Datenerhebung: Tierseuchen

Einleitung

Die Europäische Kommission ersucht die EFSA regelmäßig um wissenschaftliche und fachliche Unterstützung bei der epidemiologischen Analyse von Ausbrüchen von Tierseuchen (z. B. der Afrikanischen Schweinepest, der Lumpy-skin-Krankheit und der Geflügelpest) sowie um die Meldung oder Auswertung von Überwachungsdaten (z. B. zum Echinococcus multilocularis (Fuchsbandwurm) und zur Geflügelpest).

Als Reaktion auf diese Ersuchen hat die EFSA in den letzten Jahren mehrere Datenerhebungen durchgeführt und Informationen über Ausbrüche, Überwachungsmaßnahmen und Tierpopulationen (Geflügel, Hausschweine, Rinder und Wildtiere wie Wildschweine) gesammelt.

Die bei diesen Tätigkeiten gewonnenen Erfahrungen haben die EFSA veranlasst, ihre Methoden zur Erhebung von Tierpopulations- und Tierseuchendaten neu zu bewerten, um das Verfahren zu optimieren.

Derzeit sind die Datenmodelle der EFSA nicht vollständig harmonisiert, ihr Data-Warehouse ist nicht mit dem Tierseuchenmeldesystem (ADNS) der Europäischen Kommission verbunden und die Datenübermittlung und -validierung sind nicht automatisiert, sodass Datenerhebungen sowohl für die EFSA als auch für die Datenlieferanten in den Mitgliedstaaten mit großem Aufwand verbunden sind.

Daher hat die EFSA das SIGMA-Projekt eingerichtet, mit dem die Datenmodelle harmonisiert und die Prozesse für die Übermittlung, Validierung, Analyse und Meldung von Daten neu gestaltet werden sollen.

What is the SIGMA project?

Das SIGMA-Projekt hat folgende Ziele:

  • Verringerung der Menge der von den Mitgliedstaaten manuell an die EFSA übermittelten Daten durch die Einführung automatisierter Verfahren;
  • Vermeidung von Doppelmeldungen an die EFSA und gegebenenfalls an andere Systeme;
  • Bereitstellung von Tools für die Mitgliedstaaten, mit denen sie automatisch nationale Berichte über Tiergesundheit und -überwachung in einem geschützten Umfeld (d. h. über eine sichere Verbindung mit Zugangsdaten) erstellen können ;
  • Verbesserung der Qualität und Vergleichbarkeit der von den Mitgliedstaaten übermittelten Daten;
  • Verkürzung der Zeit, die benötigt wird, um aktuelle Daten abzurufen, die für die Risikobewertung relevant sind.

Das Projekt wird von einem Konsortium durchgeführt, das vom Instituto Zooprofilattico Sperimentale (IZS) dell’Abruzzo e del Molise „G. Caporale“ in Zusammenarbeit mit dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), dem schwedischen Nationalen Veterinärinstitut (SVA), der bulgarischen Behörde für Lebensmittelsicherheit und dem Institute of Veterinary Medicine and Animal Sciences der Estnischen Universität für Biowissenschaften geleitet wird.

SIGMA wird in drei Phasen umgesetzt:

Phase 1

Die Hauptziele der ersten Phase sind:

  • Entwurf eines harmonisierten Datenmodells, des SIGMA-Tierseuchenmodells (σ-ADM), das je einen Abschnitt zur Tierpopulation und zu Laborergebnissen umfasst;
  • Bereitstellung eines umfassenden Überblicks auf Ebene der Mitgliedstaaten (Länderkarten) über die für die Erhebung von Tiergesundheits- und Tierpopulationsdaten zuständigen Stellen.

Phase 2

Die zweite Phase betrifft die Umsetzung des Rahmens mit den Mitgliedstaaten, die sich freiwillig an der Pilotphase beteiligen. Diese Phase konzentriert sich auf Daten zur Geflügelpest und zur Afrikanischen Schweinepest. Hauptelemente:

  • Unterstützung der freiwillig teilnehmenden Mitgliedstaaten bei der Ausgestaltung von ETL-Verfahren (Extraktion, Transformation, Laden) zur Auswahl, Umwandlung und Übermittlung der einschlägigen nationalen Daten im Einklang mit dem σ-ADM;
  • Berichterstattung zu den Überwachungsdaten zur Geflügelpest: Unterstützung des Übergangs vom System der Europäischen Kommission zum Datenerhebungsrahmen der EFSA;
  • Afrikanische Schweinepest: Integration der Datensammlung zu Ausbrüchen;
  • Schweine- und Geflügelpopulationen: Unterstützung bei der Einrichtung eines Datenverkehrs innerhalb und außerhalb der freiwillig teilnehmenden Mitgliedstaaten;
  • Interaktive Online-Analyse-Tools: vorläufige Fallstudie über den Anschluss von Tools an das EFSA-Data-Warehouse zur Analyse von Ausbrüchen der Afrikanischen Schweinepest und der Geflügelpest und Berichterstattung an die datenliefernden Länder.

Phase 3

Mit der Erhebung der Daten und der Speicherung im Data-Warehouse wird das Projekt abgeschlossen. Dies umfasst insbesondere folgende Schritte:

  • ETL-Verfahren: Umsetzung der Verfahren (Auswahl, Umwandlung und Übermittlung der einschlägigen nationalen Daten im Einklang mit der σ-ADM) in den freiwillig teilnehmenden Mitgliedstaaten;
  • Abschlussbericht über die Qualität der mithilfe des SIGMA-Rahmens erhobenen Daten.
Data Sources on Animal Diseases in EU Member States
Data Sources on Animal Diseases in EU Member States
 

FAQ

1. Was ist SIGMA?

Ziel des Projekts ist es, die Übermittlung von Daten über die Tierpopulation und die Seuchenüberwachung von EU-Mitgliedstaaten und Nachbarländern an die EFSA zu optimieren. Dies wird zu einer einheitlichen, harmonisierten und strukturierten Datenbank über Tierseuchen wie Afrikanische Schweinepest, Geflügelpest und Lumpy-skin-Krankheit führen.

