EFSA veröffentlicht Bericht zur Überwachung und Expositionsbewertung von Acrylamid

Webnachricht
20 April 2011

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat einen Bericht über die Acrylamidkonzentration in Lebensmitteln einschließlich einer Bewertung der Verbraucherexposition veröffentlicht. Hierin finden sich Schätzungen der Aufnahmemengen von Acrylamid für verschiedene Altersgruppen sowie Angaben über die Hauptquellen der Acrylamidexposition in der Ernährung der europäischen Verbraucher. Der Bericht stützt sich auf Daten, die von Mitgliedstaaten in den Jahren 2007 bis 2009 vorgelegt wurden,[1] und wird von der Europäischen Kommission und den EU-Mitgliedstaaten verwendet, um die Wirksamkeit freiwilliger Maßnahmen der Nahrungsmittelindustrie zur Verringerung der Acrylamidkonzentrationen zu bewerten.

Bei dem Vergleich von Daten aus dem Jahr 2007 mit den Angaben von 2009 konnte eine tendenzielle Verringerung der Acrylamidkonzentrationen lediglich bei 3 von 22 untersuchten Lebensmittelgruppen festgestellt werden (bei Kräckern, Baby-Keksen und Lebkuchen). Hingegen hat während des dreijährigen Überwachungszeitraums dem Bericht zufolge die Acrylamidkonzentrationen in Knäckebrot und löslichem Kaffee zugenommem und ist in einer Reihe von anderen Lebensmittelgruppen unverändert geblieben.[2] Die höchsten Durchschnittsgehalte von Acrylamid wurden in Lebensmitteln wie Kartoffelchips und Ersatzkaffee, beispielsweise in kaffeeähnlichen Getränken aus Zichorien oder Getreiden wie Gerste, nachgewiesen. Die Expositionsschätzungen für die verschiedenen Altersgruppen in Europa waren vergleichbar mit früheren Schätzungen[3].

Acrylamid ist eine chemische Verbindung, die sich typischerweise während des Kochens bei hohen Temperaturen, etwa beim Braten, Backen oder Rösten, in stärkehaltigen Lebensmitteln bildet. Eine Erklärung der EFSA von 2005 stellte potenzielle Gesundheitsbedenken im Zusammenhang mit Acrylamid fest, das nachweislich sowohl karzinogen als auch genotoxisch ist (also das Erbmaterial der Zellen schädigt). Einer Empfehlung der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2007 zufolge sind die Mitgliedstaaten aufgefordert, die Acrylamidkonzentrationen in Lebensmitteln auf jährlicher Basis zu überwachen und die Daten an die EFSA zur Bewertung und Zusammenstellung in einem Jahresbericht zu übermitteln.

Dieser jüngste Bericht – in dem die 2009 eingereichten Daten mit früheren Angaben aus den Jahren 2007 und 2008 verglichen werden – enthält auch eine Schätzung der Acrylamidexposition der europäischen Verbraucher nach Altersgruppen. Die gesammelten Überwachungsergebnisse der Mitgliedstaaten wurden mit individuellen Ernährungsinformationen aus der Umfassenden Europäischen Datenbank der EFSA über den Lebensmittelverzehr[4] kombiniert, um die Exposition gegenüber Acrylamid durch Lebensmittel festzustellen.

Gebratene bzw. frittierte Kartoffeln (einschließlich Pommes frites), Röstkaffee und Toastbrot wurden als Hauptquellen der Acrylamidexposition bei Erwachsenen identifiziert. Bei Kindern und Jugendlichen waren Pommes frites, Kartoffelchips, Kekse und Toastbrot die Hauptquellen der Exposition. Die Expositionsschätzungen für die verschiedenen Altersgruppen in Europa waren vergleichbar mit früheren Schätzungen, wie sie in der wissenschaftlichen Literatur zu finden sind und im Rahmen der Risikobewertungen des gemeinsamen FAO/WHO-Sachverständigenausschusses für Lebensmittelzusatzstoffe (JECFA) ermittelt wurden[5]. Seinerzeit kam der JECFA zu dem Schluss, dass Acrylamid bedenklich für die menschliche Gesundheit sein könnte und dass Anstrengungen unternommen werden sollten, die Exposition zu verringern[6].

