maispollen und Honig, der Spuren von GV-Pollen enthält, bewertet.

Im Rahmen der Datenerfassung hat die EFSA Informationen zur Häufigkeit von Verlusten von Honigbienenvölkern und zu den Überwachungssystemen, die derzeit in 27 EU-Mitgliedstaaten bestehen, zusammengetragen.

Außerdem wurde die EFSA diesen Monat von der Kommission damit betraut, die wissenschaftlichen Grundlagen zu bewerten, die Italien dazu veranlasst haben, die Markteinführung von behandeltem Maissaatgut vorsorglich auszusetzen. Die Behörde wurde ersucht, innerhalb von drei Monaten eine Stellungnahme zu den Ergebnissen des italienischen Forschungsprojekts APENET abzugeben.

Die Spezialisten des EFSA-Referats für neu auftretende Risiken nahmen kürzlich an einer von der französischen Behörde für Ernährungssicherheit, Umwelt- und Arbeitsschutz (Anses) eingesetzten Arbeitsgruppe teil, um eine wissenschaftliche Forschungsarbeit zur Wechselwirkung von Pathogenen und Pestiziden auf das Honigbienensterben auszuwerten und für eine engere wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen EFSA und Anses in Bezug auf die Risikobewertung im Zusammenhang mit Bienen zu sorgen.

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