Weitere Informationen finden Sie hier.

2. Wer kann sich am Projekt beteiligen?

An dem Projekt können Datenlieferanten wie Veterinärbehörden der Mitgliedstaaten und Nachbarländer (z. B. Heranführungsländer), wissenschaftliche Institute und zentrale Laboratorien teilnehmen. Im Mai 2019 waren 10 Länder – Österreich, Spanien, Italien, Kroatien, Rumänien, Bulgarien, Estland, Griechenland, Schweden und Island – beteiligt

3. Welche Vorteile bietet SIGMA?

  • Minimierung des Aufwands für Datenlieferanten bei der Datenübermittlung durch schnellere, automatisierte Datenextraktion und Standardisierung;
  • Möglichkeit, die übermittelten Daten zur Erstellung von Berichten für die Europäische Kommission und für nationale Zwecke zu nutzen, z. B. für den Bericht über E. multilocularis;
  • Befähigung der EFSA, relevante und zeitnahe Rückmeldungen für Risikomanager (Mitgliedstaaten, andere Länder und die Europäische Kommission) zu erstellen;
  • Verbesserung der Qualität der Arbeitsergebnisse der EFSA.

4. Welche Herausforderungen sind mit SIGMA verbunden?

Die größte Herausforderung sind die verschiedenen Ansätze, die die einzelnen Länder in Bezug auf folgende Aspekte der Datenerfassung verfolgen: Datenverbundpolitik, Datenwörterbücher (Definition von Variablen), z. B. Klassifikation von Tierpopulations- und Tierproduktionsarten, und IT-Infrastruktur.

5. Welche Tierseuchen werden mit SIGMA erfasst?

In der Pilotphase werden Daten über die Afrikanische Schweinepest, die Geflügelpest und die Lumpy-skin-Krankheit erhoben. Später werden ggf. weitere Tierseuchen und Tierpopulationen abgedeckt/erfasst.

6. Welche Daten werden erhoben?

  • Daten zu Tierpopulationen (z. B. Geflügel, Schweine, Rinder): z. B. Standort und Größe des landwirtschaftlichen Betriebs, Tierarten, Produktionsart usw.;
  • Überwachungsdaten zu Geflügelpest, Afrikanischer Schweinepest und Lumpy-skin-Krankheit, wobei sich die wichtigsten Variablenfelder auf Labordaten beziehen (Probe-ID, Probeart, Probenahme- und Testdatum, angewandte Untersuchungsmethode, Ergebnisse usw.).

7. Welche Datenauflösung ist erforderlich?

Überwachungsdaten können auf Stichprobenebene oder als „aggregierbare“ Daten, d. h. unter bloßer Angabe der gewünschten Auflösungsebene (z. B. NUTS-3-Ebene anstelle von x-y-Koordinaten), zur Verfügung gestellt werden. Populationsdaten können auf Betriebs- und/oder auf Einzeltierebene (falls angezeigt) mit der gewünschten Genauigkeit (z. B. NUTS-3-Ebene anstelle von x-y-Koordinaten) zur Verfügung gestellt werden.

8. Welche Daten müssen die Mitgliedstaaten übermitteln?

Bei den Daten, zu deren Übermittlung die Mitgliedstaaten verpflichtet sind, handelt es sich um die Daten, die unter die einschlägigen EU-Rechtsvorschriften fallen, z. B. Daten zur Überwachung der Geflügelpest. Die zusätzlichen Daten, die im Rahmen des SIGMA-Projekts angefordert werden, sind zwar keine Pflichtdaten, jedoch für die Zwecke der statistischen Analyse unerlässlich. Sämtliche Daten sind durch Datenschutzvorschriften geschützt.

9. Was geschieht mit den im Rahmen von SIGMA an die EFSA übermittelten Daten?

Alle an die EFSA übermittelten Daten werden nach der Validierung durch den Mitgliedstaat im „Scientific Data Warehouse“ der EFSA gespeichert. Die Daten werden dann von der EFSA zur Durchführung von Risikobewertungen herangezogen. Die Ergebnisse der Risikobewertung werden den Datenlieferanten mitgeteilt, um vor der Veröffentlichung die Kohärenz der Daten sicherzustellen.

10. Wie sind die Daten nach Übermittlung an die EFSA geschützt?

Vor der Veröffentlichung einer Risikobewertung hat nur die EFSA Zugriff auf die Daten. Nach der Veröffentlichung können die Daten im Einklang mit der Transparenzpolitik der EFSA auf Anfrage eingesehen werden. Dennoch werden die von den Datenanbietern als vertraulich eingestuften Daten sowie die von den Datenschutzvorschriften erfassten Daten (z. B. die Geokoordinaten von landwirtschaftlichen Betrieben) nicht offengelegt.

11. Welche Anforderungen müssen Länder, die sich an SIGMA beteiligen möchten, in Bezug auf Personal, IT-Strukturen und Datenverwaltungssysteme erfüllen?

Es bestehen keine besonderen Anforderungen: Das SIGMA-Konsortium führt zunächst eine Analyse des Datenflusses auf nationaler Ebene durch.