EFSA informiert über lebensmittelbedingte Vireninfektionen

Durch Lebensmittel übertragbare Viren sind nach Salmonellen die zweithäufigste Ursache für lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche in der Europäischen Union. Die EFSA veröffentlichte heute einen Übersichtsbericht mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu diesen Viren und Empfehlungen für mögliche Maßnahmen zur Bekämpfung und Prävention ihrer Ausbreitung in der EU. Den Empfehlungen des Berichts zufolge sollen Maßnahmen zur Risikominderung darauf abzielen, Kontaminationen im Vorfeld zu vermeiden, statt bereits kontaminierte Lebensmittel aufzureinigen.

Viren gelten zunehmend als eine der Hauptursachen für lebensmittelbedingte Erkrankungen[1]. 2009 waren in der EU Viren für mehr als 1000 Infektionsausbrüche verantwortlich (entsprechend 19 %[2] aller Infektionen), von denen mehr als 8700 Personen betroffen waren. Die Gesamtzahl der durch Viren verursachten Ausbrüche ist seit 2007 stetig gestiegen. Über Lebensmittel können sich mitunter hoch ansteckende Viren auf Menschen übertragen und zum Teil Infektionen epidemischen Ausmaßes verursachen.

In ihrem wissenschaftlichen Gutachten untersuchte die EFSA die Kontamination von Frischwaren, Fertiglebensmitteln und Muscheln, insbesondere Austern, Miesmuscheln und Jakobsmuscheln, mit Noroviren und Hepatitis-A-Viren, die von der Weltgesundheitsorganisation als primäre Gesundheitsrisiken eingestuft werden. Aufgrund der außerordentlich hohen, europaweiten Prävalenz in Schweinen wertete das Gutachten auch Kontaminationen durch Hepatitis-E-Viren aus, wobei es zwar Hinweise auf eine lebensmittelbedingte Übertragung gibt, Menschen in der EU jedoch nur selten erkranken.

Das wissenschaftliche EFSA-Gremium für biologische Gefahren (BIOHAZ-Gremium) empfiehlt, zur wirksamen Bekämpfung der Infektionsausbreitung, Kontaminationen auf allen Ebenen der Produktionskette zu verhindern, statt zu versuchen, Viren aus bereits kontaminierten Lebensmittel zu entfernen oder sie zu inaktivieren. Die einzig wirksame Methode, um Noroviren oder Hepatitis-A-Viren aus kontaminierten Muscheln oder Frischerzeugnissen zu entfernen oder zu inaktivieren, ist bislang das vollständige Durchgaren der Speisen. Auch Fleisch oder Leber sollten vollständig durchgegart werden, um mögliche Infektionen durch Hepatitis-E-Viren zu verhindern bzw. diese zu inaktivieren.

Das Gutachten empfiehlt eine Reihe von Maßnahmen, um die Ausbreitung dieser Viren in der EU zu verhindern, sowie eine Reihe von Methoden zur Datenerhebung. Um mögliche Risiken zu vermeiden, werden u.a. die Einführung mikrobiologischer Kriterien für Noroviren in Muscheln empfohlen, wenn die Erzeugnisse nicht mit dem Hinweis „Vor dem Verzehr gut durchgaren“ versehen sind, sowie Fortbildungen für Lebensmittelerzeuger zum Thema Virenkontaminationen in Lebensmitteln und Umwelt. Um Hepatitis-E-Infektionen zu vermeiden, empfiehlt das BIOHAZ-Gremium außerdem, im Falle von Lebererkrankungen, Immundefekten oder Schwangerschaft vom Verzehr nicht vollständig durchgegarten Fleischs sowie Schweine- und Wildschweinleber abzuraten.

Die wissenschaftliche Beratung der EFSA dient als Informationsgrundlage für Risikomanager und trägt zur Unterstützung geeigneter Risikomanagementmaßnahmen bei, um lebensmittelbedingte Vireninfektionen in der EU zu bekämpfen.

Notes to editors

Im Zusammenhang mit den jüngsten Ausbrüchen von E. coli O104:H4 in Deutschland und Frankreich 2011 ist zu beachten: E. coli ist kein durch Lebensmittel übertragbares Virus.

Die EFSA hat in Eigeninitiative einen Übersichtsbericht zur Biologie, Epidemiologie, Diagnose und gesundheitlichen Bedeutung von Viren und der Identifizierung möglicher Vorsorgemaßnahmen zur Infektionsvermeidung in Auftrag gegeben, um EU-Risikomanager auf neuestem Informationsstand zu halten.

Am häufigsten werden Viren von Mensch zu Mensch übertragen, können aber auch durch Lebensmittel oder Wasser, das durch virenhaltige menschliche Ausscheidungen verunreinigt ist, übertragen werden. Alle Arten von Lebensmitteln können Träger von lebensmittelassoziierten Viren sein, da sie bereits bei der Herstellung hauptsächlich durch verunreinigte Abwässer oder unzureichende hygienische Bedingungen bei der Verarbeitung und Verpackung der Lebensmittel kontaminiert werden können.

Noroviren können beim Menschen zu einer Magen- oder Darmschleimhautentzündung führen, der so genannten Gastroenteritis, und sind die EU-weit häufigste Ursache für eine infektiöse Gastroenteritis beim Menschen. Hepatitis-A- und E-Viren sind häufig Auslöser für grippeartige Symptome, aber auch für akute Lebererkrankungen.

Die Kriterien für Lebensmittelsicherheit, die in der Verordnung der Kommission über mikrobiologische Kriterien für Lebensmittel festgelegt sind, definieren, wann ein Erzeugnis oder eine Lebensmittelcharge den entsprechenden Anforderungen genügt. In der EU existieren derzeit noch keine spezifischen Lebensmittelsicherheitskriterien in Bezug auf Viren, der Gesetzgeber sieht allerdings derartige Kriterien für Muscheln vor, sobald geeignete Analysemethoden zur Verfügung stehen.

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