Futtermittel

Sichere Futtermittel sind wichtig für die Tiergesundheit, die Umwelt und die Sicherheit von Lebensmitteln tierischen Ursprungs. Es gibt zahlreiche Beispiele für die enge Verbindung zwischen der Sicherheit der Futtermittel und der Lebensmittel, die wir essen. So wurde etwa 2001 die Verwendung von Fleisch- und Knochenmehl von Säugetieren in sämtlichen Futtermitteln für Nutztiere in der EU verboten, da dieses mit der Verbreitung der Bovinen Spongiformen Enzephalopathie (BSE) bei Rindern in Verbindung gebracht worden war und BSE-infiziertes Fleisch mit der Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJD) bei Menschen assoziiert wurde.

Womit Landwirte ihre Tiere füttern, hängt von einer Reihe von Faktoren ab, einschließlich der Spezies und des Alters der Tiere, der Art der erzeugten Lebensmittel (wie Fleisch, Milch oder Eier), des Preises, der Verfügbarkeit und des Nährwerts verschiedener Futtermittel sowie geografischer Faktoren einschließlich Bodenart und Klima. Die Futtermittelarten umfassen pflanzliches Futter (wie Heu, Stroh, Silage, Öle oder Getreide) und Fertigfuttermittel, üblicherweise Futtermittelmischungen, die Zusatzstoffe enthalten können.
 

 

Futtermittelzusatzstoffe

Futtermittelzusatzstoffe spielen in der modernen Landwirtschaft eine wichtige Rolle und bilden einen Schwerpunkt des Rechtsrahmens der EU. Es sind Produkte, die für die Tierfütterung verwendet werden, um die Eigenschaften von Futtermitteln zu verbessern, z. B. um den Geschmack oder die Verdaulichkeit von Futtermitteln zu verbessern. Sie werden in der intensiven Landwirtschaft häufig in großem Maßstab eingesetzt. Ein Unternehmen, das einen Futtermittelzusatzstoff in der EU auf den Markt bringen möchte, muss zuvor eine Zulassung erlangen. Als Teil dieses Zulassungsprozesses bewertet die EFSA die Sicherheit und Wirksamkeit jedes Zusatzstoffs und überprüft den Zusatzstoff auf gesundheitsschädliche Wirkungen bei Menschen und Tieren sowie negative Auswirkungen auf die Umwelt (siehe unten).
Futtermittelzusatzstoffe umfassen: 

 

  • technologische Zusatzstoffe, z. B. Konservierungsmittel, Antioxidationsmittel, Emulgatoren, Stabilisatoren, Säureregulatoren, Silierzusatzstoffe
  • sensorische Zusatzstoffe, z. B. Aromastoffe, Farbstoffe
  • ernährungsphysiologische Zusatzstoffe, z. B. Vitamine, Aminosäuren, Spurenelemente
  • zootechnische Zusatzstoffe, z. B. Verdaulichkeitsförderer, Darmflorastabilisatoren
  • Kokzidiostatika und Histomonostatika 

EU-Rechtsvorschriften

Die europäischen Rechtsvorschriften über Futtermittel bilden einen Rahmen zur Sicherstellung, dass Futtermittel keine Gefahr für die Gesundheit von Menschen oder Tieren oder für die Umwelt darstellen. Sie umfassen Bestimmungen zur Verbreitung und Verwendung von Futtermitteln, Anforderungen an die Futtermittelhygiene, Regelungen zu unerwünschten Stoffen in der Tierernährung, Vorschriften über genetisch veränderte Lebens- und Futtermittel sowie Bedingungen für die Verwendung von Zusatzstoffen in der Tierernährung.

