EFSA schließt Bewertung von gesundheitsbezogenen Angaben zu ‚allgemeinen Funktionen‘ ab

Pressemitteilung
28 Juli 2011

Mit der Veröffentlichung der Bewertungen der letzten Gruppe von Angaben zu ‚allgemeinen Funktionen‘[1] (ausgenommen jener über ‚pflanzliche Stoffe‘) haben die Wissenschaftler des NDA-Gremiums[2] der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit einen weiteren wichtigen Meilenstein im Rahmen ihrer Arbeit zu gesundheitsbezogenen Angaben erreicht.

Die Veröffentlichung dieser letzten Reihe von 35 Bewertungen stellt den Abschlusspunkt der mehr als dreijährigen Arbeit der EFSA-Sachverständigen dar. Seit 2008 hat das Gremium 2 758 gesundheitsbezogene Angaben zu ‚allgemeinen Funktionen‘ im Lebensmittelbereich bewertet, um festzustellen, ob diese auf soliden wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Hierdurch unterstützte das Gremium die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten bei der Erstellung einer Liste von für Lebensmittel zugelassenen Angaben, anhand derer Europäischen Verbrauchern eine fundierte Ernährungsentscheidung ermöglicht werden soll.

Professor Albert Flynn, Vorsitzender des NDA-Gremiums, hierzu: „Diese sehr herausfordernde Aufgabe wurde vollbracht dank des Engagements und Einsatzes der Sachverständigen des NDA-Gremiums in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der EFSA, die ein unvorhergesehenes und noch nie da gewesenes Arbeitspensum innerhalb sehr knapper Fristen und auf Grundlage von oft unzureichenden Informationen zu bewältigen hatten.

„Trotz dieser Herausforderungen haben unsere Sachverständigen die Angaben beständig, fair und den höchstmöglichen wissenschaftlichen Standards entsprechend bewertet, und dies innerhalb der mit der Kommission vereinbarten Fristen.

„In Rahmen ihrer unabhängigen Bewertung gelangte die EFSA zu dem Schluss, dass eine beträchtliche Zahl von zu Lebensmitteln gemachten Angaben wissenschaftlich fundiert ist. Dies umfasst Angaben zu einem weiten Spektrum gesundheitlicher Vorteile.“

Die Ergebnisse der Bewertungen fielen positiv aus, wenn genügend Nachweise vorhanden waren, um die Angaben zu stützen, was bei etwa einem Fünftel der Angaben der Fall war. Diese bezogen sich hauptsächlich auf:

  • Vitamine und Mineralstoffe;
  • bestimmte Ballaststoffe im Zusammenhang mit der Regelung des Blutzuckerspiegels, dem Blut-Cholesterin-Spiegel bzw. der Gewichtskontrolle;
  • lebende Joghurtkulturen und die Laktoseverdauung;
  • antioxidierende Wirkungen der Polyphenole in Olivenöl;
  • Walnüsse und eine verbesserte Funktion der Blutgefäße;
  • Ersatz-Mahlzeiten und Gewichtskontrolle;
  • Fettsäuren und Herzfunktion;
  • die Rolle einiger Zuckeraustauschstoffe (z. B. Xylitol oder Sorbitol) zur Erhaltung der Zahnmineralisation oder Verringerung des Anstiegs des Blutzuckerspiegels nach dem Essen;
  • Kohlenhydrat-Elektrolyt-Getränke bzw. Kreatin und sportliche Leistung.

Die Sachverständigen erteilten negative Gutachten in Fällen, in denen auf Grundlage der eingereichten Informationen kein Zusammenhang zwischen Lebensmitteln und den ihnen zugeschriebenen Wirkungen festgestellt werden konnte. Gründe hierfür waren u. a.:

  • mangelnde Informationen bezüglich des Stoffs, auf den sich die Angabe bezog (z. B. Angaben zu „probiotischen“ Bakterien oder nicht näher spezifizierten „Balaststoffen“);
  • mangelnde Nachweise darüber, dass die angegebene Wirkung sich tatsächlich günstig auf die Erhaltung bzw. Verbesserung der Körperfunktionen auswirkt (z. B. Lebensmittel mit „antiokzidierenden Eigenschaften“ und Angaben zur „Wasserausscheidung“ durch die Nieren);
  • mangelnde Genauigkeit der Angaben (z. B. Angaben, die Begriffe wie „Energie“ und „Vitalität“ verwenden, bzw. Angaben zu „Frauengesundheit“ oder „geistiger Energie“);
  • fehlende Studien an Menschen inklusive verlässlicher Messdaten bezüglich der behaupteten Gesundheitsvorteile;
  • Angaben die sich auf Lebensmittelkategorien bezogen, die als zu breit erachtet wurden, um mit spezifischen Wirkungen in Zusammenhang gebracht zu werden, wie etwa „Obst und Gemüse“ und „Milchprodukte“).

