Aromastoff gibt Anlass zu Sicherheitsbedenken

Der Aromastoff p-Mentha-1,8-dien-7-al (auch „Perilla-Aldehyd“ genannt) hat sich in einer neuen Studie an Tieren, die von Sachverständigen der EFSA ausgewertet wurde, als genotoxisch (d.h. schädlich für die DNA) erwiesen. Das Verfahren der Behörde für die Sicherheitsbewertung von Lebensmittelaromen sieht vor, dass, sobald ein Stoff als Genotoxin beschrieben wird, die Schlussfolgerungen der EFSA sich ausschließlich auf diesen Aspekt beziehen, ohne die Verbraucherexposition zu berücksichtigen.

Im Jahr 2002 ergab eine internationale Bewertung von Perilla-Aldehyd als Lebensmittelaroma, dass der Stoff „bei den derzeitigen Aufnahmemengen keine Sicherheitsbedenken“ hervorrufe. Im Jahr 2008 ersuchte die Europäische Kommission die EFSA um eine Neubewertung des Stoffs im Rahmen der Evaluierung sämtlicher Lebensmittelaromen, die für die Verwendung in der EU zugelassen sind.

Die Einreichung von Daten zu diesem Aromastoff seitens der Aromaindustrie erfolgte erstmals im Jahr 2012 nach Aufforderung durch die EFSA. Daraufhin kamen die Sachverständigen der Behörde 2013 zu dem Schluss, dass der Stoff potenziell genotoxisch ist und verlangten eine zusätzliche Studie zur Bestimmung möglicher Auswirkungen auf Leber und Magen. Die im Jahr 2014 vorgelegte neue Studie steht im Mittelpunkt des aktuellen EFSA-Gutachtens, das zu dem Schluss gelangt, dass Perilla-Aldehyd DNA-Schäden in der Leber induziert. Allerdings verweisen die EFSA-Sachverständigen auf einige Schwachstellen in den historischen Kontrolldaten (also in Bezug auf die Versuchstiere, die nicht dem untersuchten spezifischen Stoff ausgesetzt waren) des Labors, das den betreffenden Test durchführte.

Im Rahmen des zur Evaluierung von Aromastoffen entwickelten EU-Systems dient Perilla-Aldehyd auch als Proxy für die Bewertung neun weiterer, strukturell ähnlicher chemischer Stoffe, die zusammen als „alizyklische Aldehyde“ bezeichnet werden. Die Sachverständigen der EFSA weisen daher darauf hin, dass potenziell auch für diese Stoffe Sicherheitsbedenken bestehen, solange nicht der Nachweis des Gegenteils erbracht wird.

Perilla-Aldehyd kommt natürlicherweise in den Schalen von Zitrusfrüchten vor. Es wird in begrenzten Mengen hergestellt und einigen Backwaren, Puddings, Fleischerzeugnissen und alkoholischen wie alkoholfreien Getränken beigefügt, um einen intensiven Zitrusduft und einen holzig-würzigen Zitrusgeschmack zu erhalten.

Die EU-Risikomanager werden prüfen, wie dem wissenschaftlichen Gutachten der EFSA bei der Abwägung möglicher Folgemaßnahmen am besten Rechnung zu tragen ist.

Notes to editors
  • Das von der EFSA angewendete Verfahren für die Sicherheitsbewertung von Aromastoffen ist in folgendem Leitliniendokument der Behörde beschrieben: Guidance on the data required for the risk assessment of flavourings to be used in or on foods. In Bezug auf die Bewertung der potenziellen Genotoxizität eines Stoffes folgen die EFSA-Wissenschaftler diesem wissenschaftlichen Gutachten: Scientific opinion on genotoxicity testing strategies applicable to food and feed safety assessment.
  • Das Verzeichnis der Europäischen Union für Aromastoffe, die in der EU zur Verwendung in Lebensmitteln zugelassen sind, trat im Oktober 2012 in Kraft. Seit 2003 ist die EFSA wesentlich an der Erarbeitung dieses Verzeichnisses beteiligt und hat in diesem Zusammenhang die Sicherheit von Tausenden von Aromastoffen bewertet. Bislang wurden mehr als 2.000 Aromastoffe in das EU-Verzeichnis aufgenommen. Dieses bedeutende wissenschaftliche Arbeitsprogramm, das nach wie vor im Gange ist, hat wesentlich dazu beigetragen, dass in Lebensmitteln verwendete Aromastoffe keine Sicherheitsbedenken für Verbraucher darstellen, und wird dies auch in Zukunft tun.

 

Understanding Science: What are genotoxic substances?

 

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