Tierschutz

Der Tierschutz ist ein wesentlicher Bestandteil des Mandats der EFSA. Die Sicherheit der Lebensmittelkette wird indirekt durch das Wohlergehen der Tiere beeinflusst, insbesondere jener Tiere, die zur Lebensmittelerzeugung gehalten werden. Dies ist auf die engen Verbindungen zwischen Tierschutz, Tiergesundheit und durch Lebensmittel übertragene Krankheiten zurückzuführen. Stressfaktoren und eine nicht artgerechte Tierhaltung können zu einer höheren Krankheitsanfälligkeit von Tieren führen. Dies wiederum kann ein Risiko für Verbraucher darstellen, etwa in Form verbreiteter, durch Lebensmittel übertragener Krankheitserreger wie Salmonella, Campylobacter und E.coli.

Das Wohlergehen von zur Lebensmittelerzeugung gehaltenen Tieren hängt weitgehend davon ab, wie sie gehalten werden und wie der Mensch sie behandelt. Eine Reihe von Faktoren kann sich auf ihr Wohlergehen auswirken, so etwa die Unterbringung und Einstreumaterialien, das Platzangebot und die Zahl der gehaltenen Tiere, die Transportbedingungen, Betäubungs- und Schlachtmethoden sowie die Kastrierung männlicher Tiere und das Kupieren der Schwänze.

EU-Rahmengesetzgebung

Die EU hat mit die strengsten Tierschutznormen weltweit. Der allgemeine Rahmen für Maßnahmen der EU im Bereich des Tierschutzes ist in der EU-Tierschutzstrategie (2011-2015) festgelegt.

Es gelten harmonisierte Gemeinschaftsvorschriften für zahlreiche Tierarten und in Bezug auf für den Tierschutz relevante Themen. In der Richtlinie 98/58/EG des Rates sind Mindeststandards für den Schutz aller landwirtschaftlichen Nutztiere festgelegt, während andere Gemeinschaftsvorschriften Tierschutznormen für landwirtschaftliche Nutztiere während des Transports sowie bei der Betäubung und Schlachtung vorgeben. Spezielle Richtlinien befassen sich mit dem Schutz einzelner Tierkategorien wie Kälber, Schweine oder Legehennen. Neben landwirtschaftlichen Nutztieren werden auch Labortiere und in Zoos gehaltene Wildtiere durch die harmonisierten EU-Normen geschützt.

Auch andere internationale Organisationen wie die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) und der Europarat haben Empfehlungen und Leitlinien zum Tierschutz herausgegeben. Die EU hat das unter der Schirmherrschaft des Europarats stehende Europäische Übereinkommen zum Schutz von Tieren in landwirtschaftlichen Tierhaltungen unterzeichnet.

Rolle und Aktivitäten der EFSA

Die Aktivitäten der EFSA in diesem Bereich werden vom Gremium für Tiergesundheit und Tierschutz (AHAW) durchgeführt. Das Gremium bietet der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament und den Mitgliedstaaten unabhängige wissenschaftliche Beratung zu sämtlichen Aspekten der Tiergesundheit und des Tierschutzes, hauptsächlich für Tiere, die zur Lebensmittelerzeugung gehalten werden. Seine wissenschaftlichen Gutachten sind darauf ausgerichtet, Risikomanager dabei zu unterstützen, Wege zu finden, unnötigen Schmerz, Qualen und andere Leiden für Tiere zu verringern und deren Wohlergehen wo möglich zu verbessern. Die Beratung zu ethischen bzw. gesellschaftlichen Fragen des Tierschutzes liegt nicht im Aufgabenbereich der EFSA.

Die Europäische Kommission hat die EFSA damit beauftragt, wissenschaftliche Beratung zum Schutz mehrerer landwirtschaftlicher Nutztierkategorien zu leisten, darunter Schweine, Fische und Milchkühe. In diesem Zusammenhang befasst sich das AHAW-Gremium mit einem breiten Spektrum an Faktoren, die das Wohlergehen der einzelnen Tierkategorien beeinflussen, so etwa mit Aufstallungs- und Haltungssystemen, der Tierernährung und Fütterung, dem Transport sowie mit Betäubungs- und Tötungsmethoden.