Aufgrund der großen Anzahl der eingereichten Angaben und der Maßgabe, die Gutachten möglichst bald nach der Verabschiedung zu veröffentlichen, um Transparenz zu gewährleisten, führte die EFSA die Arbeiten in mehreren Phasen durch. Darüber hinaus fasste sie ähnliche Angaben zusammen (z. B. nach Stoff und/oder Nutzen), um so das Risikobewertungsverfahren zu vereinfachen und sicherzustellen, dass ein einheitlicher Ansatz verfolgt wurde.

Catherine Geslain-Lanéelle, geschäftsführende Direktorin der EFSA, betont: „Die Arbeit der EFSA zu gesundheitsbezogenen Angaben über ‚allgemeine Funktionen‘ unterstreicht die Bedeutung eines konstruktiven Dialogs zwischen Risikobewertern, Wissenschaftlern, Entscheidungsträgern und Interessengruppen und hat unsere Vorstellungen hinsichtlich der zukünftigen Gestalt unserer Organisation nachhaltig verändert. Als Folge hieraus plant die EFSA, ein Application Desk einzurichten, um den Dialog mit den Antragstellern zu erleichtern.

„Indem wir zu einem gemeinsamen Verständnis darüber beitragen, welche wissenschaftlichen Nachweise erforderlich sind, wird die von uns unternommene Arbeit, so hoffen wir, die Industrie dabei unterstützen, zukünftige Richtungen für Forschung und Innovation festzulegen.“

Das NDA-Gremium wird auch weiterhin gesundheitsbezogene Angaben bewerten, etwa solche, die von einzelnen Antragstellern eingereicht werden und Angaben betreffen, die sich auf die Entwicklung und Gesundheit von Kindern beziehen. Im Anschluss an einTreffen mit Interessengruppen im vergangenen Jahr hat die EFSA ein Leitliniendokument zu gesundheitsbezogenen Angaben über die Darm- und Immunfunktion fertiggestellt und Online-Konsultationen zu weiteren Leitlinien gestartet. Diese beziehen sich auf: Knochen-, Gelenk- und Mundgesundheit; oxidative Schädigung und kardiovaskuläre Gesundheit; Sättegefühl, Gewichtskontrolle und Blutzuckerspiegel.


Hinweise für die Redaktion:

Die Europäische Kommission übermittelte der EFSA zwischen Juli 2008 und März 2010 insgesamt 4 637 beantragte gesundheitsbezogene Angaben und ersuchte die EFSA, 2 758 dieser Angaben bis Juni 2011 zu bewerten. Die Anträge für 331 gesundheitsbezogene Angaben wurden zurückgezogen, und 1 548 Angaben zu „pflanzlichen Stoffen“ wurden von der Kommission zurückgestellt, bis feststeht, wie damit zu verfahren ist.

Zeitplan der Veröffentlichung von EFSA-Gutachten in diesem Bereich:

  • 1. Oktober 2009, 521 gesundheitsbezogene Angaben in 94 Gutachten
  • 25. Februar 2010, 416 gesundheitsbezogene Angaben in 31 Gutachten
  • 19. Oktober 2010, 808 gesundheitsbezogene Angaben in 75 Gutachten
  • 8. April 2011, 442 gesundheitsbezogene Angaben in 63 Gutachten
  • 30. Juni 2011, 536 gesundheitsbezogene Angaben in 73 Gutachten
  • 28. Juli 2011, 35 gesundheitsbezogene Angaben in 5 Gutachten

Im Zusammenhang mit der erneuten Einreichung einer begrenzten Zahl von gesundheitsbezogenen Angaben zu ‚allgemeinen Funktionen‘ arbeitet die EFSA eng mit der Europäischen Komission und den Mitgliedstaaten zusammen; dies betrifft etwa jene Angaben, die sich auf Mikroorgnismen beziehen, die vom Gremium als ungenügend charakterisiert erachtet wurden, oder Angaben, für welche die vorgelegten Nachweise bei der Ersteinreichung nicht ausreichten, um eine Ursache-Wirkungs-Beziehung festzustellen. Die EFSA geht davon aus, die Angaben zur Neubewertung noch vor Ablauf des Jahres von der Europäischen Kommission zu erhalten; der genaue Zeitplan für die weitere Bewertung wird erstellt werden, sobald das Wiedereinreichungsverfahren abgeschlossen ist.

Für Medienanfragen wenden Sie sich bitte an:
Medienstelle der EFSA
Tel. +39 0521 036 149
E-Mail: Press@efsa.europa.eu


[1] Angaben zu „allgemeinen Funktionen“ nach Artikel 13 Absatz 1 der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel beziehen sich auf: die Bedeutung eines Nährstoffs oder einer anderen Substanz für Wachstum, Entwicklung und Körperfunktionen, psychische oder Verhaltensfunktionen, schlank machende, gewichtskontrollierende oder das Hungergefühl reduzierende Eigenschaften sowie für ein verstärktes Sättigungsgefühl oder eine verringerte Energieaufnahme durch den Verzehr eines Lebensmittels. Angaben über die Entwicklung bzw. Gesundheit von Kindern oder die Verringerung eines Krankheitsrisikos zählen nicht zu diesen Angaben. Diese fallen unter Artikel 14 der o. g. Verordnung.
[2] EFSA-Gremium für Diätetische Produkte, Ernährung und Allergien.