Zoonosenbericht 2011 von EFSA und ECDC: Steigende Zahl von Infektionen durch Campylobacter und E. coli beim Menschen, während Salmonella-Fälle weiter zurückgehen

Pressemitteilung
9 April 2013

Campylobacteriose ist nach wie vor die am häufigsten gemeldete Zoonose beim Menschen[1], wobei die Zahl der gemeldeten Fälle in den letzten fünf Jahren weiter zugenommen hat. Der Trend hinsichtlich gemeldeter Infektionen beim Menschen mit Verocytotoxin produzierenden Escherichia coli (VTEC/STEC) ist ebenfalls seit 2008 angestiegen und wurde zusätzlich verstärkt durch den Ausbruch im Sommer 2011. Die Zahl der Salmonella-Infektionen beim Menschen ist weiterhin rückläufig und nahm damit bereits im siebten Jahr in Folge ab. Dies sind einige der wichtigsten Ergebnisse des Jahresberichts zu Zoonosen und lebensmittelbedingten Krankheitsausbrüchen in der Europäischen Union für das Jahr 2011, den die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) gemeinsam erstellt haben.

Der Bericht unterstützt die Europäische Kommission und EU Mitgliedstaaten bei der Überwachung von Risiken im Zusammenhang mit zoonotischen Erkrankungen. Diese können direkt oder indirekt zwischen Tier und Mensch übertragen werden, zum Beispiel durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel oder über Kontakt mit infizierten Tieren.

„Die gute Nachricht ist, dass die positive Tendenz im Hinblick auf den Rückgang von Salmonella-Fällen bei Menschen und Geflügel andauert. Der Anstieg bei Campylobacter- und VTEC-Infektionen hingegen unterstreicht, dass es weiterhin nötig ist, das Vorkommen dieser Bakterien in der Lebensmittelkette zu überwachen und zu bekämpfen, um das Expositionsrisiko für Menschen zu verringern“, so Pia Makela, Leiterin des Referats Biologische Überwachung der EFSA.

Johan Giesecke, leitender Wissenschaftler am ECDC, fügte hinzu: „Wir müssen nach wie vor wachsam bleiben und unsere Zusammenarbeit mit allen wichtigen Partnern, die an der Vorbeugung und Bekämpfung zoonotischer Krankheiten beteiligt sind, weiter ausbauen. Zwar zeigen die Ergebnisse des Berichts einen anhaltenden Rückgang der Salmonella-Fälle beim Menschen, doch die Zahl der Campylobacter- und VTEC-Infektionen nimmt noch immer zu. Wir dürfen daher in unserer Wachsamkeit nicht nachlassen.“

Im Jahr 2011 wurden insgesamt 220.209 Campylobacter-Fälle beim Menschen gemeldet, was einen Anstieg um 2,2% gegenüber 2010 bedeutet. In Lebensmitteln wurde das Bakterium, welches Durchfall und Fieber hervorrufen kann, am häufigsten in Geflügelfleisch nachgewiesen.

VTEC/STEC-Bakterien waren im Jahr 2011 für 9.485 Erkrankungsfälle beim Menschen verantwortlich. Die starke Zunahme, die 2011 beobachtet wurde, ist hauptsächlich auf den großen Ausbruch des seltenen Stamms O104:H4 in Deutschland und Frankreich im Zusammenhang mit gekeimten Samen zurückzuführen; allerdings war bereits in den Jahren zuvor über eine steigende Tendenz berichtet worden. Infektionen mit VTEC-Stämmen können zu blutigem Durchfall und dem hämolytisch-urämischen Syndrom führen, einer schweren Komplikation, die mitunter tödlich verlaufen kann. Bei Tieren und Lebensmitteln wurden VTEC-Bakterien am häufigsten in Rindfleischerzeugnissen und Rindern nachgewiesen.

