EFSA eröffnet öffentliche Konsultation über Nährstoffaufnahme-Referenzwerte für Kohlenhydrate, Ballaststoffe und Fett

Webnachricht
5 August 2009

Das EFSA-Gremium für diätetische Produkte, Ernährung und Allergien (NDA) hat Empfehlungen für die europäische Bevölkerung in Bezug auf Nährstoffaufnahme-Referenzwerte (Dietary Reference Values — DRV) für Kohlenhydrate (unter Einbeziehung verschiedener Zuckerarten), Ballaststoffe und Fette ausgearbeitet. Die wissenschaftlichen Empfehlungen der EFSA zur Nährstoffaufnahme wurden auf Ersuchen der Europäischen Kommission ausgearbeitet und unterstützen die Entscheidungsträger der EU bei ihren Entscheidungsfindungen im Bereich der Ernährung.

Die EFSA war gebeten worden, die derzeitigen Aufnahmereferenzwerte für die Bevölkerung unter Berücksichtigung der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und der jüngsten nationalen Empfehlungen zu überprüfen. Aus diesem Grund hat die EFSA für den 7. und 8. September 2009 ein diesbezügliches Treffen mit Ernährungsexperten der Mitgliedstaaten anberaumt, in Ergänzung der öffentlichen Konsultation zu den Gutachtenentwürfen über DRV für Kohlenhydrate, Ballaststoffe und Fette. Die wissenschaftliche Gemeinschaft und andere Interessengruppen sind eingeladen, ihre Bemerkungen bis zum 15. Oktober 2009 an die EFSA zu senden.

Hinsichtlich der empfohlenen täglichen Aufnahmemengen von Kohlenhydraten, Zuckern, Ballaststoffen und Fetten ist das Gremium zu folgenden Schlussfolgerungen gelangt:

  • Die Aufnahme von Kohlenhydraten sollte 45 bis 60 % der gesamten Energieaufnahme betragen.
  • Aufgrund der unzureichenden Datengrundlage können keine Empfehlungen für Zucker (Gesamtzucker oder zugesetzter Zucker) ausgesprochen werden.
  • Für eine normale Darmtätigkeit bei Erwachsenen sind 25 g an Ballaststoffen pro Tag ausreichend.
  • Die Belege für die Rolle des glykämischen Index und der glykämischen Last[1] bei der Aufrechterhaltung des Körpergewichts und der Verhinderung von ernährungsbedingten Krankheiten sind weiterhin nicht eindeutig.
  • Die Aufnahme von Fetten sollte 20 bis 35 % der gesamten Energieaufnahme betragen, wobei für Säuglinge andere Werte empfohlen werden. Die Aufnahme von gesättigten Fettsäuren und Transfettsäuren sollte im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung so gering wie möglich sein. Das Gremium sprach auch Empfehlungen für die DRV von einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren und Cholesterin aus.

Hinweise für die Redaktion:

Warum werden diesen Arbeiten durchgeführt?
Wissenschaftliche Empfehlungen zur Nährstoffaufnahme bilden eine wichtige Grundlage für Gemeinschaftsmaßnahmen im Bereich der Ernährung. So wurden diese Empfehlungen in der Vergangenheit beispielsweise zur Festlegung von Referenzwerten für die Nährwertkennzeichnung genutzt.

Es war an der Zeit, den letzten Bericht über Nährstoff- und Energieaufnahme der Europäischen Gemeinschaft, der im Jahre 1992 vom damaligen Wissenschaftlichen Lebensmittelausschuss (Scientific Committee on Food — SCF) ausgearbeitet worden war, zu überprüfen. Wissenschaftler des NDA-Gremiums der EFSA sichteten demzufolge die in diesem Bereich verfügbaren Belegdaten, die in den letzten Jahrzehnten erheblich angewachsen waren.

Mit den Gutachten zu Fetten und Kohlenhydraten stellt die EFSA den ersten Teil ihrer Arbeiten — zu Makronährstoffen — zur Verfügung. Der zweite Teil — betreffend Mikronährstoffe (Vitamine und Mineralstoffe) — soll im Jahr 2010 veröffentlicht werden. In Bezug auf die allgemeinen Grundsätze zur Festlegung von DRV, in Bezug auf DRV für Wasser und in Bezug auf das Leitliniendokument für lebensmittelorientierte Leitlinien hat die EFSA ebenfalls öffentliche Konsultationen — im Jahr 2008 — durchgeführt.

Was sind DRV?
Die Ernährung ist dann ausgewogen, wenn eine für die Gesundheit und das Wohlbefinden ausreichende bzw. angemessene Menge an Energie und Nährstoffen aufgenommen wird. Unter „Nährstoffaufnahme-Referenzwerten“ (DRV) ist der vollständigen Satz von Nährstoffempfehlungen und -referenzwerten zu verstehen, zu dem z. B. die Referenzaufnahmemenge für die Bevölkerung (Population Reference Intake — PRI), der Durchschnittsbedarf, die angemessene Aufnahmemenge und der untere Grenzwert gehören.

Die Werte dienen dazu, die Ernährung der Bevölkerung insgesamt und des Einzelnen zu beurteilen und zu planen. Sie dienen zudem als Referenzwerte für die Kennzeichnung von Lebensmitteln.

DRV werden auch zur Aufstellung von lebensmittelorientierten Ernährungsleitlinien (Food-Based Dietary Guidelines — FBDG) genutzt, die ihrerseits auf Nährwertempfehlungen beruhen und aus Empfehlungen zu Lebensmitteln und zur Nahrungsmittelaufnahme bestehen. Die lebensmittelorientierten Ernährungsleitlinien helfen Verbrauchern bei der Entscheidung, was sie essen sollen, und bei der Wahl gesunder Ernährungsoptionen.

Für Medienanfragen wenden Sie sich bitte an:
Medienstelle der EFSA
Tel. +39 0521 036 149
E-Mail: Press@efsa.europa.eu


[1] Mithilfe der Begriffe „glykämischer Index“ und „glykämische Last“ werden die Auswirkungen von Lebensmitteln auf den Blutzuckerspiegel vorhergesagt und die Lebensmittel entsprechend eingestuft.