Transmissible Spongiforme Enzephalopathien (TSE)

Einleitung

Transmissible Spongiforme Enzephalopathien (TSE) sind eine Gruppe von neurodegenerativen Krankheiten, die Menschen und Tiere betreffen. Der Verlauf dieser Krankheiten ist stets tödlich.

TSE werden durch einen als Prion bezeichneten übertragbaren Erreger verursacht, bei dem es sich um eine abnorme Form eines Proteins handelt.

Zu den TSE zählen u. a.:

  • die klassische und atypische Bovine Spongiforme Enzephalopathie (BSE) bei Rindern;
  • die klassische und atypische Traberkrankheit (Scrapie) bei Schafen und Ziegen;
  • die chronische Auszehrungskrankheit (Chronic Wasting Disease – CWD) bei Hirschartigen;
  • die Transmissible Nerz-Enzephalopathie (Transmissible Mink Enzephalopathie – TME) bei Nerzen;
  • die Feline Spongiforme Enzephalopathie (FSE) bei Katzen;
  • die Creutzfeldt Jakob-Krankheit (CJK), die variante Creutzfeldt Jakob-Krankheit (vCJK), das Gerstmann-Sträussler-Scheinker-Syndrom, die Fatale Familiäre Insomnie sowie Kuru beim Menschen.

Mit Ausnahme des BSE-Erregers, der durch den Verzehr von kontaminiertem Fleisch auf den Menschen übertragen kann und die variante Creutzfeldt Jakob-Krankheit verursacht, liegen für keine anderen TSE bei Tieren wissenschaftliche Hinweise darauf vor, dass sie auf den Menschen übertragen werden können.

Aktuelles

Im Dezember 2019 veröffentlichte die EFSA ihren neuesten zusammenfassenden Bericht über die Überwachung transmissibler spongiformer Enzephalopathien (TSE) in der EU. Der Bericht enthält Ergebnisse zu Daten, die im Jahr 2018 von allen EU-Mitgliedstaaten, Island, Nordmakedonien, Norwegen und der Schweiz gesammelt wurden.

Die wichtigsten Ergebnisse sind:

  • Ein Fall von klassischer BSE bei Rindern (von 1 181 934 getesteten Tieren) wurde in der EU gemeldet. Es wurden drei Fälle von atypischer BSE gemeldet.
  • Es gab 934 Fälle von Scrapie bei Schafen (von 325 386 getesteten Tieren) und 523 Fälle bei Ziegen (von 138 128 getesteten Tieren).
  • Ein Fall von chronische Auszehrungskrankheit (CWD) wurde bei einem wilden Elch gemeldet, der erste gemeldete CWD-Fall in der EU (von 8 185 getesteten Hirschartigen).

 

Meilensteine

Juli 2018 Die EFSA veröffentlicht ein wissenschaftliches Gutachten über das BSE-Risiko, das durch verarbeitetes tierisches Eiweiß (PAP) im Futter verursacht wird.

August 2017 Die EFSA veröffentlicht ein wissenschaftliches Gutachten über genetische Resistenz gegenüber TSE bei Ziegen. Die in der Stellungnahme vorgelegten Nachweise führten dazu, dass die Option der genetischen Resistenz in EU-Rechtsvorschriften aufgenommen wurde, um Ausbrüche von Scrapie in Ziegenherden zu bekämpfen.

Juli 2017 Die EFSA veröffentlicht ein wissenschaftliches Gutachten über den Ursprung der 60 gemeldeten Fälle von klassischer BSE bei Rindern, die nach der Durchsetzung des EU-Verbots der Verwendung von tierischen Proteinen in Viehfutter im Jahr 2001 geboren wurden. Die Sachverständigen gelangten zu dem Schluss, dass kontaminiertes Futter die wahrscheinlichste Infektionsquelle ist. Eine zweite Möglichkeit ist, dass kontaminierte Futtermittelzutaten aus Nicht-EU-Ländern eingeführt wurden. Sie konnten weitere Ursachen nicht ausschließen, da sich die Untersuchung einzelner Fälle schwierig gestaltete.