Die Rolle der EFSA bei der Bewertung von Futtermittelzusatzstoffen

Die EFSA spielt eine Schlüsselrolle bei der Bereitstellung unabhängiger wissenschaftlicher Beratung im Rahmen von Zulassungsverfahren für Futtermittelzusatzstoffe. Wahrgenommen wird diese Aufgabe vom Gremium für Zusatzstoffe, Erzeugnisse und Stoffe in der Tierernährung (FEEDAP-Gremium). In Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission bewertet das Gremium jeden neuen Zusatzstoff, für den eine Zulassung beantragt wird. Unternehmen, die einen bestimmten Zusatzstoff in der EU auf den Markt bringen möchten, müssen einen Antrag vorlegen, der Informationen zur Identität des Zusatzstoffs, seinen Verwendungsbedingungen und Kontrollverfahren sowie Daten zum Nachweis seiner Sicherheit und Wirksamkeit umfasst.

Das FEEDAP-Gremium prüft diese Informationen und bewertet die Wirksamkeit und Sicherheit des Zusatzstoffs im Hinblick auf die Gesundheit von Mensch und Tier sowie auf die Umwelt und berücksichtigt dabei Rückstände sowohl in Erzeugnissen tierischen Ursprungs (z. B. Milch, Fleisch, Eier) als auch im Boden, im Grundwasser und im Oberflächenwasser. Parallel dazu bewertet das Gemeinschaftliche Referenzlabor für Futtermittelzusätze die Analysemethoden für den Nachweis des Zusatzstoffs in Futtermitteln sowie möglicher Rückstände des Zusatzstoffs in Lebensmitteln.

Wenn das Gutachten der EFSA positiv ausfällt, erstellt die Europäische Kommission in einem Verfahren unter Beteiligung der im Ständigen Ausschuss für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit – Tierernährung vertretenen Mitgliedstaaten einen Entwurf für eine Verordnung zur Zulassung des Zusatzstoffs. Zulassungen werden für bestimmte Tierarten und/oder Verwendungsbedingungen erteilt und sind auf einen Zeitraum von zehn Jahren begrenzt, der jedoch verlängert werden kann.

Farbstoffe, die als Lebensmittelzusätze Verwendung finden, können u.U. auch für den Einsatz als Futtermittelzusatzstoffe zugelassen werden. Die Bewertung der Sicherheit von Lebensmittel- und Futtermittelzusatzstoffen wird von verschiedenen wissenschaftlichen Gremien der EFSA vorgenommen, wobei aufgrund verschiedener rechtlicher Rahmenbedingungen in den beiden Bereichen unterschiedliche Datenanforderungen zum Tragen kommen. Die betreffenden Gremien der EFSA koordinieren jedoch ihre wissenschaftliche Arbeit, um ein konsistentes Vorgehen bei der Risikobewertung und der Berücksichtigung vorliegender wissenschaftlicher Daten in diesen Bereichen zu gewährleisten.

Weitere Arbeit der EFSA im Bereich Futtermittel

Andere EFSA-Gremien führen ebenfalls Risikobewertungen für Futtermittel innerhalb ihrer jeweiligen Spezialgebiete durch. Dazu zählen die Kontamination von Futtermitteln durch Stoffe, die in den Rechtsvorschriften der EU geregelt sind, und Themen wie etwa die Kreuzkontamination von Futtermitteln durch Kokzidiostatika (CONTAM-Gremium). Die Verwendung von GVO als Futtermittel oder als Bestandteil von Futtermitteln (GMO-Gremium) und Fragen im Zusammenhang mit den Stoffen, die im Rahmen der TSE-/BSE-Verordnungen für Futtermittel verboten sind (BIOHAZ-Gremium) werden ebenfalls abgedeckt.

Kontamination von Futtermitteln durch Gossypol – CONTAM-Gremium

Gossypol ist eine Verbindung, die Baumwollpflanzen zur Abwehr von Schädlingen bilden. Da Baumwollsaat reich an Öl und Proteinen ist, wird sie häufig als Futterzusatzstoff eingesetzt. Gossypol ist jedoch als unerwünschter Stoff in der Tierernährung in Anhang I der EU-Richtlinie 2002/32/EG aufgeführt, in dem auch die entsprechenden Gehalte festgelegt sind.

