
Unsicherheitsanalyse
Wir können uns über die Zukunft nie völlig sicher sein, weder in der Wissenschaft noch im Alltag. Selbst wenn es aussagekräftige Hinweise darauf gibt, dass etwas passieren wird, ist das letztliche Ergebnis fast immer mit Unsicherheiten behaftet. Tragen wir diesen Unsicherheiten jedoch Rechnung, können wir oft bessere, transparentere Entscheidungen bezüglich der Faktoren treffen, die das Ergebnis beeinflussen können.
So werten Meteorologen etwa Satellitenbilder aus, um Vorhersagen über das Wetter zu machen. Selten sind sie sich 100 Prozent sicher, was passieren wird. Bei ihrer Vorhersage geben sie daher üblicherweise an, wie wahrscheinlich diese ist. Wenn sie sagen, dass es mit „großer Wahrscheinlichkeit“ regnen wird, werden Sie wahrscheinlich entscheiden, nicht ohne Ihren Regenschirm nach draußen zu gehen. Ist hingegen von einer „leichten“ Regenwahrscheinlichkeit die Rede, ist es wahrscheinlicher, dass Sie entscheiden, den Regenschirm zu Hause zu lassen. Geben die Meteorologen die Regenwahrscheinlichkeit in Prozent an – z.B. mit 90% oder 10% – wird für viele von uns die Botschaft noch klarer.
Das gleiche Prinzip gilt bei der Lebensmittelsicherheit. So können Wissenschaftler etwa beauftragt werden, die Sicherheit eines neuen Lebensmittels, Pestizids oder durch Lebensmittel übertragenen Bakteriums zu bewerten. Sind die Hinweise oder Erkenntnisse unvollständig, versuchen sie zu erklären, wie die damit einhergenden Unsicherheiten ihre Schlussfolgerungen beeinflussen können.
Sie führen eine „Unsicherheitsanalyse“ durch, um die wissenschaftlichen Unsicherheiten zu ermitteln und zu beschreiben sowie deren Auswirkungen auf die Entscheidungsfindung zu erläutern. Sie können angeben, ob es mehr als ein mögliches Ergebnis gibt und welches die relative Wahrscheinlichkeit eines jeden ist.
Wie bei der Wettervorhersage ist es bei der Entscheidungsfindung wichtig zu wissen, wie sicher sie sind (z.B. zu 10%, 50% oder 90%). Diese Informationen erlangen essenzielle Bedeutung, wenn die Entscheidungen schwerwiegende Folgen für die Gesundheit von Mensch und Tiere bzw. die Umwelt haben.
Seit 2013 ist der Wissenschaftliche Ausschuss der EFSA damit befasst, Leitlinien zu entwickeln, um Unsicherheit auf eine strukturierte und systematische Weise zu bewerten. Ziel ist es, eine Toolbox mit – quantitativen wie qualitativen – Methoden zur Verfügung zu stellen und entsprechende Schulungen für die Wissenschaftlichen Gremien und Mitarbeiter der EFSA sowie andere Organisationen (z.B. Forschungseinrichtungen oder nationale Behörden) anzubieten, die wissenschaftliche Arbeiten im Auftrag der EFSA durchführen.
Anfang 2016 begannen die Wissenschaftlichen Gremien der EFSA, den überarbeiteten Entwurf der Leitlinien im Rahmen mindestens eines ihrer wissenschaftlichen Gutachten oder einer sonstigen wissenschaftlichen Bewertung zu testen. Rückmeldungen aus einer 2015 durchgeführten öffentlichen Konsultation halfen dem Wissenschaftlichen Ausschuss der EFSA, wichtige Aspekte des vorigen Entwurfs zu überarbeiten und klarzustellen.
2016 beginnen die Wissenschaftlichen Gremien der EFSA, den überarbeiteten Entwurf der Leitlinien im Rahmen mindestens eines ihrer wissenschaftlichen Gutachten oder einer sonstigen wissenschaftlichen Bewertung zu testen. Rückmeldungen aus einer 2015 durchgeführten öffentlichen Konsultation helfen den Sachverständigen der EFSA, wichtige Aspekte des vorigen Entwurfs zu überarbeiten und klarzustellen.
2015 führt die EFSA eine öffentliche Konsultation zu ihrem Leitlinienentwurf über den Umgang mit Unsicherheit bei der wissenschaftlichen Bewertung durch. In dem Dokument wird eine neue standardisierte Toolbox an Methoden zur Analyse, Erklärung und Berücksichtigung von Unsicherheiten bei der wissenschaftlichen Bewertung vorgeschlagen.
2015 nehmen führende Experten und Praktiker im Bereich der Regulierungswissenschaft aus Europa und der ganzen Welt an einem von der EFSA organisierten Workshop teil, um Feedback und Erkenntnisse aus ihren laufenden Bemühungen zusammenzutragen, die bereichsübergreifenden Methoden zu harmonisieren und zu stärken, auf die sich ihre wissenschaftlichen Bewertungen stützen. Eine eigene Sektion widmet sich dem Leitlinienentwurf der EFSA zum Umgang mit Unsicherheit bei der wissenschaftlichen Bewertung.
2013 fordert der Wissenschaftliche Ausschuss der EFSA ein Selbstmandat zur Erarbeitung von Leitlinien für den Umgang mit Unsicherheit bei der wissenschaftlichen Bewertung im Rahmen eines bedeutenden Vorstoßes für mehr Robustheit, Transparenz und Offenheit bei der wissenschaftlichen Bewertung (Increasing robustness, transparency and openness of scientific assessments).
2009 veröffentlicht der Wissenschaftliche Ausschuss der EFSA ein wissenschaftliches Gutachten zu allgemeinen Grundsätzen für die Gewährleistung von Transparenz bei der Risikobewertung, einschließlich der Notwendigkeit, Unsicherheiten zu identifizieren und charakterisieren.
2006 veröffentlicht der Wissenschaftliche Ausschuss der EFSA ein wissenschaftliches Gutachten im Zusammenhang mit Unsicherheiten bei der Abschätzung der ernährungsbedingten Exposition (Uncertainties in dietary exposure assessment).
Der Wissenschaftliche Ausschuss der EFSA entwickelt harmonisierte Risikobewertungsmethoden zu wissenschaftlichen Fragen horizontaler Art in Bereichen, die in das Aufgabengebiet der EFSA fallen und in denen noch keine EU-weit gültigen Verfahren festgelegt wurden.
Die EFSA ersuchte den Wissenschaftlichen Ausschuss, Leitlinien zu entwickeln, um Unsicherheiten bei der Risikobewertung zu charakterisieren, zu dokumentieren und zu erklären. Dies sollte Unsicherheiten auf den verschiedenen Stufen der Risikobewertung umfassen, d.h. bei der Gefahrenidentifizierung und -beschreibung, der Expositionsabschätzung und der Risikobeschreibung. Soweit möglich, sollte der vorgeschlagene Rahmen für alle maßgeblichen Arbeitsbereiche der EFSA harmonisiert und anwendbar sein sowie dessen Anwendbarkeit anhand von Fallstudien demonstriert werden.
Der Wissenschaftliche Ausschuss richtete eine Arbeitsgruppe ein, um Vorarbeiten für seinen Leitlinienentwurf zum Umgang mit Unsicherheit bei der wissenschaftlichen Bewertung durchzuführen.
