Lebensmittel sind wichtigste BPA-Quelle für Verbraucher, auch Thermopapier kommt potenzielle Bedeutung zu

Die wissenschaftlichen Sachverständigen der EFSA sind zu dem vorläufigen Schluss gelangt, dass die aufgenommene Nahrung bei allen Bevölkerungsgruppen die hauptsächliche Quelle für eine Exposition gegenüber Bisphenol A (BPA) darstellt und dass die Exposition geringer ist als frühere Schätzungen der EFSA ergaben. BPA ist eine chemische Verbindung, die in Lebensmittelkontaktmaterialien, beispielsweise Verpackungen, aber auch in anderen Verbrauchsgütern Verwendung findet. Bei der aktuellen Bewertung der BPA-Exposition handelt es sich um die erste der Behörde seit 2006 sowie die erste, bei der sowohl Nahrungs- als auch Nicht-Nahrungsquellen berücksichtigt werden (darunter Thermopapier und umweltbedingte Ursachen wie Luft und Staub). In einem zweistufigen Verfahren im Rahmen ihrer vollständigen Risikobewertung von BPA holt die EFSA derzeit Rückmeldungen zu ihrem Entwurf einer Bewertung der diesbezüglichen Verbraucherexposition ein. In einer späteren Phase wird die Behörde dann eine öffentliche Konsultation über den zweiten Teil ihres Gutachtenentwurfs durchführen, dessen Schwerpunkt auf der Bewertung der potenziellen Gesundheitsrisiken für den Menschen durch BPA liegen wird.

Dank neuer Daten, die infolge eines Aufrufs der EFSA zur Einreichung von Daten eingingen, konnten die  Expositionsabschätzungen im Vergleich zu 2006 erheblich verfeinert werden. Kleinkinder und Säuglinge (im Alter von 6 Monaten bis 3 Jahren) nehmen demzufolge schätzungsweise durchschnittlich 375 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag (ng/kg KG/Tag) über die Nahrung auf; für die Bevölkerung im Alter von über 18 Jahren (einschließlich Frauen im gebärfähigen Alter) liegt die ernährungsbedingte Exposition hingegen bei bis zu 132 ng/kg KG/Tag. Diese Schätzwerte betragen weniger als 1% der derzeitigen tolerierbaren täglichen Aufnahmemenge (Tolerable Daily Intake – TDI) für BPA (0,05 mg/kg KG/Tag), die 2006 von der EFSA festgelegt wurde.

Bei allen Bevölkerungsgruppen im Alter von mehr als drei Jahren stellte Thermopapier die zweitwichtigste BPA-Quelle nach der Ernährung dar (und macht bei einigen Bevölkerungsgruppen potenziell bis zu 15% der Gesamtexposition aus).

Neben anderen wichtigen Ergebnissen fanden die Wissenschaftler heraus, dass die ernährungsbedingte Exposition gegenüber BPA bei Kindern im Alter von drei bis zehn Jahren am höchsten ist (was sich durch den höheren Lebensmittelverzehr in Bezug auf das Körpergewicht erklären lässt). Lebensmittelkonserven sowie nicht in Dosen verpacktes Fleisch und Fleischerzeugnisse wurden für alle Altersgruppen als bedeutende Quellen der ernährungsbedingten BPA-Exposition ermittelt.

Wissenschaftlicher Ansatz

Um zu diesen Expositionsabschätzungen zu gelangen, verfolgten die Sachverständigen des wissenschaftlichen Gremiums der EFSA für Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, Enzyme, Aromastoffe und Verarbeitungshilfsstoffe (CEF-Gremium) zwei Ansätze: Expositionsmodellierung und Analyse von Human-Biomonitoring-Daten (anhand von Urinproben).

  • Bei der Expositionsmodellierung wird die BPA-Exposition über Lebensmittel- und Nicht-Lebensmittelquellen (Thermopapier, Luft, Staub, Spielzeug, Kosmetika, Zahnversiegelungen) sowie unterschiedliche Expositionspfade (Nahrungsaufnahme, Einatmen und Hautkontakt) in der EU-Bevölkerung bewertet. Mit dieser Methode lässt sich die Exposition aus allen Quellen abschätzen, die ermittelt und einzeln quantifiziert werden konnten.
  • Biomonitoring-Daten anhand von Urinproben (d.h. im Urin nachgewiesene BPA-Konzentrationen) wurden dazu verwendet, die vom Gremium vorgenommenen Schätzungen der BPA-Gesamtexposition zu untermauern und sicherzustellen, dass keine wichtige Expositionsquelle ausgelassen wurde.

Der Gutachtenentwurf des Gremiums enthält eine Analyse möglicher Unsicherheiten bei der Expositionsbewertung. Die Schätzungen für die ernährungsbedingte Exposition auf Grundlage von Daten zum BPA-Vorkommen in Lebensmitteln und der umfassenden europäischen Datenbank zum Lebensmittelverzehr der EFSA werden als robust erachtet. Es bestehen jedoch Unsicherheiten hinsichtlich der Exposition durch Thermopapier, und es werden noch mehr Daten benötigt, insbesondere im Zusammenhang mit der Hautabsorption von BPA und den Gewohnheiten im Umgang mit Kassenbons, damit eine verfeinerte Expositionsabschätzung hinsichtlich dieser Quelle abgegeben werden kann.

