EFSA leistet wissenschaftliche Beratung zum Tierschutz bei Milchkühen

Das Gremium für Tiergesundheit und Tierschutz (AHAW) der EFSA hat fünf wissenschaftliche Gutachten sowie einen wissenschaftlichen Bericht über die generellen Auswirkungen der bedeutendsten Haltungsmethoden auf den Tierschutz bei Milchkühen und auf das diesbezügliche Auftreten von Krankheiten veröffentlicht. Das Gremium ist zu dem Ergebnis gelangt, dass eine langfristige genetische Auswahl mit dem Ziel höherer Milcherträge sowie die Art der verwendeten Haltungsmethoden — d. h. Stallunterbringung und -aussstattung sowie Betriebsführungs- und Verarbeitungspraktiken — bedeutende Faktoren darstellen, die Auswirkungen auf die Gesundheit und den Tierschutz bei Milchkühen haben. Die wesentlichsten Anzeichen für mangelhaften Tierschutz bei Milchkühen sind Lahmen und Mastitis sowie Funktionsstörungen bei der Fortpflanzung, beim Stoffwechsel und in Bezug auf das Verhalten der Milchkühe. Das Gremium hat eine Reihe von Empfehlungen vorgeschlagen, die von den Risikomanagern im Rahmen weiterer Verbesserungen des Tierschutzes in den Bereichen Stallunterbringung und Fütterung sowie bei der genetischen Auswahl von Milchkühen berücksichtigt werden könnten.

Auf Ersuchen der Europäischen Kommission hat das AHAW-Gremium im Rahmen seiner ersten Gutachten zum Bereich des Tierschutzes bei Milchkühen untersucht, ob die derzeitigen Methoden für die Haltung und die Tierzucht den Anforderungen an den Tierschutz bei Milchkühen gerecht werden. Das Gremium hat auch die Frage der Auswirkungen einer auf höhere Milcherträge gerichteten genetischen Auswahl auf den Tierschutz bei Milchkühen in den verschiedenen Haltungssystemen untersucht[1] und auf die Zusammenhänge zwischen der genetischen Auswahl einerseits und dem Auftreten von Lahmen und von bakteriellen Entzündungen der Milchdrüsen (Mastitis) sowie Funktionsstörungen bei der Fortpflanzung und beim Stoffwechsel der Milchkühe andererseits besonders hingewiesen.

Im Laufe der vergangenen 30 Jahre hat die auf höhere Milcherträge gerichtete genetische Auswahl zu Veränderungen der Körperform von Milchkühen geführt sowie deren Umfang vergrößert, und somit ihren Platzbedarf erhöht. Wissenschaftliche Fachleute haben die Bedeutung der Gewährung eines ausreichenden Bewegungsraums für die Rinder bei der Gestaltung der Ruhe-, Fütterungs- und Laufbereiche in Stallungen hervorgehoben. Das Gremium empfiehlt, dass die genetische Auswahl von Milchkühen mit Blick auf deren Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten wie Lahmen und Mastitis erfolgen sollte und eine Verbesserung von deren Fortpflanzungsfähigkeit, Gesundheit und Lebensdauer zur Folge haben sollte.

Die wissenschaftlichen Sachverständigen haben sämtliche erhältlichen Daten berücksichtigt, um die Werte für die Beleuchtung, für die Temperatur im Stall und die relative Luftfeuchtigkeit im Sinne eines guten Tierschutzes festzulegen. Die Fachleute haben empfohlen, die Gestaltung, der Ruhezonen, der Laufzonen und der Fütterungsbereiche in den Stallungen so zu gestalten, dass die Tiere ausreichend Bewegungs- und Auslaufmöglichkeiten erhalten. Das Gremium hat ferner zum Ausdruck gebracht, dass — im Hinblick auf die Tatsache, dass die Haltung von Kühen in Anbindeställen weiterhin auftritt — die Kühe tägliche Bewegung haben sollten, was freien Auslauf miteinschließt. Zu dieser Frage haben sechs Mitglieder des AHAW-Gremiums eine Minderheitsmeinung abgegeben, die besagt, dass in ausreichendem Ausmaß wissenschaftliche Nachweise für Vernachlässigungen des Tierschutzes bei der Haltung von Milchkühen in Anbindeställen vorliegen, und die Empfehlung enthält, Milchkühe nicht ständig in Anbindeställen zu halten.

Das Gremium ist zu dem Ergebnis gekommen, dass das verminderte Auftreten von Mastitis nicht nur durch die Behandlung der Krankheit und das Vermeiden einer Übertragung der Infektion erreicht werden kann, sondern auch durch eine Stärkung des Immunsystems der Tiere. Dies kann durch eine Verringerung der Stressfaktoren erzielt werden sowie durch eine kontrollierte und ernährungswissenschaftlich ausgewogene Fütterung (z. B. durch Zurverfügungstellen der für das Verdauungssystem von Milchkühen am besten geeigneten Art von Fasern im Futter).
Darüber hinaus ist das Gremium zu der Schlussfolgerung gelangt, dass Bauernhöfe mit vielen lahmenden Milchkühen (z. B. mit einem Anteil von mehr als 10 % lahmenden Kühen) über keine entsprechenden vorbeugenden Programme verfügen und dass dort die Stallungsbedingungen, die genetische Auswahl sowie die Haltungsmethoden verbessert werden sollten. Darüber hinaus können Landwirte, die in der Früherkennung von Krankheiten gut ausgebildet sind und wissen, wann sie tierärztlichen Rat in Anspruch nehmen müssen, zur Absenkung des Auftretens von Tierlahmen beitragen.

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Hinweis für Herausgeber:
Der wissenschaftlicher Bericht des AHAW-Gremiums, der sämtliche verfügbaren Daten über die Auswirkungen der Haltungsmethoden auf den Tierschutz bei Milchkühen und diesbezügliche Krankheiten zusammenfasst, ist ebenfalls veröffentlicht worden. Angesichts der Vielzahl der verfügbaren Daten haben die Sachverständigen die Risikobewertungen in vier Bereiche gliedert: 1) Störungen des Stoffwechsels bzw. der Reproduktion, 2) Erkrankungen der Euter, 3) Probleme mit den Beinen und der Bewegungsfähigkeit, sowie 4) Verhaltensstörungen, Angst- und Schmerzzustände. Zu jedem dieser Bereiche ist ein wissenschaftliches Gutachten erstellt worden. Das Gremium hat zudem ein fünftes wissenschaftliches Gutachten angenommen, das eine Gesamtbewertung des Tierschutzes bei Milchkühen enthält und in dem die wichtigsten Schlussfolgerungen und Empfehlungen aus den vier vorerwähnten Gutachten sowie aus dem wissenschaftlichen Bericht zusammengefasst sind.

[1] Die Belastung durch ein spezielles Risiko kann je nach verwendeter Haltungsmethode unterschiedlich sein. Die Wissenschaftler überprüften die Informationen und Daten zu den vier wichtigsten Haltungsmethoden, die zurzeit in Europa zum Einsatz kommen: Boxenlaufställe, Anbindeställe, Tretmistställe und Weiden.

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