10 Jahre EFSA – Unabhängiger Bericht bescheinigt der Behörde Produktivität auf allen Ebenen und formuliert Empfehlungen für weitere Fortschritte

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bewährt sich im Bereich der Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit weiterhin als Grundpfeiler der Risikobewertung in der Europäischen Union (EU) und kommt ihrer Verpflichtung nach, unabhängig tätig zu sein, so das Ergebnis einer externen Bewertung. Die Bewertung enthält außerdem eine Reihe von Empfehlungen, wie die Agentur ihre Leistungsfähigkeit noch weiter steigern könnte.

Der Bericht der internationalen Prüfer Ernst & Young bescheinigt den wissenschaftlichen Ergebnissen und den Aktivitäten der EFSA im Bereich der Risikokommunikation hohe Qualität. Außerdem wird in dem Bericht hervorgehoben, dass die Behörde eine Kultur der Transparenz pflegt und über robuste Systeme verfügt, mit denen sie die Unabhängigkeit ihrer wissenschaftlichen Beratung sichert.

Der Bericht enthält aber auch Empfehlungen. Danach sollte die EFSA bestimmte Prozesse der Entscheidungsfindung transparenter gestalten, sich mit den Mitgliedstaaten besser vernetzen, ihre Planungskapazitäten und die Kapazitäten für die Festlegung von Prioritäten ausbauen, ihre Botschaften klarer formulieren und ihre Verfahren für die Datensammlung weiterentwickeln.

Diese Vorschläge werden als wichtige Beiträge in die Gestaltung der künftigen Entwicklung der Behörde eingehen.

Catherine Geslain-Lanéelle, Geschäftsführende Direktorin der EFSA, erklärte dazu: „Diese externe Bewertung unterstreicht, dass die EFSA insbesondere im Hinblick auf die Qualität ihrer wissenschaftlichen Gutachten und ihrer Risikobewertungsmethodik höchsten Ansprüchen genügt.“

„Unabhängigkeit, Transparenz und Offenheit sind grundlegende Werte, auf denen die Behörde aufbaut, und in der Bewertung werden unsere Kultur und unsere einschlägigen Sicherheitsvorkehrungen gewürdigt, die zu den strengsten aller vergleichbaren Organisationen zählen.“

„Wir begrüßen die Empfehlungen, die in dem Bericht zur weiteren Verbesserung unserer Vorgehensweise ausgesprochen werden; sie werden zu einem zentralen Bestandteil des Fundamentes werden, auf dem unser Strategieplan für die nächsten fünf Jahre aufbaut.“

Die EFSA wird den Bericht aufmerksam zur Kenntnis nehmen und die darin enthaltenen Empfehlungen mit allen wichtigen Partnern und Interessenträgern wie der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament, den Mitgliedstaaten und dem Verwaltungsrat der Behörde erörtern. Zum Teil wird diese Auswertung auf der institutionellen Konferenz der EFSA, am 13. November 2012 erfolgen.

  • Die wichtigsten Ergebnisse des Berichts
    • Volle Erfüllung aller Aufgaben des Zuständigkeitsbereichs – Auch wenn die EFSA in einem zunehmend komplexeren und anspruchsvolleren Umfeld tätig ist, hat sie alle Aufgaben, für die sie zuständig ist, in vollem Umfang erfüllt. Ihrem wichtigsten Anliegen, nämlich für ihre Partner und Interessenträger die wissenschaftliche und technische Unterstützung bereitzustellen, die diese benötigen, ist sie durch die Veröffentlichung wissenschaftlicher Ergebnisse von hoher Qualität gerecht geworden.
    • Spitzenforschung – Nach Einschätzung des Berichts nimmt die Behörde bei den wissenschaftlichen Erkenntnissen und den Methoden der Risikobewertung eine Spitzenposition ein. Doch auch wenn der Ruf der EFSA in Europa gut ist, muss ihre Stellung auf der internationalen Bühne noch ausgebaut werden.
    • Aufgabenverteilung und Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten – Einige Bedenken galten der Effizienz und Verhältnismäßigkeit der Aufgabenverteilung zwischen internen Mitarbeitern und Sachverständigen und der optimalen Unterstützung sicherer Innovationen in der EU durch die Beratung der EFSA. Laut Evaluierung muss die Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten ausgebaut werden, damit die Zuständigkeiten, Prioritäten und künftigen Arbeitsbelastungen angemessener aufgeteilt werden können.
    • Datensammlung – Die Maßnahmen der EFSA zur Datensammlung entsprechen den Anforderungen der Gründungsverordnung. Die Autoren weisen aber darauf hin, dass die Datenverarbeitungssysteme der EFSA mit denen der Mitgliedstaaten stärker harmonisiert werden müssen; das Gleiche gilt für die Art der Datennutzung, der Verweise auf Daten und des Datenzugriffs.
    • Risikokommunikation – Es wird hervorgehoben, dass die Behörde bei der Sensibilisierung für Risiken in der Lebensmittelkette und bei der Förderung einer schlüssigen Kommunikation zu diesen Themen erfolgreich war.

    „Der EFSA ist es gelungen, das Bewusstsein, das Vertrauen und den Ruf im Hinblick auf das System der Lebensmittelsicherheit und die Behörde selbst aufzubauen und so zur Harmonisierung und zur Kohärenz der Risikokommunikation beizutragen“, heißt es in dem Bericht.