Obwohl die Zahl der Salmonellose-Fälle in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen ist, war diese Erkrankung im Jahr 2011 mit 95.548 gemeldeten Fällen nach wie vor die zweithäufigste gemeldete Zoonose beim Menschen. Der anhaltende Rückgang der Salmonellose-Fälle beim Menschen ist auch das Ergebnis der von EU-Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission eingerichteten Salmonella-Bekämpfungsprogramme. Diese führten zu einer Reduzierung der Salmonella-Infektionen bei Geflügelpopulationen, insbesondere bei Legehennen (und somit Eiern) und Hähnchen. Salmonella-Bakterien, die Fieber, Durchfall und Bauchkrämpfe auslösen können, wurden am häufigsten in frischem und gehacktem Hühnerfleisch sowie in Hühnerfleischzubereitungen nachgewiesen.

Dem Bericht zufolge wurden im Jahr 2011 EU-weit insgesamt 5.648 lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche registriert. Lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche umfassen mindestens zwei Fälle beim Menschen, in denen dieselben kontaminierten Lebensmittel verzehrt wurden. Von solchen Ausbrüchen waren 69.553 Menschen betroffen, und es kam zu 93 Todesfällen. Salmonella-Bakterien waren nach wie vor die am häufigsten gemeldete Ursache für Ausbrüche mit bekanntem Ursprung (26,6% aller Ausbrüche), gefolgt von bakteriellen Toxinen (12,9%) und Campylobacter (10,6%). Obwohl es sich bei Campylobacter um die am häufigsten gemeldete Ursache für Zoonosen insgesamt handelt, wird es seltener als Ursache für lebensmittelbedingte Ausbrüche gemeldet. Die Lebensmittel, die am häufigsten Ausbrüche auslösten, waren Eier und Eiprodukte, Mischmahlzeiten, Fisch und Fischerzeugnisse.

Der Bericht berücksichtigt insgesamt 10 zoonotische Erkrankungen, darunter Listeriose, Echinokokkose, Yersiniose, Brucellose, Tuberkulose durch Mycobacterium bovis, Trichinellose und Tollwut. Er unterstützt die Europäische Kommission und EU Mitgliedsstaaten bei der Überwachung und Verringerung von Risiken im Zusammenhang mit zoonotischen Erkrankungen.

Weitere wichtige Ergebnisse:

  • Die Zahl der Fälle von alveolärer Echinokokkose, die von dem Parasiten Echinococcus multilocularis hervorgerufen wird, hat in den letzten fünf Jahren beim Menschen zugenommen. In mehreren zentraleuropäischen Ländern wird dieser Parasit häufig in Füchsen nachgewiesen, welche die Hauptquelle für Infektionen beim Menschen darstellen. Die Echinokokkose ist eine schwere Erkrankung, die sich über mehrere Jahre allmählich entwickelt und tödlich verlaufen kann, wenn sie nicht behandelt wird.

 

 


Hinweise für die Redaktion:

  • Zitieren Sie diesen Bericht bitte als: Kurzbericht der Europäischen Union zu Entwicklungstendenzen und Quellen von Zoonosen, Zoonoseerregern und lebensmittelbedingten Krankheitsausbrüchen im Jahr 2011 (European Union Summary Report on Trends und Sources of Zoonoses, Zoonotic agents und Food-borne Outbreaks in 2011).

Für Medienanfragen wenden Sie sich bitte an:

Medienstelle der EFSA
Tel. +39 0521 036 149
E-Mail: press@efsa.europa.eu

Pressedienst des ECDC
Tel. +46 (0) 858 601 678
E-Mail: press@ecdc.europa.eu


[1] Die tatsächlichen Zahlen zu Fällen beim Menschen sind wahrscheinlich höher, da nicht immer alle Fälle gemeldet werden. Eine verbesserte Identifizierungs- und Berichterstattungspraxis mag zu dem beobachteten Anstieg der Fallzahlen in einigen Ländern beigetragen haben.