Tierschutz in Schlachthöfen

Die EFSA hat vier wissenschaftliche Gutachten zum Tierschutz bei der Schlachtung von Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen sowie Hühnern und Truthähnen veröffentlicht. Die Gutachten schlagen zu verwendende Überwachungsindikatoren sowie in Schlachthöfen umzusetzende Stichprobenprotokolle vor.

Außerdem haben die EFSA-Sachverständigen Leitlinien zu Kriterien für die Bewertung von Studien über die Wirksamkeit von Betäubungsmethoden veröffentlicht. Dieses Dokument beschreibt das Verfahren, das vom AHAW-Gremium bei der Bewertung von Studien zu alternativen Betäubungsmethoden befolgt wird.

Leitlinien zur Risikobewertung im Bereich Tierschutz

Im Januar 2012 veröffentlichte das AHAW-Gremium der EFSA Leitlinien zur Risikobewertung im Bereich des Tierschutzes. Bis dahin lagen keine spezifischen internationalen Leitlinien zur Risikobewertung in diesem Bereich vor, wodurch die an entsprechenden Arbeiten beteiligten wissenschaftlichen Sachverständigen nach unterschiedlichen Ansätzen vorgingen.

Mit dem Ziel, eine standardisierte Methodik für die Risikobewertung im Bereich des Tierschutzes zu entwickeln, erarbeitete das AHAW-Gremium der EFSA seine wegweisenden Leitlinien und gibt damit Wissenschaftlern, Tierärzten und allen am Tierschutz Interessierten eine praktische und harmonisierte Methodik zur Bewertung von Risiken im Zusammenhang mit dem Wohlergehen von Tieren an die Hand.

Tierbezogene Indikatoren für den Tierschutz

Die Europäische Kommission hat die Erarbeitung messbarer Indikatoren für den Tierschutz gefordert, um die wissenschaftliche Grundlage der einschlägigen Gemeinschaftsvorschriften zu stärken. Daher führt die EFSA wegweisende Arbeiten im Hinblick auf die Entwicklung einer Reihe von wissenschaftlich messbaren Tierschutzindikatoren durch, die bei künftigen Schlussfolgerungen und Empfehlungen zu berücksichtigen sind. Das AHAW-Gremium arbeitet dabei mit wissenschaftlichen Instituten in den Mitgliedstaaten zusammen, die mit der Unterstützung der EFSA bei dieser wichtigen Aufgabe beauftragt sind.

Die Tierschutzindikatoren sollen bei der Entscheidungsfindung hinsichtlich akzeptabler Bedingungen für landwirtschaftliche Nutztiere helfen und zur Untermauerung von Überwachungs- und Kontrollprogrammen auf Ebene der landwirtschaftlichen Betriebe verwendet werden, um Standards für Tiergesundheit und Tierschutz zu gewährleisten sowie die Kontrolle von Krankheiten zu unterstützen.

Im Rahmen dieses Mandats veröffentlichte die EFSA im Januar 2012 zwei wissenschaftliche Gutachten zur Verwendung tierbezogener Maßnahmen bei der Bewertung des Wohlergehens von Tieren. Die beiden Gutachten, je eines zu Milchkühen und Schweinen, sind die ersten einer Reihe von Arbeiten über tierbezogene Maßnahmen, an deren Ende alle landwirtschaftlichen Nutztierarten abgedeckt sein sollen. Darüber hinaus hat die EFSA eine allgemeine Stellungnahme zur Verwendung tierbezogener Maßnahmen zur Bewertung des Tierschutzes veröffentlicht, die zur Schaffung eines gemeinsamen Rahmens für künftige wissenschaftliche Gutachten der EFSA in diesem Bereich beitragen soll.

