Bewertung des Risikos genotoxischer und kanzerogener Verunreinigungen: der MOE-Ansatz

Webnachricht
30 März 2012

Riskobewerter der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bedienen sich des MOE-Ansatzes zur Abschätzung möglicher Sicherheitsbedenken, die vom Vorhandensein genotoxischer (d. h. die DNA, das genetische Material der Zellen, schädigender) als auch kanzerogener Substanzen in Lebens- und Futtermitteln herrühren. Das unerwünschte Vorkommen genotoxischer wie kanzerogener Substanzen in Lebens- und Futtermitteln kann auf Umweltverschmutzung oder Herstellungsverfahren zurückzuführen sein. Beim MOE (Margin of Exposure) handelt es sich um das Verhältnis zwischen: der Dosis, bei der man eine kleine, jedoch messbare negative Auswirkung erstmalig feststellt, und dem Expositionsniveau der betrachteten Substanz für eine gegebene Population. Der MOE-Ansatz wird nicht zur Bewertung der Sicherheit von absichtlich der Lebensmittelkette zugeführten, regulierten Substanzen (wie etwa Lebens- und Futtermittelzusatzstoffen oder Lebensmittelkontaktmaterialien) verwendet. Der Wissenschaftliche Ausschuss der EFSA weist jedoch darauf hin, dass der Ansatz bei der Sicherheitsbewertung von in solchen Substanzen in sehr geringen Konzentrationen vorkommenden genotoxischen und kanzerogenen Verunreinigungen von Nutzen sein könnte. Durch die Anwendung des MOE können Risikomanager bei der Festlegung möglicher Maßnahmen unterstützt werden, die zur Minimierung der Exposition gegenüber solchen Stoffen erforderlich sind.

Aufgrund zunehmend besserer Testverfahren lassen sich immer mehr unterschiedliche Verunreinigungen auch in geringen Konzentrationen in Lebens- und Futtermittelzusatzstoffen bzw. Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, nachweisen. Beispiele für solche Verunreinigungen schließen sowohl unvermeidbare Kontaminanten wie Umweltschadstoffe als auch vom Herstellungsverfahren herrührende Rückstände und Nebenprodukte ein. Da einige dieser Verunreinigungen sowohl genotoxisch als auch kanzerogen sein können, müssen Risikobewerter ihre möglichen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier berücksichtigen.

Beim MOE handelt es sich um ein von Risikobewertern verwendetes Instrument zur Beschreibung des Risikos, das von einer Exposition gegenüber in Lebens- oder Futtermitteln möglicherweise vorhandenen genotoxischen und kanzerogenen Substanzen ausgeht. Als solches gibt der MOE-Ansatz einen Hinweis auf das Ausmaß der Sicherheitsbedenken im Hinblick auf das Vorhandensein einer Substanz in der Nahrung, quantifiziert jedoch nicht das Risiko an sich. Bei der Anwendung dieses Ansatzes geben Risikobewerter insbesondere an, ob der MOE hochbedenklich, wenig bedenklich oder wahrscheinlich unbedenklich ist. Außerdem sollten MOEs auf Einzelfallbasis betrachtet werden, wobei sowohl das Ausmaß an Sicherheitsbedenken als auch bei der Ableitung des MOE bestehende Ungewissheiten zu berücksichtigen sind.


Hinweise für die Redaktion:

In seinem Gutachten aus dem Jahre 2005 vertrat der Wissenschaftliche Ausschuss der EFSA die Ansicht, dass allgemein ein MOE von 10.000 oder mehr unter dem Gesichtspunkt der öffentlichen Gesundheit wenig bedenklich sei, sofern er auf dem aus einer Tierstudie abgeleiteten unteren Grenzwert des Vertrauensbereichs der Benchmark-Dosis (BMDL – Benchmark Dose Lower Bound) beruht. Beim BMDL handelt es sich um einen aus der Benchmark-Dosis (BMD) hergeleiteten Referenzwert, der die Verwendung von Dosis-Wirkungs-Daten aus Untersuchungen mit Versuchstieren oder epidemiologischen Beobachtungsstudien zur besseren Charakterisierung und Quantifizierung möglicher Risiken erweitert.

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