Jährlicher Pestizidbericht stellt unverändert hohe Einhaltungsquoten bei Rückständen fest

Pressemitteilung
12 März 2013

Die jüngsten vorliegenden Daten des europaweiten Überwachungsprogramms zu Pestiziden in Lebensmitteln ergaben, dass über 97% der Proben Rückstandsgehalte innerhalb der zulässigen Grenzwerte enthielten, so die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Der EU-Bericht zu Pestizidrückständen in Lebensmitteln bewertete auch die ernährungsbedingte Exposition und kam zu dem Schluss, dass die auf den analysierten Proben nachgewiesenen chemischen Rückstände kein langfristiges Risiko für die Gesundheit der Verbraucher darstellen. Hinsichtlich der kurzzeitigen ernährungsbedingten Exposition schloss die Bewertung bei 99,6% der Lebensmittelproben ein Risiko für die Verbraucher aus.

Der vierte, heute veröffentlichte Jahresbericht gibt einen Überblick über die Pestizidrückstände, die im Jahr 2010 in den 27 EU-Mitgliedstaaten sowie Island und Norwegen in Lebensmitteln nachgewiesen wurden[1]. Im Rahmen dieser Analyse testete die EFSA einen innovativen, als kumulative Risikobewertung bezeichneten Ansatz zur Abschätzung der ernährungsbedingten Exposition. Im Gegensatz zu etablierten Verfahren, bei denen die Pestizidrückstände jeweils einzeln bewertet werden, berücksichtigt dieser Ansatz die potenziellen Auswirkungen der kombinierten Exposition gegenüber einer Reihe von chemischen Substanzen, die ähnliche toxikologische Eigenschaften aufweisen.

Der Leiter des EFSA-Referats Pestizide, Herman Fontier, erklärte: „Dieser Jahresbericht zu Pestizidrückständen liefert wichtige Empfehlungen zur Verbesserung der Überwachung auf nationaler und EU-Ebene. Er sorgt dafür, dass Risikomanagern relevante und genaueste Informationen für ihre Entscheidungsfindung zur Verfügung stehen.“

Die wichtigsten Ergebnisse


Den nationalen Programmen zufolge enthielten 97,2% der Proben Rückstände unterhalb des zulässigen Grenzwerts, dem sogenannten Rückstandshöchstgehalt (Maximum Residue Level – MRL). Die niedrigsten MRL-Überschreitungsquoten wurden – mit 0,1% der Proben über den zulässigen Höchstwerten – auf Lebensmitteln tierischen Ursprungs nachgewiesen. Die MRL-Überschreitungsquoten von in die EU sowie nach Norwegen und Island importierten Lebensmitteln lagen um mehr als das Fünffache höher als bei Lebensmitteln, die aus diesen Ländern stammen – 7,9% gegenüber 1,5% der Proben. Die MRL-Werte für Bio-Lebensmittel[2] sind in der EU mit denen konventioneller Lebensmittel identisch. Die Analyse von 3.571 Bio-Lebensmittelproben ergab eine MRL-Überschreitungsquote von 0,8%.

Die Ergebnisse des von der EU koordinierten Programms[3] zeigten für 2010, dass 98,4% der analysierten Proben innerhalb der zulässigen Grenzwerte lagen. Die MRL-Überschreitungsquoten waren in den letzten vier Jahre weitgehend stabil – der Prozentsatz an Proben, die die gesetzlichen Höchstwerte überschritten, lag zwischen 2,3% im Jahr 2007 und 1,2% im Jahr 2009. Dem Bericht für 2010 zufolge waren die Lebensmittel mit dem höchsten Anteil an Proben über dem MRL Hafer (5,3%), Kopfsalat (3,4%), Erdbeeren (2,8%) und Pfirsiche (1,8%).

Ernährungsbedingte Exposition


Aufgrund der Ergebnisse des Überwachungsprogramms von 2010 gelangte die EFSA zu dem Schluss, dass durch die ernährungsbedingte Aufnahme von Pestizidrückständen kein langfristiges Risiko für die Gesundheit der Verbraucher besteht. Bei der Bewertung der kurzzeitigen (akuten) Exposition kam der Bericht hingegen zu dem Ergebnis, dass bei 0,4% der Proben – 79 von insgesamt 18.243 Proben – ein Risiko nicht ausgeschlossen werden könne. Diese Schlussfolgerung stützt sich auf ein Worst-Case-Szenarium, bei dem der Verzehr einer überdurchschnittlich großen Portion eines Lebensmittels, das die höchste gemessene Rückstandskonzentration enthält, angenommen wird.