    In dem Bericht werden die Wirksamkeit und Qualität der Risikokommunikation erwähnt, mit der die Prozesse der Entscheidungsfindung unterstützt werden. Würden diese Botschaften klarer formuliert und wären sie in mehr Sprachen verfügbar, könnten sie eine breitere Öffentlichkeit erreichen. Die EFSA habe die Möglichkeit, ihre Rolle bei der Förderung der Kohärenz von Botschaften in Krisenzeiten auszubauen, indem sie die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten bei der Verbreitung wissenschaftlich fundierter Empfehlungen unterstützt.

    • Unabhängigkeit – Die Behörde arbeitet unvoreingenommen, und der Bericht attestiert der EFSA, dass sie über eines der modernsten und robustesten Systeme zur Sicherung ihrer Unabhängigkeit verfügt.

    „Trotz mancher Kritik sind bei den Strukturen, der Führung und den Verfahren der EFSA keine Änderungen erforderlich, und in der derzeitigen Situation wird sowohl die Infrastruktur für sich als auch im Vergleich mit anderen europäischen Agenturen und einschlägigen internationalen Standards wie denen der OECD als zufriedenstellend eingestuft“, so der Bericht.

    • Offenheit und Transparenz – Die EFSA hat ihre Pflicht, offen und transparent zu arbeiten, erfüllt. Dem Bericht zufolge ist die Behörde bei der Veröffentlichung von Dokumenten und der vermehrten Beteiligung externer Stellen in vielfältiger Weise über ihre ursprünglichen Pflichten hinausgegangen.

    Um den wachsenden Erwartungen der Interessenträger gerecht zu werden, sollte die EFSA diese Bemühungen weiter intensivieren, damit ihre Risikobewertungen und Entscheidungsfindungen einer stärkeren öffentlichen Kontrolle unterzogen werden können. Die Auswirkungen des Pilotprogramms, das die Gremien für Beobachter öffnen soll, müssen noch untersucht werden; außerdem sollte die Möglichkeit erwogen werden, den Zugang zu Unterlagen zu erweitern, die im Zusammenhang mit Prüfungsverfahren und Interessenkonflikten stehen.

  • Comment from Sue Davies, Vice Chair of EFSA’s Management Board and Chair of the External Evaluation Steering Committee

Im Anschluss an die Veröffentlichung der externen Evaluierung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), Sue Davies, stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrats der EFSA sowie Vorsitzende, des für die externe Evaluierung zuständigen Lenkungsgremiums, sagte:

„Es ist von fundamentaler Bedeutung, dass die EFSA von einem externen Auditor regelmäßig bewertet wird und so sicherstellt, dass sie ihrer Verantwortung Rechnung trägt, effektive Antworten auf die Herausforderungen der Nahrungswirtschaft findet und die Erwartungen ihrer Anspruchsgruppen erfüllt.“

„Der Abschlussbericht, der heute veröffentlicht wurde, zeigt, dass die EFSA seit ihrer Gründung vor zehn Jahren ihren Aufgaben bewährt nachkommt und ihren Auftrag erfüllt - eine Risikobewertung von hoher Qualität sicherzustellen, die als Basis für eine wissenschaftlich fundierte EU-Regulierung in der gesamten Nahrungskette dient.“

“Der Bericht lobt die EFSA dafür, eines der hochentwickeltsten und robustesten Systeme zu haben, um ihre Unabhängigkeit zu gewährleisten sowie für das hohe Maß an Offenheit und Transparenz, das mittlerweile weit über die Anforderungen der Gründungsverordnung hinausgeht.“

“Allerdings ist es wichtig, nicht selbstzufrieden zu sein. Wie die Evaluierung anmerkt, sind das Umfeld, in dem die EFSA arbeitet und die Anforderungen, die an sie gestellt werden, mehr denn je komplex. Der Bericht empfiehlt verschiedene Bereiche, in denen die EFSA ihre Arbeit verbessern kann. Diese sind die Zusammenarbeit mit Mitgliedsstaaten und internationalen Behörden, eine schnellere Veröffentlichung der Arbeitsergebnisse, eine bessere Darstellung der Aufgaben, die sich die EFSA selber stellt  sowie  weitere Schritte, um die Transparenz der Entscheidungsfindung der EFSA zu verbessern.“

“Ich bin mir des Einsatzes der EFSA sicher, die angesprochenen Themen in den nächsten Monaten anzugehen. Der Verwaltungsrat wird den Evaluierungsbericht überprüfen und auf seiner nächsten Sitzung im Oktober den besten Weg vereinbaren, wie die Empfehlungen vorangebracht werden können.”

Notes to editors

Gemäß Artikel 61 ihrer Gründungsverordnung ist die EFSA verpflichtet, alle sechs Jahre eine unabhängige externe Bewertung ihrer Leistungen in Auftrag zu geben. Gegenstand dieser unabhängigen Bewertung sind die Arbeitsweise und die allgemeine Wirkung der Behörde. Dabei werden die Ansichten der Interessenträger auf europäischer und nationaler Ebene berücksichtigt. Der Verwaltungsrat der EFSA übermittelt der Europäischen Kommission anschließend Empfehlungen zu Änderungen in der Behörde und in ihrer Arbeitsweise. Eine erste Bewertung wurde 2005 durchgeführt.

Die jetzt vorgestellte zweite Bewertung erfolgte 2011 durch Ernst &Young. Gegenstand der Bewertung waren die Leistungen der EFSA im Zeitraum von Januar 2006 bis Dezember 2010, der aber verlängert wurde, damit die Annahme des Grundsatzpapiers der Behörde zur Unabhängigkeit und zum wissenschaftlichen Entscheidungsfindungsprozess im Dezember 2011 berücksichtigt werden konnte.

Medienkontakte

Medienstelle der EFSA
Tel. +39 0521 036 149
E-mail: Press@efsa.europa.eu