EFSA veröffentlicht Taskforce-Bericht über die E. coli O104:H4-Ausbrüche in Deutschland und Frankreich im Jahr 2011 und spricht weitere Empfehlungen für den Verbraucherschutz aus

Pressemitteilung
5 Juli 2011

Die EFSA-Taskforce, die mit dem Ziel eingerichtet wurde, die Untersuchungen zur Ermittlung des möglichen Ursprungs der Ausbrüche von E. coli O104:H4 in Deutschland und Frankreich zu koordinieren, ist zu dem Schluss gelangt, dass eine aus Ägypten importierte Charge von Bockshornkleesamen, aus denen Sprossen gezogen wurden, die wahrscheinlichste Verbindung zwischen den beiden Ausbrüchen ist. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass auch andere Chargen mit Bockshornkleesamen, die zwischen 2009 und 2011 importiert wurden, eine Rolle gespielt haben könnten. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse empfiehlt die EFSA der Europäischen Kommission, alle Anstrengungen zu unternehmen, um jede weitere Verbraucherexposition gegenüber den verdächtigen Samen zu verhindern, und in allen Ländern, die möglicherweise Samen aus den betroffenen Chargen erhalten haben, eine Vorwärtsverfolgung durchzuführen. In diesem Zusammenhang empfiehlt die EFSA den Verbrauchern weiterhin, keine Sprossen für den Eigengebrauch zu ziehen und Sprossen oder Keimlinge nur zu essen, wenn diese ausreichend gegart wurden.

Auf dringendes Ersuchen der Europäischen Kommission in Bezug auf die aktuellen Ausbrüche von Shiga-Toxin produzierenden Escherichia coli (STEC), Serotyp O104:H4, hatte die EFSA am 26. Juni 2011 eine Taskforce zur sofortigen wissenschaftlichen Unterstützung eingerichtet. Neben Wissenschaftlern der EFSA waren in der Taskforce Beamte und Sachverständige der Europäischen Kommission, der betroffenen EU-Mitgliedstaaten, des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) vertreten.

In Deutschland dauert seit Mai 2011 ein Ausbruch von Shiga-Toxin produzierenden Escherichia coli (STEC) an, wobei die Zahl neuer Fälle jedoch stark rückläufig ist. Am 24. Juni 2011 meldeten die französischen Behörden einen E. coli-Ausbruch in der Region um Bordeaux. Seit Beginn dieser Ausbrüche kam es aufgrund von STEC bei einer großen Anzahl von Patienten zu blutigem Durchfall, und ein ungewöhnlich hoher Anteil dieser Patienten entwickelte ein hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS). Der Ausbruch von E. coli O104:H4 ist bislang für 48 Todesfälle in Deutschland und einen Todesfall in Schweden verantwortlich. Insgesamt wurden in der EU, Norwegen und der Schweiz 4 178 Fälle gemeldet[1].

Die Auswertung der Informationen über die Ausbrüche in Deutschland und Frankreich lässt darauf schließen, dass eine von einem deutschen Importeur aus Ägypten eingeführte Charge von Bockshornkleesamen, aus denen Sprossen gezogen wurden, die wahrscheinlichste Verbindung ist, obwohl auch noch andere Chargen eine Rolle gespielt haben könnten. Im Bericht wird betont, dass negative Ergebnisse mikrobiologischer Tests an Samen nicht als Beleg dafür angesehen werden können, dass eine Charge nicht mit STEC kontaminiert ist.

Angesichts der Ergebnisse der laufenden Untersuchung und der Schlussfolgerungen aus der durchgeführten Rückverfolgung, die ergab, dass Bockshornkleesamen die wahrscheinlichste Verbindung zwischen den Ausbrüchen in Deutschland und Frankreich sind, hält die EFSA ihre gemeinsam mit dem EDCD am 29. Juni herausgegebene Empfehlung in Bezug auf den Verbraucherschutz weiterhin aufrecht. Da Samen zur Herstellung von Sprossen oftmals als Samenmischungen verkauft werden und eine Kreuzkontamination nicht ausgeschlossen werden kann, müssen die Verbraucher dringend dazu angehalten werden, keine Sprossen für den Eigengebrauch zu ziehen und Sprossen oder Keimlinge nur zu verzehren, wenn diese ausreichend gegart wurden. Diese Empfehlung wird unter Berücksichtigung der andauernden Entwicklungen ständig überprüft.

In einem Schreiben an die Europäische Kommission erläutert die EFSA die grundlegenden Schlussfolgerungen ihres Berichts und spricht mehrere Empfehlungen zur Vermeidung einer möglichen Exposition der Verbraucher gegenüber den verdächtigen Samen aus. Ferner betont sie die Bedeutung der Durchführung einer Risikobewertung der Sprossenherstellung und -verarbeitung zum weiteren Schutz der öffentlichen Gesundheit.


Hinweise für die Redaktion:

Die von verschiedenen Mitgliedstaaten erhobenen Daten ermöglichten eine Untersuchung der Beziehungen zwischen Samenlieferanten, Großhändlern und Sprossenherstellern sowie Empfängern von Sprossen und Samen. Diese Beziehungen wurden auf Vertriebsnetze übertragen, um ihre Komplexität und die Anzahl der beteiligten Unternehmen aufzuzeigen. Das primäre Interesse und der Schwerpunkt dieses Unterfangens bestand darin, die Verbindungen zwischen der Häufung der Krankheitsfälle bei Menschen und der Herkunft der verdächtigen Samen zu ermitteln.

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