Der Einsatz tierbezogener Maßnahmen zur Bewertung des Tierschutzes ist relativ neu. Die Rechtsvorschriften in diesem Bereich konzentrieren sich üblicherweise eher auf die Bewertung verschiedener Faktoren, die sich auf das Wohlbefinden der Tiere auswirken können, als auf die Reaktion der Tiere auf diese Faktoren. Bei besagten Faktoren kann es sich sowohl um Ressourcen handeln, die dem Tier in seiner direkten Umgebung zur Verfügung stehen, z.B. der vorhandene Platz oder das Einstreumaterial, als auch um Praktiken im Umgang mit dem Tier im landwirtschaftlichen Betrieb, z.B. wie und wann es gefüttert wird oder welche Entwöhnungsmethoden angewandt werden.

Die besagten Gutachten des AHAW-Gremiums untersuchen die Effektivität der Bewertung von Reaktionen der Tiere auf Faktoren in deren Umgebung als alternativen bzw. ergänzenden Ansatz zur Bewertung der Faktoren selbst. Der Grund hierfür liegt darin, dass tierbezogene Maßnahmen darauf abzielen, das tatsächliche Wohlbefinden des Tieres direkt zu bestimmen, und daher sowohl die Auswirkungen der Umgebung auf das Tier als auch die Art und Weise des Umgangs mit dem Tier berücksichtigen.

Milchkühe

Das AHAW-Gremium hat fünf wissenschaftliche Gutachten sowie einen wissenschaftlichen Bericht über die generellen Auswirkungen der wichtigsten Haltungsmethoden auf das Wohlergehen von Milchkühen sowie auf das diesbezügliche Auftreten von Krankheiten veröffentlicht und die möglichen Folgen von Unterbringung, Fütterung, Haltung und genetischer Auswahl bewertet. Angesichts der Vielzahl der vorliegenden Daten haben die Sachverständigen die Risikobewertung in vier Bereiche gegliedert:

  • Störungen des Stoffwechsels bzw. der Reproduktion
  • Erkrankungen des Euters
  • Probleme mit den Beinen und der Bewegungsfähigkeit
  • Verhaltensstörungen, Angst- und Schmerzzustände

Das Gremium gelangte zu dem Schluss, dass eine langfristige genetische Auswahl mit dem Ziel höherer Milcherträge sowie die Art der Haltung – d.h. die Unterbringung und Aussstattung der Ställe sowie die Haltungsbedingungen und Praktiken im Umgang mit den Tieren – wichtige Einflussfaktoren für die Gesundheit und das Wohlergehen von Milchkühen sind.

Schweine

Das Gremium leistete auch umfassende Beratung zu den Auswirkungen von Haltungsformen auf das Wohlergehen von Schweinen und hat wissenschaftliche Gutachten zu folgenden Aspekten veröffentlicht:

  • Kastration von Ferkeln
  • Auswirkungen von Platzangebot und Art der Böden auf das Wohlergehen von Absetzferkeln und Zuchtläufern
  • Aufstallung und Haltung von Mastschweinen
  • Aufstallung und Haltung von ausgewachsenen Zuchtebern, trächtigen und säugenden Sauen sowie nicht abgesetzten Ferkeln
  • Risiken in Verbindung mit Schwanzbeißen bei Schweinen

Fische

Das AHAW-Gremium hat ferner Beratung zum Tierschutz von Zuchtfischen geleistet, wobei die Auswirkungen von Haltungssystemen sowie die Betäubungs- und Tötungsmethoden für verschiedene Fischarten untersucht wurden.

