Milchkühe und Schweine: Reaktionen der Tiere sind äußerst aussagekräftig für die Bewertung ihres Wohlbefindens

Webnachricht
25 Januar 2012

Tierbezogene Maßnahmen zur Bewertung des Wohlbefindens von Milchkühen und Schweinen sind wirkungsvoll und sollten wo immer möglich eingesetzt werden, so die Schlussfolgerung zweier aktueller wissenschaftlicher Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Hierin werden Empfehlungen des EFSA-Gremiums für Tiergesundheit und Tierschutz (AHAW) sowie eine ‚Toolbox‘ vorgestellt, aus der Wissenschaftler, Tierärzte und Landwirte geeignete tierbezogene Maßnahmen zur Bewertung des Wohlbefindens von Milchkühen bzw. Schweinen auswählen können. Die beiden Gutachten zu Milchkühen und Schweinen sind die ersten einer Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten über tierbezogene Maßnahmen, an deren Ende alle landwirtschaftlichen Nutztierarten abgedeckt sein sollen. Die Gutachten unterstützen die Umsetzung der kürzlich verabschiedeten EU-Strategie für den Schutz und das Wohlergehen von Tieren 2012-2015.

Der Einsatz tierbezogener Maßnahmen zur Bewertung des Tierschutzes ist relativ neu. Die Rechtsvorschriften in diesem Bereich konzentrieren sich üblicherweise eher auf die Bewertung verschiedener Faktoren, die sich auf das Wohlbefinden der Tiere auswirken können, als auf die Reaktion der Tiere auf diese Faktoren. Bei besagten Faktoren kann es sich sowohl um Ressourcen handeln, die dem Tier in seiner direkten Umgebung zur Verfügung stehen, z.B. der vorhandene Platz oder das Einstreumaterial, als auch um Praktiken im Umgang mit dem Tier im landwirtschaftlichen Betrieb, z.B. wie und wann es gefüttert wird oder welche Entwöhnungsmethoden angewandt werden. Beispielsweise verlangen geltende EU-Bestimmungen, dass Luftzirkulation, Staubkonzentrationen, Temperatur und Feuchtigkeit in Gebäuden, in denen landwirtschaftliche Nutztiere gehalten werden, innerhalb bestimmter Grenzwerte liegen müssen; sie schreiben jedoch keine Messungen der Reaktionen der Tiere auf diese Faktoren vor.

Die beiden jüngsten wissenschaftlichen Gutachten des AHAW-Gremiums untersuchen die Wirksamkeit der Bewertung von Reaktionen der Tiere auf Faktoren in deren Umgebung als alternativen bzw. ergänzenden Ansatz zur Bewertung der Faktoren selbst. Der Grund hierfür liegt darin, dass tierbezogene Maßnahmen darauf abzielen, das tatsächliche Wohlbefinden des Tieres direkt zu bestimmen, und daher sowohl die Auswirkungen der Umgebung auf das Tier als auch die Art und Weise des Umgangs mit dem Tier berücksichtigen.

Das Gremium kommt zu dem Schluss, dass tierbezogene Maßnahmen effektiv zur Bewertung des Wohlbefindens von Schweinen und Milchkühen in landwirtschaftlichen Betrieben eingesetzt werden können. In den beiden Gutachten wird ferner ein ‚Toolbox‘-Ansatz vorgestellt, im Rahmen dessen Wissenschaftlern, Tierärzten und Landwirten eine Reihe tierbezogener Maßnahmen an die Hand gegeben wird, aus denen sie sich ihr eigenes Instrumentarium für die Bewertung des Wohlbefindens von Tieren ‚maßschneidern‘ können. Das Gremium betont, dass die Maßnahmen im Hinblick auf die jeweils spezifischen Ziele der Bewertung ausgewählt werden sollten, z.B. zur Unterstützung unternehmerischer Entscheidungen in Landwirtschaft und Tierhaltung oder zur Unterstützung der zuständigen Behörden bei der Durchsetzung von Rechtsvorschriften.

Darüber hinaus merkt das AHAW-Gremium an, dass nicht-tierbezogene Maßnahmen weiterhin zum Einsatz kommen sollten, wenn offensichtlich ist, dass sie Beeinträchtigungen des Wohlbefindens der Tiere, z.B. durch scharfe Gegenstände oder Vorsprünge in Ställen, verhindern.

Die jüngsten Gutachten der EFSA wurden auf Ersuchen der Europäischen Kommission um eine unabhängige wissenschaftliche Meinung zu tierbezogenen Maßnahmen zur Bewertung des Wohlbefindens landwirtschaftlicher Nutztiere erstellt. Die Gutachten sollen die Arbeit der Kommission in diesem Bereich ergänzen und folgen auf die erst kürzliche Veröffentlichung der neuen EU-Tierschutzstrategie 2012-2015. Die EFSA wird diese jüngsten Arbeiten zur Risikobewertung im Bereich des Tierschutzes auf einer von der Europäischen Kommission und des dänischen EU-Ratsvorsitzes organisierten internationalen Konferenz (29. Februar/1. März 2012) in Brüssel vorstellen. Der Titel der Konferenz lautet: „Implementing animal welfare through the new EU strategy: consumer empowerment and market opportunities“ (Umsetzung des Tierschutzes mithilfe der neuen EU-Strategie: Mündige Verbraucher und Marktchancen).

 


Hinweise für die Redaktion:

Bei Milchkühen wurden beispielhaft tierbezogene Maßnahmen betrachtet, die sich auf folgende, am häufigsten auftretende Beeinträchtigungen des Wohlbefindens beziehen: Lahmheit, Beinverletzungen, Mastitis, Kollisionen mit der Stalleinrichtung beim Aufstehen oder Abliegen sowie schlechte körperliche Verfassung. Bei Schweinen beziehen sich die Maßnahmen auf Gesundheit (Niesen, Husten, Sterblichkeit etc.), Sozialverhalten und schlechte körperliche Verfassung.

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