Wie die vorigen Acrylamid-Jahresberichte der EFSA (2009, 2010) gelangt auch der diesjährige zu dem Schluss, dass die im Rahmen des sogenannten „Toolbox“-Ansatzes von der Industrie entwickelten freiwilligen Maßnahmen zur Verringerung der Acrylamidkonzentrationen in Lebensmitteln bisher nur begrenzten Erfolg gezeigt haben. Zur Senkung der Gesamtexposition wäre es wünschenswert, die Acrylamidkonzentrationen in den Lebensmittelgruppen, die am meisten zur Acrylamidexposition beitragen, weiter zu verringern. Außerdem empfiehlt der Bericht, dass die Probenahmen in den kommenden Jahren kontinuierlich dieselben Produkte abdecken und eine ausreichende Zahl an Proben für jede Lebensmittelgruppe umfassen sollten, um die Auswertung der Ergebnisse zu vereinfachen und deutliche statistische Trends zu ermitteln.

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[1] Im dreijährigen Überwachungszeitraum von 2007-2009 stellten 23 Mitgliedstaaten und Norwegen die Ergebnisse von insgesamt 10 366 Acrylamidanalysen zur Verfügung.
[2] Im Überwachungszeitraum wurden Daten für zehn Hauptgruppen von Lebensmitteln, untergliedert in 22 Untergruppen, vorgelegt.
[3] Die Expositionsberechnungen einzelner Länder können jedoch von den Ergebnissen der EFSA abweichen. Auf nationaler Ebene durchgeführte Expositionsbewertungen können sich auf eine unterschiedliche Auswahl von getesteten Lebensmitteln beziehen, Unterschiede in den verwendeten Lebensmittelverzehrsdaten spiegeln sowie unterschiedliche Annahmen in den Expositionsberechnungen berücksichtigen (zum Beispiel Unterschiede in der Zubereitung von gebratenen bzw. frittierten Kartoffeln, die sich auf die Acrylamidkonzentrationen in Lebensmitteln auswirken können).
[4] Bei der Umfassenden Europäischen Datenbank über den Lebensmittelverzehr handelt es sich um eine Informationsquelle zum Verzehr von Lebensmitteln in der gesamten Europäischen Union (EU), die detaillierte Verzehrsdaten für eine Reihe von EU-Ländern enthält. Die Datenbank spielt eine Schlüsselrolle bei der Bewertung der Risiken im Zusammenhang mit möglichen Gefahren in Lebensmitteln in der EU und ermöglicht in Kombination mit Daten zum Ausmaß der Belastung von bestimmten Lebensmitteln Schätzungen der Verbraucherexposition gegenüber solchen Gefahren. Dies ist ein grundlegender Schritt in der Risikobewertung durch die EFSA.
[5] JECFA-Risikobewertung 2005 (in englischer Sprache) (PDF);
JECFA-Risikobewertung 2010 (in englischer Sprache) (PDF).
[6] In seiner Risikoeinschätzung aus dem Jahr 2005, die 2010 einer Neubewertung unterzogen wurde, kam der JECFA zu dem Schluss, dass die Sicherheitsmarge für die Acrylamidexposition verhältnismäßig niedrig für eine genotoxische und karzinogene Verbindung sei, und dass dies bedenklich im Hinblick auf die menschliche Gesundheit sein könnte. Der MoE-Ansatz (Margin of Exposure) ermöglicht Vergleiche zwischen den Risikoniveaus verschiedener genotoxischer und karzinogener Stoffe und berücksichtigt die geschätzte Exposition des Menschen gegenüber einer bestimmten Substanz.