Tiere, die nicht zur Lebensmittelerzeugung dienen

Neben dem Schutz der zur Lebensmittelerzeugung gehaltenen Tiere bietet die EFSA auf Ersuchen der Risikomanager auch wissenschaftliche Beratung zu Themen wie den folgenden:

  • Betäubung und Tötung von Robben: Bewertung wissenschaftlicher Erkenntnisse im Hinblick auf die Frage, ob eine schnelle und sichere Tötung von Robben möglich ist, ohne unnötige Schmerzen, Qualen, Angst oder andere Leidensformen zu verursachen, und mit welchen Methoden dies am ehesten zu erreichen ist.
  • Schutz von Labortieren: Untersuchung vorliegender Erkenntnisse im Hinblick auf das Empfindungsvermögen und die Fähigkeit von Labortieren, Schmerzen, Leiden, Qualen oder dauerhafte Schäden wahrzunehmen. Das entsprechende Gutachten enthält Empfehlungen für verbesserte Tierschutzbedingungen und humanere Tötungsmethoden
  • Einfuhr von Wildvögeln in die EU: Hervorhebung der hohen Mortalitätsrate und des weit verbreiteten Leidens eingeführter Wildvögel, die als Haus-, Zoo- oder Showtiere gehalten werden, sowie der Infektionsrisiken für einheimische Vogelpopulationen im Hinblick auf eingeschleppte (‚exotische‘) Krankheiten, einschließlich der Vogelgrippe.

Weitere Aktivitäten der EFSA in diesem Bereich

Im April 2009 verabschiedete der Wissenschaftliche Ausschuss ein Gutachten, das den Einsatz von Versuchstieren in verschiedenen Bereichen der Risikobewertungsaktivitäten der EFSA beleuchtet und Strategien umreißt, die dazu beitragen können, die Anzahl der benötigten Tierversuche zu verringern. Das Gutachten stützt sich auf die Ergebnisse der Arbeitsgruppe des Wissenschaftlichen Ausschusses zum Schutz von Versuchstieren, die die Bedeutung von Risikobewertungsansätzen im Bereich der Lebens- und Futtermittelsicherheit unterstreicht, welche nicht nur die Verwendung von Versuchstieren und ihr Leiden auf ein Mindestmaß reduzieren, sondern letzten Endes zum Ersatz von Tierversuchen führen.

Angesichts der engen Verbindung zwischen den Haltungsbedingungen landwirtschaftlicher Nutztiere, der Prävalenz von Krankheiten sowie der Lebensmittelsicherheit sind auch andere EFSA-Gremien in eng verwandten Bereichen tätig. Ähnlich dem AHAW-Gremium befassen sie sich mitunter mit einzelnen Tierarten oder -kategorien, beispielsweise zum Thema Schweine:

  • Das Gremium für biologische Gefahren (BIOHAZ) hat u.a. Gutachten erstellt zu Aspekten der Lebensmittelsicherheit bei Aufstallungs- und Haltungssystemen für Schweine sowie über mögliche Maßnahmen zur Bekämpfung von Salmonellen in der Schweineproduktion.
  • Das Gremium für Zusatzstoffe, Erzeugnisse und Substanzen in der Tierernährung (FEEDAP) erstellt wissenschaftliche Gutachten zu in der Tierernährung verwendeten Zusatzstoffen, einschließlich einer Reihe von Stoffen, die zur Verwendung in Futtermitteln für Schweine vorgesehen sind.
  • Die EFSA erstellt Berichte zum Auftreten von Zoonosen bei landwirtschaftlichen Nutztieren in ganz Europa, einschließlich der Prävalenz von Salmonellen bei Schlachtschweinen.

 

Abgeschlossene Arbeiten

Completed work
E.g., 06/27/2016
E.g., 06/27/2016
14. Juli 2015
External Scientific Report
14. Juli 2015
Scientific Opinion
10. Juli 2015
Scientific Opinion
7. Juli 2015
External Scientific Report
9. Juni 2015
Scientific Opinion
4. Juni 2015
Scientific Opinion
1. Juni 2015
Scientific Opinion
28. April 2015
Scientific Opinion
20. Februar 2015
External Scientific Report
16. Februar 2015
Scientific Opinion

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