Die EFSA leitet Neubewertung von Futtermittelzusatzstoffen ein

Webnachricht
9 Juli 2010

Das FEEDAP-Gremium der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat kürzlich seine ersten Stellungnahmen zur Sicherheit und Wirksamkeit von Futtermittelzusatzstoffen veröffentlicht, für die von Herstellern Anträge auf Neubewertung eingereicht wurden. Im Einklang mit den Rechtsvorschriften der EU über Futtermittelzusatzstoffe[1] zur Verwendung in der Tierernährung bewertet das Gremium alle derzeit auf dem Markt erhältlichen, unter dem früheren regulatorischen Rechtsrahmen zugelassenen Futtermittelzusatzstoffe[2] neu. Im Zuge dieser Neubewertung soll sichergestellt werden, dass sämtliche Futtermittelzusatzstoffe in Europa anhand derselben aktuellen Leitlinien[3] unter Berücksichtigung neuester wissenschaftlicher Entwicklungen neu beurteilt werden.

Bei der EFSA sind bereits mehr als 30 Anträge auf Neubewertung von Futtermittelzusatzstoffen eingegangen. Darüber hinaus bewertet das FEEDAP-Gremium auch weiterhin neue Futtermittelzusatzstoffe, für die ein Zulassungsantrag für die EU gestellt wurde, sowie neue Verwendungsmöglichkeiten für bereits zugelassene Zusatzstoffe. Bislang hat die EFSA mehr als 200 Zulassungsanträge für Futtermittelzusatzstoffe bewertet.

Bei Futtermittelzusatzstoffen handelt es sich um Produkte zur Verbesserung von Tierfutter, beispielsweise zur Verbesserung des Geschmacks oder der Verdaulichkeit des Futters. Zu diesen zählen beispielsweise Konservierungsstoffe, Antioxidationsmittel, Aromastoffe und Vitamine. Zur Zeit sind in der EU rund 2 800 Futtermittelzusatzstoffe auf dem Markt. Um diese Produkte auf dem Markt zu halten, sind die Futtermittelhersteller verpflichtet, Anträge bei der Europäischen Kommission und der EFSA einzureichen, denen die erforderlichen wissenschaftlichen Daten beigefügt sind, damit die Neubewertung ihrer Produkte erfolgen kann. Darüber hinaus hat die EFSA im Anschluss an öffentliche Konsultationen eine Reihe von Dokumenten mit technischen Leitlinien erstellt, um die Hersteller bei der Antragsstellung zu unterstützen.

Das FEEDAP-Gremium der EFSA bewertet die potenziellen Auswirkungen von Futtermittelzusatzstoffen auf die Gesundheit von Tieren und Menschen sowie auf die Umwelt. Alle Futtermittelzusatzstoffe, die Mikroorganismen enthalten, werden außerdem auf ihre mögliche Resistenz gegen Antibiotika getestet, die in der Human- oder Veterinärmedizin Anwendung finden.

Es gibt zwei Arten bekannter Resistenzen gegen antimikrobielle Wirkstoffe bei Mikroorganismen, intrinsische und erworbene Resistenz. Intrinsische Resistenz bedeutet, dass die Resistenz gegen einen antimikrobiellen Wirkstoff Bestandteil der genetischen Anlagen eines Mikroorganismus ist. Obwohl dieses Merkmal dann an die nächste Generation weitergegeben werden kann, wird das Risiko der Übertragung auf einen anderen Mikroorganismus, eine Pflanze oder tierische Zelle als vernachlässigbar betrachtet. Erworbene Resistenz bedeutet, dass ein Mikroorganismus durch den Erwerb von fremdem Genmaterial gegenüber einem bestimmten antimikrobiellen Wirkstoff resistent geworden ist[4]. Mikroorganismen mit erworbener Resistenz gegen antimikrobielle Wirkstoffe können diese Resistenz potenziell an andere Organismen weitergeben. Wenn dies der Fall ist, betrachtet die EFSA diesen Umstand als potenziellen Grund zur Besorgnis.

Das FEEDAP-Gremium hat die Neubewertung der Sicherheit und Wirksamkeit von Cylactin, einem Futtermittelzusatzstoff für die Anwendung bei Masthühnern, abgeschlossen. Cylactin ist ein mikrobieller Futtermittelzusatzstoff auf Grundlage eines Stamms von Milchsäurebakterien (Enterococcus faecium), der schon lange in der tierischen und menschlichen Ernährung verwendet wird. Die erste Bewertung zeigte, dass der in diesem Produkt verwendete Milchsäurebakterienstamm eine höhere Resistenz gegenüber Kanamycin aufweist als die meisten anderen Stränge von Enterococcus faecium. Im Anschluss an die sorgfältige Überprüfung der Daten, einschließlich der vollständigen Genomsequenz, gelangte das Gremium zu dem Schluss, dass die antimikrobielle Resistenz nicht erworben wurde. Aus diesem Grund ist das Risiko einer Übertragung der Resistenz gegen Kanamycin durch die Bakterien auf andere Organismen kein Grund zur Besorgnis.

Das Gremium ist zu dem Ergebnis gelangt, dass Cylactin als Futtermittelzusatz zur Anwendung bei Masthühnern wirksam ist, und dass keine Beweise dafür vorliegen, dass die Verwendung nachteilige Auswirkungen auf die Zieltiere, die menschliche Gesundheit oder die Umwelt mit sich bringt.

 


[1] Verordnung (EG) Nr. 1831/2003 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. September 2003 über Zusatzstoffe zur Verwendung in der Tierernährung.
[2] Richtlinie 70/524/EWG des Rates vom 23. November 1970 über Zusatzstoffe in der Tierernährung.
[3] Verordnung (EG) Nr. 429/2008 der Kommission vom 25. April 2008 mit Durchführungsbestimmungen zur Verordnung (EG) Nr. 1831/2003 des Europäischen Parlaments und des Rates hinsichtlich der Erstellung und Vorlage von Anträgen sowie der Bewertung und Zulassung von Futtermittelzusatzstoffen, sowie technische Leitliniendokumente der EFSA.
[4] Dies kann im tierischen oder menschlichen Darm erfolgen, der dicht mit Bakterien besiedelt ist. Die Gene für die erworbene Resistenz gegen antimikrobielle Wirkstoffe sind zwischen verschiedenen Spezies von Mikroorganismen übertragbar.