Januar 2017 In einem wissenschaftlichen Gutachten haben EFSA-Sachverständige Überwachungstätigkeiten und -maßnahmen zur Prävention der Einschleppung und Ausbreitung der Chronic Wasting Disease in die und innerhalb der EU ermittelt. Sie schlugen ein dreijähriges Überwachungsprogramm für acht Länder vor, um zu ermitteln, ob die Krankheit dort auftritt. Dadurch konnten die ersten Fälle in der EU festgestellt werden: in Finnland im Jahr 2018 und in Schweden im Jahr 2019. Die chronische Auszehrungskrankheit wurde 2016 bei einem wilden Rentier und einem wilden Elch in Norwegen entdeckt. Dies war das erste Mal, dass die Krankheit in Europa und bei wild lebenden Rentieren nachgewiesen werden konnte.

Dezember 2016 Die EFSA veröffentlicht erstmals den jährlichen Kurzbericht der EU über die Überwachung von TSE bei Rindern, Schafen, Ziegen, Hirschartigen und anderen Tierarten. Zuvor wurden die jährlichen Berichte über TSE von der Europäischen Kommission erstellt und veröffentlicht.

September 2014 Die EFSA bewertet die Scrapie-Situation in der EU seit Einführung einer Reihe von Maßnahmen zur Überwachung und Eindämmung der Krankheit vor zehn Jahren.

Januar 2011 Die EFSA und das ECDC überprüfen die aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Informationen über mögliche Verbindungen zwischen TSE bei Tieren und Menschen. Die Ergebnisse des Gutachtens bestätigen, dass derzeit nur eine Form von TSE nachweislich zoonotisch ist, nämlich BSE, beim Menschen als variante Creutzfeldt Jakob-Krankheit (vCJK) bekannt.

Dezember 2010 Die EFSA überprüft die Verteilung der TSE-Infektiosität von Geweben bei Kleinwiederkäuern und quantifiziert zum ersten Mal die Auswirkungen von Maßnahmen zu spezifiziertem Risikomaterial auf die Kontrolle der von Kleinwiederkäuern ausgehenden TSE-Risiken. Die Entfernung von Material wie Gehirn und Rückenmark von Tieren, die in die Lebensmittelkette gelangen, schützt die Verbraucher vor TSE-Risiken.

Rolle

Die Rolle der EFSA besteht darin, Risikomanagern unabhängige wissenschaftliche Beratung zu allen die Gesundheit von Mensch und Tier betreffenden Aspekten von TSE in der EU bereitzustellen. Ein Großteil der EFSA-Arbeiten erfolgt auf Ersuchen der Europäischen Kommission.

Die Beratung der EFSA dient als wissenschaftliche Grundlage für EU-Maßnahmen zur Reduzierung der von TSE ausgehenden Risiken sowie zur Wahrung eines hohen Grades an Verbraucherschutz in Europa.

Risikobewertungen und Empfehlungen

Die EFSA hat umfassende wissenschaftliche Arbeiten zu verschiedenen TSE, insbesondere zu BSE, Scrapie und CWD, unternommen.

Die wissenschaftliche Arbeit zu TSE wird vom Gremium für Biologische Gefahren (BIOHAZ) geleitet, das von führenden Sachverständigen für alle TSE betreffenden Aspekte, darunter Epidemiologen, Pathologen und Molekularbiologen, beraten wird.

Diese Arbeit beinhaltet auch eine Auswertung der wissenschaftlichen Erkenntnisse zum zoonotischen Potenzial von TSE bei Tieren, wie klassische Scrapie und CWD.

Die EFSA hat auch mehrere länderspezifische Bewertungen durchgeführt. Dazu gehören die Bewertung der Überarbeitung des BSE-Überwachungssystems in Norwegen und Kroatien sowie die Bewertung der Anträge Finnlands, Schwedens und Dänemarks auf Anerkennung des Status eines „vernachlässigbaren Risikos“ bei klassischer Scrapie.

Bewertung von TSE-Schnelltests

Die EFSA ist auch an der Erstellung von Protokollen für die Bewertung neuer Schnelltests zum Nachweis von TSE bei Tieren, einschließlich Ante- und Post-mortem-Tests, sowie bei den verschiedenen Schritten des Verfahrens zur Bewertung der Tests und an der Überarbeitung der Diagnosemethoden für CWD beteiligt.

EU-Rechtsrahmen

Die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedstaaten haben eine Reihe von Maßnahmen zum Risikomanagement von TSE in der EU ergriffen. Es existiert ein umfassender Bestand an Rechtsvorschriften zum Schutz von Mensch und Tier vor diesen Krankheiten.

Sämtliche EU-Maßnahmen im Hinblick auf TSE bei Tieren sind in der Verordnung (EG) Nr. 999/2001 zusammengefasst.