Zusätzlich zu der etablierten Bewertung der ernährungsbedingten Exposition führte die EFSA im Rahmen des Berichts für 2010 erstmals eine kumulative Risikobewertung durch. Das Hauptziel dieses Pilotprogramms bestand darin, den Bedarf an Verbesserungen hinsichtlich der Art und Weise, in der die Mitgliedstaaten ihre Überwachungsdaten melden, zu ermitteln. Die EFSA betonte den Wert des Testlaufs der kumulativen Risikobewertung als wegbereitend im Hinblick auf die bessere Nutzung dieses Ansatzes für zukünftige Berichte. Die Behörde verwies allerdings auch auf den Bedarf an zusätzlichen Datenerhebungen durch nationale Behörden und Änderungen der Methodik, um die signifikanten Unsicherheiten in den Ergebnissen zu vermindern.

Herman Fontier äußerte sich wie folgt dazu: „Die kumulative Risikobewertung stützt sich auf eine verfeinerte Analyse und ein besseres Verständnis der möglichen Arten von kombinierter Toxizität von chemischen Substanzen in Lebensmitteln. Es bedarf hochentwickelter Methoden, die die Handhabung und Zusammenführung riesiger Datenmengen erlauben. Daher richtete sich das Augenmerk dieser ersten kumulativen Risikobewertung im jüngsten Bericht mehr auf die Methodik als die Ergebnisse, die aufgrund ihres hohen Grads an Unsicherheit wenig aussagekräftig sind.“

Die EFSA hat sich in den letzten fünf Jahren intensiv mit der Entwicklung dieser Methodiken und der Datenerhebung befasst. Dieses Projekt, das auch zentral für die Arbeiten der Behörde zu chemischen Gemischen in Lebensmitteln ist, wird fortgesetzt und soll zu einer umfassenderen Berichterstattung hinsichtlich der kombinierten Auswirkungen von Pestizidrückständen in künftigen Berichten führen.

Der Bericht 2010 empfiehlt eine Reihe von Maßnahmen zur weiteren Verbesserung zukünftiger Überwachungsprogramme sowie zur Durchsetzung der europäischen Rechtsvorschriften für Pestizidrückstände.


Hinweise für die Redaktion:

Die laufenden Arbeiten der EFSA im Rahmen der Entwicklung einer kumulativen Risikobewertungsmethodik konzentrieren sich auf die Ermittlung von Pestiziden, die aufgrund ihrer toxikologischen Profile in gemeinsamen Bewertungsgruppen zusammengefasst werden sollten. Die Behörde wird voraussichtlich im Frühjahr 2013 ein wissenschaftliches Gutachten zu ihrer Tätigkeit auf diesem Gebiet veröffentlichen. Ziel der kumulativen Risikobewertung ist es, das Potenzial einer kumulativen toxischen Wirkung von Pestiziden sowie das Ausmaß dieser Wirkung nach einer Exposition gegenüber mehreren solch eine Wirkung verursachenden Substanzen zu charakterisieren.

Für Medienanfragen wenden Sie sich bitte an:
Medienstelle der EFSA
Tel. +39 0521 036 149
E-Mail: Press@efsa.europa.eu


[1] Jedes berichtende Land führt zwei Kontrollprogramme durch: ein nationales Programm (dessen Gestaltung jedes Land selbst festlegt) und ein von der EU koordiniertes Programm, bei dem alle nationalen Stellen identische Kontrollmaßnahmen durchführen müssen. Im Rahmen beider Programme wurden 2010 insgesamt 77.075 Proben von mehr als 500 verschiedenen Lebensmitteln auf 982 Pestizide untersucht. Viele dieser Pestizide sind für den Einsatz in der EU nicht zugelassen.
[2] Bio-Lebensmittel werden mittels landwirtschaftlicher Methoden erzeugt, bei denen keine konventionellen Methoden der Düngung von Kulturpflanzen, Kontrolle von Unkräutern, Schädlingen und Pflanzenkrankheiten bzw. Vermeidung von Tierkrankheiten zur Anwendung kommen. Gemäß EU-Rechtsvorschriften ist der Pestizid-Einsatz bei der Erzeugung von Bio-Produkten erheblichen Einschränkungen unterworfen. Vielmehr wird der Einsatz natürlicher Hilfsmittel gegenüber künstlichen Einsatzstoffen hervorgehoben, was durch strenge Verordnungen und Kontrollen innerhalb und außerhalb der EU unterstützt wird.
[3] Jedes Jahr wird im Rahmen des von der EU koordinierten Programms ein anderer Querschnitt an Lebensmittelerzeugnissen pflanzlichen und tierischen Ursprungs, die als Hauptbestandteile der europäischen Ernährung gelten, für einen Zeitraum von drei Jahren analysiert. Bei den 2010 ausgewählten 12 Erzeugnissen handelte es sich um Äpfel, Kohl, Porree, Kopfsalat, Milch, Pfirsiche, Birnen, Roggen, Hafer, Erdbeeren, Schweinefleisch und Tomaten. Im derzeitigen von der EU koordinierten Programm wurden 12.168 Lebensmittelproben auf 178 verschiedene Pestizide untersucht.