EFSA legt niedrigeren Wert für die tolerierbare Aufnahmemenge von in Lebensmitteln enthaltenem Cadmium fest

Das Gremium für Kontaminanten in der Lebensmittelkette (CONTAM) der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat den Höchstwert für die tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge (TWI)[1] von Cadmium auf der Grundlage der Bewertung von neuen Daten auf 2,5 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht (µg/kg Körpergewicht) gesenkt. Der „TWI“ gibt die Aufnahmemenge an, bei der keine nachteiligen Auswirkungen erwartet werden. Die durchschnittliche Aufnahme von Cadmium aus der Nahrung durch Erwachsene liegt in Europa etwa bei diesem Wert. Bei bestimmten Bevölkerungsgruppen — wie zum Beispiel bei Vegetariern, Kindern, Rauchern und Menschen, die in hoch belasteten Gebieten leben — kann die Exposition gegenüber Cadmium in höherem Ausmaß erfolgen und bis zum Doppelten des TWI-Höchstwertes betragen. Das CONTAM-Gremium kam jedoch auch zu dem Ergebnis, dass sogar für diese Gruppen das Risiko nachteiliger Auswirkungen sehr gering sein würde. Das Gremium gelangte ferner zu der Schlussfolgerung, dass die derzeitige Exposition gegenüber Cadmium auf der Ebene der Bevölkerung verringert werden sollte.

Die EFSA war von der Europäischen Kommission ersucht worden, die Risiken für die menschliche Gesundheit in Bezug auf die Exposition gegenüber Cadmium, dass durch den Konsum von Lebensmitteln aufgenommen wird, zu bewerten, um die Risikomanager bei der Überprüfung der zulässigen Höchstmengen von Cadmium in Lebensmitteln zu unterstützen. Außerdem war die EFSA beauftragt, die verhältnismäßige Bedeutung anderer Quellen der Exposition gegenüber Cadmium zu ermitteln und dabei auch die Expositionssituation von bestimmten Bevölkerungsgruppen — einschließlich Kindern — zu berücksichtigen.

Cadmium ist ein Schwermetall, das sowohl aus natürlichen Quellen — durch vulkanische Emissionen und durch die Verwitterung von Gestein — als auch aus der Industrie und der Landwirtschaft in die Umwelt gelangt. Cadmium findet sich in der Luft, im Boden und im Wasser und kann sich in Pflanzen und Tieren anreichern. Cadmium wirkt in erster Linie toxisch auf die Nieren, kann aber auch eine Demineralisierung der Knochen verursachen und ist von der Internationalen Agentur für Krebsforschung als krebserregend für den Menschen eingestuft worden[2] . Hauptquelle für die Exposition gegenüber Cadmium der nicht rauchenden Bevölkerung sind Lebensmittel. Getreidefrüchte und Getreideprodukte, Gemüse, Nüssen und Hülsenfrüchte, stärkehaltige Wurzeln und Kartoffeln sowie Fleisch und Fleischprodukte tragen am meisten zur menschlichen Exposition bei. Hohe Cadmiumanteile wurden auch in einigen anderen Lebensmitteln gefunden (wie z. B. Meeresalgen, Fisch und Meeresfrüchte, Nahrungsergänzungsmittel, Pilze und Schokolade) — da sie jedoch in geringerem Ausmaß konsumiert werden, leisten sie keinen bedeutenden Beitrag zur Exposition.

Das CONTAM-Gremium hat eine große Anzahl von Studien analysiert, in denen der Zusammenhang zwischen dem Cadmiumgehalt im Urin und Beta-2-Mikroglobulin untersucht wurde. Beta-2-Mikroglobulin ist ein Protein, das über den Urin ausgeschieden wird und einen biologischen Indikator für die Nierenfunktion darstellt. Durch Anwendung der Ergebnisse dieser Analyse auf ein Modell, das den Cadmiumgehalt im Urin in die ernährungsbedingte Exposition gegenüber Cadmium übersetzt, ermittelte das Gremium den neuen TWI-Wert von 2,5 µg/kg Körpergewicht. Das CONTAM-Gremium ist zu dem Ergebnis gelangt, dass das Risiko von negativen Auswirkungen sogar bei Bevölkerungsgruppen mit Aufnahmemengen, die über dem TWI liegen, sehr gering ist, da die Ermittlung des TWI-Wertes nicht auf der Grundlage von tatsächlichen Nierenschädigungen erfolgt, sondern auf einem Frühindikator zur Vorhersage von möglichen Nierenschäden im späteren Leben beruht.

Bei Vegetariern — die verhältnismäßig große Mengen an cadmiumhaltigen Lebensmitteln (einschließlich Getreide, Nüssen, Ölsamenprodukte und Hülsenfrüchte) verzehren — liegt die durchschnittliche wöchentliche Exposition Schätzungen zufolge bei bis zu 5,4 µg/kg Körpergewicht. Das CONTAM-Gremium stellte ebenfalls fest, dass der Verzehr von vor Ort erzeugten Lebensmitteln aus hoch belasteten Gebieten zu einer stärkeren Exposition gegenüber Cadmium führen kann. Außerdem kann die ernährungsbedingte Exposition gegenüber Cadmium bei Kindern höher als bei Erwachsenen sein, weil Kinder im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht größere Mengen an Nahrung aufnehmen.

Neben Daten aus einzelstaatlichen Lebensmittelerhebungen und von der EFSA gesammelten EU-weiten Verzehrdaten hat das CONTAM-Gremium zudem Daten zum Cadmiumgehalt von Lebensmitteln aus 20 verschiedenen Ländern analysiert. Die so gewonnenen Informationen weisen darauf hin, dass die durchschnittliche bzw. die hohe[3] Exposition gegenüber Cadmium bei 2,3 µg/kg Körpergewicht bzw. 3,0 µg/kg Körpergewicht liegt.

Darüber hinaus hat das CONTAM-Gremium festgestellt, dass das Rauchen zu einer ähnlichen inneren Exposition gegenüber Cadmium führen kann wie diejenige, welche über die Ernährung erfolgt, und dass Hausstaub eine wichtige Quelle der Gesamtexposition von Kindern gegenüber Cadmium sein kann.

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[1] Die tolerierbare bzw. zulässige wöchentliche Aufnahmemenge (TWI; Tolerable Weekly Intake) ist die Menge eines beliebigen Stoffes, der über die gesamte Lebenszeit pro Woche aufgenommen werden kann, ohne spürbare Auswirkungen auf die Gesundheit der Verbraucher zu haben. Der Gemeinsame FAO/WHO-Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe (JECFA; Joint FAO/WHO Expert Committee on Food Additives) hat 1988 für Cadmium eine vorläufig tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge von 7 µg/kg Körpergewicht festgelegt, die im Jahr 2003 erneut von der JECFA bestätigt wurde. 1995 wurde die tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge ebenfalls vom damaligen Wissenschaftlichen Lebensmittelausschuss der EU bestätigt.
[2] IARC (International Agency for Research on Cancer), 1993. Beryllium, Cadmium, Mercury and Exposures in the Glass Manufacturing Industry. IARC Monographs on the Evaluation of Carcinogenic Risk of Chemicals to Humans, Vol. 58. Lyon, Frankreich, S. 444 ff.
[3] Die hohe Exposition wurde berechnet auf der Basis der Summe des 95. Perzentils der Exposition durch den Verzehr von Getreide und Gemüse (nur Verbraucher) und der durchschnittlichen Exposition für andere Kategorien von Lebensmitteln der gesamten Bevölkerung.