Dioxine und verwandte PCB: tolerierbare Aufnahmemenge aktualisiert

Die EFSA hat das Ergebnis früherer Bewertungen bestätigt, dass die ernährungsbedingte Exposition gegenüber Dioxinen und dioxinähnlichen PCB – Umweltschadstoffen, die in geringen Mengen in Lebens- und Futtermitteln vorkommen – ein Gesundheitsrisiko darstellt. Daten aus europäischen Ländern deuten für alle Altersgruppen auf eine Überschreitung der von der EFSA neu abgeleiteten tolerierbaren Aufnahmemenge hin.

Bei Dioxinen und dioxinähnlichen PCB handelt es sich um toxische Chemikalien, die jahrelang in der Umwelt verbleiben und sich in geringen Mengen in der Lebensmittelkette anreichern, in der Regel im Fettgewebe von Tieren. Infolge der Anstrengungen von Behörden und Industrie war in den letzten 30 Jahren ein Rückgang von Dioxinen und dioxinähnlichen PCB in Lebens- und Futtermitteln zu beobachten.

Das Expertengremium für Kontaminanten in der Lebensmittelkette (CONTAM) der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die erste umfassende Bewertung der Behörde zu Gesundheitsrisiken für Mensch und Tier durch Dioxine und dioxinähnliche PCB in Lebens- und Futtermitteln abgeschlossen. Das Ersuchen der Europäischen Kommission um diese Risikobewertung durch die EFSA erfolgte im Anschluss an deren wissenschaftliche Stellungnahme von 2015 zu Unterschieden zwischen den von verschiedenen wissenschaftlichen Beratungsgremien festgelegten tolerierbaren Aufnahmemengen.

Neue tolerierbare Aufnahmemenge

Im Rahmen der Risikobewertung wurden beim Menschen beobachtete Auswirkungen berücksichtigt und Daten aus Tierversuchen als unterstützende Hinweise herangezogen. Die EFSA erörterte ihren wissenschaftlichen Ansatz, einschließlich des Rückgriffs auf (epidemiologische) Studien am Menschen, mit nationalen Partnern in europäischen Ländern, um ein besseres Verständnis der verwendeten Methoden und Daten zu fördern.

Dr. Ron Hoogenboom, Mitglied des CONTAM-Gremiums und Vorsitzender der für Dioxine zuständigen Arbeitsgruppe, erklärte: „Das Gremium hat für Dioxine und dioxinähnliche PCB in Lebensmitteln eine neue tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge (Tolerable Weekly Intake – TWI) von 2 Pikogramm* pro Kilogramm Körpergewicht bestimmt.“

Der neue TWI-Wert ist siebenmal niedriger als die vom ehemaligen Wissenschaftlichen Lebensmittelausschuss der Europäischen Kommission im Jahr 2001 festgelegte tolerierbare Aufnahmemenge.

„Die Hauptgründe für die Absenkung des Werts waren das Vorliegen neuer epidemiologischer und experimenteller Tierdaten zur Toxizität dieser Substanzen sowie verfeinerte Modellierungsverfahren zur Prognose der Konzentrationen im menschlichen Körper im Zeitverlauf.“

Verminderte Spermienqualität

„Der neue TWI-Wert schützt vor Beeinträchtigungen der Spermienqualität, der nachteiligen gesundheitlichen Auswirkung, die bei den niedrigsten Konzentrationen dieser Schadstoffe in menschlichem Blut zu beobachten ist“, fügte Dr. Hoogenboom hinzu.

Der TWI-Wert schützt auch vor anderen Auswirkungen, die in Studien mit menschlichen Probanden beobachtet wurden: eine niedrigere Geburtenzahl von Söhnen im Vergleich zu Töchtern, höhere Werte des schilddrüsenstimulierenden Hormons bei Neugeborenen sowie Störungen der Zahnschmelzbildung.

Exposition übersteigt TWI in allen Altersgruppen

Bei den meisten Altersgruppen in europäischen Ländern erfolgt die durchschnittliche ernährungsbedingte Exposition hauptsächlich über Fisch (insbesondere fettreiche Fischsorten), Käse und Fleisch.

Dr. Hoogenboom erklärte: „Bei Jugendlichen, Erwachsenen und älteren Menschen waren die durchschnittliche und die hohe Exposition bis zu fünfmal bzw. 15-mal so hoch wie der neue TWI-Wert. Bei Kleinkindern und anderen Kindern bis 10 Jahre war ein ähnlicher Überschreitungsbereich des TWI zu verzeichnen.“

Empfehlungen des Gremiums

„Diese Überschreitungen sind gesundheitlich bedenklich, wobei die Toxizität der schädlichsten dioxinähnlichen PCB überschätzt worden sein mag“, so Dr. Hoogenboom. „Bei der Berechnung der Toxizität solcher Substanzen verwenden wir international vereinbarte Werte, die als Toxizitätsäquivalenzfaktoren (TEF) bezeichnet werden. Angesichts neuer wissenschaftlicher Daten würde das Gremium eine Überprüfung der TEFs sowohl für Dioxine als auch für dioxinähnliche PCB unterstützen. Sollte sich herausstellen, dass sie weniger toxisch sind als angenommen, würde dies die Bedenken für Verbraucher verringern.

Folgemaßnahmen nach Veröffentlichung des EFSA-Gutachtens

Die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedstaaten werden im Nachgang zum wissenschaftlichen Gutachten der EFSA Risikomanagementmaßnahmen erörtern, um ein hohes Maß an Verbraucherschutz zu gewährleisten.

* Ein Pikogramm is ein Billionstel (10−12) Gramm.

Weitere Informationen:

Dioxine sind unerwünschte Nebenprodukte, die bei thermischen und industriellen Prozessen anfallen. PCB fanden breite Anwendung in industriellen Verfahren, bevor sie in den 1980er Jahren in der EU verboten wurden. Zwölf PCB werden als „dioxinähnliche PCB“ bezeichnet, da sie ähnliche toxikologische Eigenschaften wie Dioxine aufweisen. Für weitere Informationen siehe Themenseite zu Dioxinen und dioxinähnlichen PCB.

 

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