Öffentliche Konsultation und laufende Arbeiten

Alle Interessengruppen und interessierten Kreise können vom 25. Juli bis zum 15. September 2013 ihre Kommentare zum Entwurf der Expositionsabschätzung abgeben. Die EFSA entschied sich – im Interesse der Transparenz und im Einklang mit ihrer Bereitschaft, sich mit allen Interessensgruppen auszutauschen –, vor Abschluss ihrer vollständigen Risikobewertung eine zweistufige öffentliche Konsultation durchzuführen.

Hinweise für die Redaktion
  • BPA wird bei der Herstellung von Kunststoffen aus Polycarbonat (PC), Epoxidharzen und anderen Polymermaterialien sowie für bestimmte Papiererzeugnisse (z. B. Thermopapier) verwendet. PC wiederum wird für Lebensmittel- und Getränkebehältnisse, beispielsweise Geschirrteile (Teller und Becher), Mikrowellengeschirr, Kochgeschirr, Behälter für Wasserspender und andere verbrauchernahe Produkte, wie Spielzeuge und Schnuller mit PC-Schild, eingesetzt. Epoxidphenolharze auf BPA-Basis dienen als Schutzbeschichtungen für Konserven- und Getränkedosen sowie als Auskleidungen häuslicher Trinkwasserbehälter. BPA findet ebenfalls Anwendung bei einer Reihe von Nicht-Lebensmitteln, wie Farben auf Epoxidharz-Basis, medizinischen Geräten, Oberflächenbeschichtungen, Druckfarben und Flammschutzmitteln.
  • Im Jahr 2006 schloss die EFSA ihre vollständige Risikobewertung von BPA als Lebensmittelkontaktmaterial ab und setzte eine tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (Tolerable Daily Intake – TDI-Wert) von 0,05 mg/kg KG/Tag (oder 50.000 ng/kg KG/Tag) für diese Substanz fest. Der TDI-Wert ist die auf der Basis des Körpergewichts geschätzte Menge eines Stoffs, die ohne nennenswertes Risiko ein Leben lang täglich aufgenommen werden kann. In ihrer Risikobewertung von 2006 bewertete die EFSA auch die von Erwachsenen, Säuglingen und Kindern über Nahrungsmittel und Getränke aufgenommenen BPA-Mengen und stellte fest, dass diese deutlich unter dem TDI-Wert lagen. Seit 2006 hat die EFSA ihre wissenschaftlichen Empfehlungen zu BPA mehrmals aktualisiert, zuletzt im Jahr 2011, als sie ihre Risikobewertung auf den neuesten Stand brachte. Die früheren Aktualisierungen umfassten jedoch keine Expositionsabschätzung.
  • Nach weiterer Auswertung jüngster wissenschaftlicher Studien entschied sich das CEF-Gremium im Februar 2012, eine vollständige Neubewertung der für den Menschen bestehenden Risiken im Zusammenhang mit der ernährungsbedingten BPA-Exposition durchzuführen und dabei auch den Beitrag von Nicht-Nahrungsquellen zur BPA-Gesamtbelastung zu berücksichtigen. Hierzu wurden alle vorliegenden Daten und wissenschaftlichen Studien zum Vorkommen von BPA in Lebensmitteln und Nicht-Nahrungsquellen ausgewertet, die seit dem EFSA-Gutachten von 2006 veröffentlicht wurden. Neben der Expositionsabschätzung nimmt das Gremium auch eine vollständige Bewertung der potenziellen Gesundheitsrisiken durch BPA für den Menschen vor; dies umfasst eine weitere Bewertung der möglichen Relevanz, die einige mit BPA zusammenhängende, an Versuchstieren bei niedrigen Dosen beobachtete Wirkungen, für die menschliche Gesundheit haben könnten.
  • Vergleich der Schätzwerte für die ernährungsbedingte BPA-Exposition von 2006 und 2013:
    • Bei Säuglingen (bis zu 3 Monaten) ist die ernährungsbedingte Exposition schätzungsweise etwa 30-mal niedriger als zuvor angegeben (135 ng/kg KG/Tag im Jahr 2013 gegenüber 4.000 ng/kg KG/Tag im Jahr 2006).
    • Bei Erwachsenen (einschließlich Frauen im gebärfähigen Alter) liegt der Schätzwert 2013 ungefähr 11-mal niedriger als 2006 (bis zu 132 ng/kg KG/Tag im Jahr 2013 gegenüber 1.500 ng/kg KG/Tag im Jahr 2006).
  • Tabelle 23 (Seite 68 des aktuellen Gutachtenentwurfs) gibt einen Überblick über die BPA-Exposition aus allen Quellen. Tabelle 33 (Seite 107) enthält die Schätzwerte von 2006 und 2013 sowie BPA-Schätzungen aus anderen Expositionsbewertungen – darunter diejenigen der französischen Behörde für Ernährungssicherheit, Umwelt- und Arbeitsschutz (Anses) sowie der FAO/WHO.
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