Die Europäische Kommission hat das CONTAM-Gremium der EFSA ersucht, die Risiken zu bewerten, die sich für die Tiergesundheit durch das Vorhandensein von freiem Gossypol (der leicht extrahierbaren Form dieses Stoffes) in Futtermitteln ergeben. Das Gremium bewertete darüber hinaus auch die Risiken für die menschliche Gesundheit, die sich durch den Verzehr tierischer Erzeugnisse mit Rückständen von Gossypol ergeben.

Das durch die Langzeitexposition von Säugetieren (einschließlich von Menschen) in erster Linie von der Gossypoltoxizität betroffene Organ sind die Hoden – Spermienproduktion und motilität sind herabgesetzt. In dem im Dezember 2008 angenommenen Gutachten wurde der Schluss gezogen, dass monogastrische Tiere wie Schweine und Kaninchen diejenigen Tierarten sind, die am empfindlichsten auf die Gossypoltoxizität reagieren, während Wiederkäuer diesbezüglich toleranter sind.

Es stehen kaum Daten zum Gossypolgehalt in Futtermitteln und zum Übergang in tierische Erzeugnisse zur Verfügung. In den vergangenen Jahren wurde jedoch weniger Baumwollsaat in die EU eingeführt, und es werden vergleichsweise geringe Mengen als Futtermittel eingesetzt. Überdies verringert die in der EU gängige Praxis der Verarbeitung handelsüblicher Baumwollsaat mittels Erhitzen und Dampf die Gossypolgehalte beträchtlich. Das CONTAM-Gremium gelangte zu dem Schluss, dass die zulässigen Höchstgehalte von Gossypol in Futtermitteln die Tiergesundheit nicht beinträchtigen würden. Rückstände in tierischen Erzeugnissen wären ebenfalls höchst unwahrscheinlich und würden sich nicht auf die menschliche Gesundheit auswirken. Weitere Informationen sind unter Gutachten über Gossypol als unerwünschte Substanz in Tierfutter verfügbar.

Quecksilberkontamination in Futtermitteln – CONTAM-Gremium

Im Februar 2008 nahm das CONTAM-Gremium ein Gutachten zum Vorhandensein von Quecksilber in Tierfutter an. Quecksilber ist ein in der Natur vorkommendes Element, das aus verschiedenen Quellen, darunter menschlichen Aktivitäten, in die Umwelt freigesetzt wird. Methylquecksilber ist die häufigste organische Quecksilberverbindung in der Umwelt. Es wird in der Nahrungskette, insbesondere in der aquatischen Nahrungskette, bioakkumuliert und biokonzentriert und bei Menschen und Tieren leicht über den Magen-Darm-Trakt resorbiert, was zu Nierenschäden führen und die neurologische Entwicklung beeinträchtigen kann.

Die häufigste Quecksilberquelle in Futtermitteln ist Fischmehl, eine proteinreiche Futterergänzung, die aus Fischereiabfällen oder aus Fisch, der nicht für den menschlichen Verzehr geeignet ist, hergestellt wird. Das Gremium stellte fest, dass die Konzentrationen bei der großen Mehrzahl der in den Mitgliedstaaten analysierten Futtermittelproben unter den in den EU-Rechtsvorschriften festgelegten Höchstwerten lagen. Es ist unwahrscheinlich, dass selbst die gegenüber der Toxizität von Methylquecksilber empfindlichsten Haustierarten, nämlich Katzen und Nerze, durch handelsübliche Futtermittel toxischen Konzentrationen ausgesetzt werden. Das Gremium stellte auch fest, dass die höchsten Quecksilberkonzentrationen, die bei Zuchtlachs berichtet wurden, etwa um das Fünffache niedriger liegen als der EU-Höchstwert, der zum Schutz der Verbraucher festgelegt wurde. Weitere Informationen sind unter Gutachten über Quecksilber als unerwünschte Substanz in Tierfutter verfügbar.

TSE-Risiken der Fütterung von Wiederkäuern mit Fischmehl – BIOHAZ-Gremium

Eine der Aufgaben des BIOHAZ-Gremiums besteht darin, Risikomanager in TSE-/BSE-Fragen zu beraten, einschließlich der wissenschaftlichen Faktoren zur Untermauerung der EU-Bestimmungen zu Stoffen, deren Verwendung in Futtermitteln verboten ist. Die Verwendung von Fischmehl in Futtermitteln für Wiederkäuer wurde im Rahmen der TSE-Verordnungen verboten, weil es schwierig ist, Fleisch- und Knochenmehl in Futtermitteln nachzuweisen, die Fischmehl enthalten, falls eine Kreuzkontamination auftritt. Im Februar 2007 erstellte die EFSA auf Anfrage des Europäischen Parlaments ein Gutachten über den aktuellen Stand hinsichtlich der Gesundheitsrisiken der Fütterung von Wiederkäuern mit Fischmehl in Bezug auf das TSE-Risiko und darüber, ob diese Fütterung negative Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben könnte. Die Anfrage erfolgte im Zusammenhang mit dem Überarbeitungsprozess der EU-Bestimmungen, bei dem die Risikomanager in Erwägung zogen, die Fütterung junger Wiederkäuer mit Fischmehl zu erlauben und ein Toleranzniveau für Fischmehl im Futter für erwachsene Rinder unter strengen Bedingungen einzuführen. Weitere Informationen sind unter Gutachten über die Bewertung der Gesundheitsrisiken der Fütterung von Wiederkäuern mit Fischmehl in Bezug auf das TSE-Risiko verfügbar.

Bewertung der Umweltrisiken von Futtermittelzusatzstoffen – FEEDAP-Gremium

Futtermittelzusatzstoffe werden in der intensiven Landwirtschaft häufig über lange Zeiträume verwendet, und viele werden leicht in die Umwelt ausgeschieden. Die Bewertung der potenziellen Risiken für die Umwelt ist daher ein wichtiger Bestandteil des Risikobewertungsprozesses. Im März 2007 nahm das FEEDAP-Gremium ein Gutachten über die Entwicklung eines harmonisierten wissenschaftlichen Ansatzes für die Bewertung dieser Umweltrisiken an. Darin wurden Methoden zur Abschätzung der Konzentrationen von Futtermittelzusätzen in Tieren vorgeschlagen, bei denen die derzeitige Praxis in der Landwirtschaft und Aquakultur in der EU berücksichtigt wird. Vor der Annahme des Dokuments wurden die Industrie, Handelsverbände, die nationalen und internationalen Futtermittelsicherheitsbehörden und Risikobewertungsexperten konsultiert. Der Vorschlag der EFSA wurde der Europäischen Kommission zur Verwendung beim Entwurf neuer Leitlinien für die Risikobewertung von Futtermittelzusatzstoffen vorgelegt, der in die Verantwortung des Ständigen Ausschusses für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit fällt. Weitere Informationen sind unter Gutachten über die Entwicklung eines Ansatzes für die Bewertung der Umweltrisiken von Zusatzstoffen, Erzeugnissen und Stoffen in der Tierernährung verfügbar.

Risikobewertung von genetisch veränderten Futtermitteln – GMO-Gremium

Viele der GVO-Anträge, die von der EFSA bewertet werden, sind in erster Linie für die Verwendung in der Tierernährung bestimmt, z. B. die Anträge für verschiedene genetisch veränderte Mais- und Sojabohnenarten. Futtermittel, die aus GVO bestehen oder GVO enthalten, sind in der EU durch die Richtlinie 2001/18/EG über die absichtliche Freisetzung genetisch veränderter Organismen in die Umwelt und durch die Verordnung (EG) Nr. 1829/2003 über genetisch veränderte Lebensmittel und Futtermittel geregelt. Unternehmen, die beantragen, einen genetisch veränderten Organismus in der EU auf den Markt zu bringen, müssen im Anwendungsbereich des Antrags angeben, ob der GVO für die Verwendung in Lebensmitteln und/oder Futtermitteln sowie für andere Anwendungen wie Einfuhr, Verarbeitung oder Anbau bestimmt ist. Dies wird in den Informationen verdeutlicht, die die EFSA zu den eingehenden GVO-Anträgen veröffentlicht. Bei seiner Risikobewertung untersucht das GMO-Gremium Folgendes: