Pestizide

Einleitung

Der Begriff „Pestizide“ wird häufig als Synonym für Pflanzenschutzmittel verwendet. Der Oberbegriff Pestizide umfasst jedoch auch Produkte wie Biozide, die nicht zur direkten Anwendung an Pflanzen, sondern zur Bekämpfung von Schädlingen und Krankheitsüberträgern wie Insekten, Ratten und Mäusen bestimmt sind; diese fallen nicht in den Zuständigkeitsbereich der EFSA.

Pflanzenschutzmittel sind Pestizide, die überwiegend eingesetzt werden, um die Gesundheit von Kulturpflanzen zu erhalten und ihrer Vernichtung durch Krankheiten und Schädlingsbefall vorzubeugen. Hierzu zählen Herbizide, Fungizide, Insektizide, Akarizide, Pflanzenwachstumsregulatoren und Repellentien (Abwehr- oder Vergrämungsmittel).

Pflanzenschutzmittel enthalten einen oder mehrere Wirkstoffe. Bei diesen Wirkstoffen kann es sich um chemische Substanzen oder Mikroorganismen, einschließlich Viren, handeln, die es dem Produkt ermöglichen, seine Funktion zu erfüllen. Ein Großteil der Risikobewertungen der EFSA im Bereich der Pflanzenschutzmittel konzentriert sich auf diese Wirkstoffe.

Überblick

EU-Rechtsrahmen

Die Vermarktung und Anwendung von Pflanzenschutzmitteln sowie ihre Rückstände auf und in Lebensmitteln sind durch zahlreiche EU-Rechtsvorschriften geregelt. Pflanzenschutzmittel dürfen nur nach vorheriger Zulassung auf den Markt gebracht oder verwendet werden. Im Rahmen eines dualen Systems bewertet die EFSA die in Pflanzenschutzmitteln verwendeten Wirkstoffe, während die Mitgliedstaaten die Pflanzenschutzmittel-Produkte bewerten und auf nationaler Ebene zulassen. Pflanzenschutzmittel werden hauptsächlich in der Rahmenverordnung (EG) Nr. 1107/2009 geregelt.

Sämtliche Fragen im Zusammenhang mit gesetzlichen Grenzwerten für Pestizidrückstände in Lebens- und Futtermitteln werden in der Verordnung (EG) Nr. 396/2005 geregelt. Diese Verordnung enthält auch Bestimmungen über amtliche Kontrollen von Pestizidrückständen in Lebensmitteln pflanzlichen und tierischen Ursprungs, die durch den Einsatz von Pestiziden beim Pflanzenschutz auftreten können.

Rolle

Die EFSA leistet Risikomanagern unabhängige wissenschaftliche Beratung auf der Grundlage von Risikobewertungen. Die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten entscheiden im Rahmen des Risikomanagements über Regulierungsfragen, einschließlich der Genehmigung von Wirkstoffen und der Festsetzung gesetzlicher Grenzwerte für Pestizidrückstände in Lebens- und Futtermitteln (Rückstandshöchstgehalte).

Bevor ein Wirkstoff in einem Pflanzenschutzmittel in der EU eingesetzt werden darf, muss er von der Europäischen Kommission genehmigt werden. Die Wirkstoffe durchlaufen einen eingehenden Evaluierungsprozess, bevor eine Entscheidung über ihre Genehmigung getroffen werden kann. 

Das Referat Pestizide der EFSA ist auf EU-Ebene für das Peer-Review der Risikobewertungen von in Pflanzenschutzmitteln verwendeten Wirkstoffen zuständig und arbeitet dabei eng mit den Mitgliedstaaten zusammen. Bei der Risikobewertung von Wirkstoffen wird geprüft, ob diese Substanzen bei korrekter Anwendung möglicherweise irgendeine direkte oder indirekte schädliche Wirkung auf die Gesundheit von Mensch und Tier haben – beispielsweise über das Trinkwasser, Lebens- oder Futtermittel – und dass sie die Qualität des Grundwassers nicht beeinträchtigen. Darüber hinaus sollen im Rahmen der Umweltrisikobewertung mögliche Auswirkungen auf Nichtzielorganismen abgeschätzt werden.

Das Referat Pestizide leistet der Europäischen Kommission auch wissenschaftliche Beratung zu möglichen Risiken im Zusammenhang mit dem Vorhandensein von Pestizidrückständen in Lebensmitteln, die mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden, und erarbeitet Empfehlungen bezüglich der Festsetzung von Rückstandshöchstgehalten (Maximum Residue Levels – MRL). Außerdem ist das Referat für die Erstellung des Jahresberichts über Pestizidrückstände in der EU zuständig und stellt dem Gremium für Pflanzenschutzmittel und ihre Rückstände (PPR) administrative und wissenschaftliche Unterstützung zur Verfügung.

Das Gremium für Pflanzenschutzmittel und ihre Rückstände (PPR-Gremium) der EFSA leistet wissenschaftliche Beratung zu: Fragen, die nicht im Rahmen des Peer-Reviews von Wirkstoffen geklärt werden können; Anträgen und Überprüfungen im Zusammenhang mit Rückstandshöchstgehalten; oder wenn Leitlinien zu allgemeineren Fragen benötigt werden, was in der Regel die Bereiche Toxikologie, Ökotoxikologie, Verbleib und Verhalten bzw. die Weiterentwicklung von Risikobewertungspraktiken betrifft.

Das PPR-Gremium und das Referat Pestizide haben die Aufgabe, die wissenschaftlichen Methoden zur Risikobewertung von Pestiziden zu überarbeiten und weiterzuentwickeln, was auch Leitliniendokumente umfasst. In diesem Zusammenhang beauftragt die EFSA regelmäßig externe Organisationen mittels Fremdvergabe damit, sie beim Zusammentragen von wissenschaftlichen Daten und Informationen oder der Entwicklung von Modellierungsinstrumenten zu unterstützen. Die Ansichten von Interessengruppen zu neuen Leitlinien und Methoden werden mittels öffentlicher Konsultationen eingeholt. Die Leitliniendokumente bieten Antragstellern und Mitgliedstaaten Orientierungshilfe bei der Durchführung von Risikobewertungen für bestimmte Bereiche im Rahmen des Peer-Reviews von Wirkstoffen bzw. der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln auf nationaler Ebene.
 

Peer-Review

Peer-Review von Wirkstoffen

Seit 2003 ist die EFSA auf EU-Ebene für das Peer-Review von Wirkstoffen in Pflanzenschutzmitteln zuständig. Diese Aufgabe wird vom Referat Pestizide der EFSA gemäß den in den Rechtsvorschriften festgelegten Verfahren und entsprechend den neuesten wissenschaftlichen Standards und Methoden durchgeführt. Die EFSA arbeitet dabei eng mit wissenschaftlichen Sachverständigen aus den Mitgliedstaaten zusammen.

Generell erfolgt die Bewertung von Wirkstoffen im Rahmen eines mehrstufigen Verfahrens:

  1. Der Hersteller des Wirkstoffs legt einem zuvor benannten Bericht erstattenden Mitgliedstaat einen Antrag auf Genehmigung eines Wirkstoffs vor, zusammen mit den entsprechenden Unterlagen (Dossier).
    List of available summary dossiers and applications
     
  2. Für jeden Stoff wird zunächst von dem Bericht erstattenden Mitgliedstaat ein vorläufiger Risikobewertungsbericht erstellt.
  3. Die Risikobewertung des Bericht erstattenden Mitgliedstaats wird von der EFSA zusammen mit allen Mitgliedstaaten einem Peer-Review unterzogen.
     
  4. Die EFSA verfasst eine Schlussfolgerung bezüglich des Wirkstoffs.
     
  5. Die Europäische Kommission trifft eine gesetzgeberische Entscheidung über die Aufnahme des Stoffs in die gemeinschaftliche Liste der genehmigten Wirkstoffe.

Die EFSA ist auch für das EU-Peer-Review von Anträgen auf Erneuerung der Genehmigung von Wirkstoffen zuständig. Wirkstoffe werden in der Regel für einen Zeitraum von 10 Jahren genehmigt, nach dessen Ablauf Antragsteller eine Verlängerung der Genehmigung beantragen können. Der entsprechende Antrag wird einem Bericht erstattenden Mitgliedstaat vorgelegt, der eine erste Evaluierung vornimmt und einen vorläufigen Bewertungsbericht zur Erneuerung (Renewal Assessment Report – RAR) erstellt. Dieser wird dann von der EFSA, in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten, einem Peer-Review unterzogen.

Darüber hinaus leistet die EFSA wissenschaftliche Unterstützung bei der Bewertung von Anträgen, die „Grundstoffe“ betreffen. Bei Grundstoffen handelt es sich, allgemein gesprochen, um Wirkstoffe, die zwar nicht in erster Linie als Pflanzenschutzmittel verwendet werden, aber von Nutzen für den Pflanzenschutz sein können. Die Kriterien für ihre Genehmigung sind in der Rahmenverordnung festgelegt.

Schließlich nimmt die EFSA auch wissenschaftlich Stellung zu Bestätigungsdaten. Eine Genehmigung kann vorbehaltlich der Vorlage zusätzlicher bestätigender Informationen erteilt werden, wenn sich während der Bewertung neuer Datenbedarf ergibt oder neue wissenschaftliche bzw. technische Erkenntnisse vorliegen.

Das Ergebnis des Peer-Reviews und/oder sonstiger Konsultationsverfahren wird in den Schlussfolgerungen und technischen Berichten der EFSA präsentiert.

Rückstandshöchstgehalte

Höchstgehalte an Pestizidrückständen in Lebensmitteln

Pestizidrückstände, die sich aus der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln auf Kulturpflanzen zur Gewinnung von Lebens- oder Futtermitteln ergeben, können ein Risiko für die öffentliche Gesundheit darstellen. Darum existiert in der Europäischen Union ein umfassender Rechtsrahmen, der Regeln für die Genehmigung von in Pflanzenschutzmitteln verwendeten Wirkstoffen, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sowie Pestizidrückstände in Lebensmitteln vorgibt.

Bei Rückstandshöchstgehalten (Maximum Residue Levels – MRL) handelt es sich um Höchstkonzentrationen von Pestizidrückständen, die in oder auf Lebens- bzw. Futtermitteln rechtlich zulässig sind, ausgehend von guter landwirtschaftlicher Praxis und der niedrigsten Verbraucherexposition, die zum Schutz besonders schutzbedürftiger Verbraucher erforderlich ist. Sie werden nach einer eingehenden Bewertung der Eigenschaften des Wirkstoffs und der beabsichtigten Verwendung des Pestizids abgeleitet. Diese gesetzlichen Grenzwerte gelten auch für importierte Lebensmittel.

Bevor eine Rückstandshöchstmenge festgelegt oder geändert werden kann – etwa weil ein Antragsteller die Zulassung eines neuen Pflanzenschutzmittels beantragt – bewertet die EFSA das Rückstandsverhalten des Pestizids und mögliche Gesundheitsrisiken für Verbraucher infolge von Rückständen in Lebensmitteln. Sofern die EFSA bei der Risikobewertung keine unannehmbaren Risiken für Verbraucher ermittelt, werden EU-weit harmonisierte Rückstandshöchstgehalte festgelegt (Database of MRLs in the EU) und das Pflanzenschutzmittel kann zugelassen werden.

Neben der Bewertung neuer Rückstandshöchstgehalte prüft das Referat Petizide, in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten, auch die wissenschaftlichen Grundlagen geltender Rückstandshöchstgehalte und nimmt Bewertungen des Verbraucherrisikos vor, um sicherzustellen, dass sie den aktuellen Datenanforderungen entsprechen und die Sicherheit der Verbraucher gewährleisten. 

Die Ergebnisse der MRL-Bewertungen der EFSA werden in begründeten Stellungnahmen präsentiert.

Die chronische (langfristige) und akute (kurzzeitige) ernährungsbedingte Verbraucherexposition gegenüber Pestizidrückständen werden mittels eines von der EFSA entwickelten Berechnungsmodells (PRIMo – Pesticide Residue Intake Model) abgeschätzt. Das Modell beruht auf von den Mitgliedstaaten übermittelten nationalen Daten zum Lebensmittelverzehr sowie Gewichtsangaben pro Einheit und folgt international anerkannten Methoden der Risikobewertung.

Jahresbericht

Jahresbericht über Pestizidrückstände

Die Mitgliedstaaten sind zur Durchführung von Kontrollen verpflichtet, um sicherzustellen, dass in Verkehr gebrachte Lebensmittel keine Rückstände über den gesetzlichen Grenzwerten enthalten. Die europäischen Überwachungsprogramme stellen zusammengenommen eines der weltweit umfassendsten Programme zur Erhebung von Lebensmitteldaten dar, im Rahmen dessen mehr als 75.000 Lebensmittelproben auf über 600 verschiedene Pestizide hin analysiert werden.

Das Referat Pestizide ist für die Erstellung von Jahresberichten über die Kontrolltätigkeit der EU-Mitgliedstaaten sowie der beiden EWR-Länder Norwegen und Island zuständig. Diese Berichte fassen die Ergebnisse der Pestizid-Analysen von Lebensmitteln zusammen, geben Hinweise auf Problembereiche in Bezug auf die Einhaltung gesetzlicher Grenzwerte und enthalten Abschätzungen der Verbraucherexposition gegenüber Pestizidrückständen durch in Verkehr befindliche Lebensmittel. Darüber hinaus macht die EFSA Vorschläge im Hinblick darauf, wie künftige Kontrollprogramme noch effizienter gestaltet werden könnten.

FAQ

1. Was sind Pestizidrückstände?

Bei Pestizidrückständen handelt es sich um messbare Mengen an Wirkstoffen – chemischen Stoffen, die zum Schutz von Pflanzen vor Krankheiten und Schädlingen eingesetzt werden – sowie deren Metaboliten oder Abbauprodukten, die in Lebensmittelerzeugnissen pflanzlichen und tierischen Ursprungs nachgewiesen werden können.

2. Was ist der EFSA-Pestizidbericht?

Die Europäische Union verfügt über einen umfassenden rechtlichen Rahmen, der den Einsatz von Pestiziden regelt. Um einen hohen Verbraucherschutz zu gewährleisten, werden gesetzliche Grenzwerte – sogenannte Rückstandshöchstgehalte – für die in Lebensmitteln zulässigen Mengen an Pestizidrückständen festgelegt. Solche Rückstandshöchstgehalte wurden für mehr als 500 Pestizide in mehr als 370 Lebensmittelerzeugnissen bestimmt. Um sicherzustellen, dass in Verkehr gebrachte Lebensmittel die gesetzlichen Grenzwerte einhalten, nehmen die EU-Mitgliedstaaten Proben von verschiedenen Lebensmitteln und testen sie auf Pestizidrückstände. Diese Daten werden jedes Jahr von der EFSA analysiert und veröffentlicht, um einen EU-weiten Überblick über die Einhaltung der Grenzwerte sowie die Exposition der europäischen Verbraucher gegenüber Pestizidrückständen zu geben. Darüber hinaus spricht die EFSA Empfehlungen für künftige Überwachungsprogramme aus.

3. Was ist das Hauptergebnis des jüngsten Berichts?

Die jüngsten – 2017 erhobenen – Daten zeigen, dass 95,9% der Lebensmittelproben keine Pestizidrückstände enthalten oder lediglich Spuren aufweisen, die im Rahmen der gesetzlich zulässigen Werte liegen. Mit anderen Worten: bei 4,1% der Stichproben wurden die gesetzlichen Grenzwerte überschritten, was einen leichten Anstieg gegenüber 2016 (3,8%) bedeutet. Diese Zahl basiert auf 88.000 Proben aus den 28 EU-Mitgliedstaaten sowie Island und Norwegen.

4. Was bedeutet „frei von Pestizidrückständen“?

Dies heißt, dass bei der Analyse einer Probe keine messbaren Rückstände entdeckt wurden. Technisch ausgedrückt bedeutet es, dass keine Pestizid-Substanzen in Konzentrationen oberhalb der Bestimmungsgrenze (BG) nachgewiesen werden konnten. Die BG ist die kleinste Konzentration einer Substanz, die mit einem akzeptablen Maß an Präzision quantitativ bestimmbar ist. Für die Mehrzahl der Pestizide liegt die BG zwischen 0,01 und 0,05 mg/kg. Eine Konzentration von 0,01 mg/kg entspricht etwa fünf Teelöffeln Zucker, die in einem Schwimmbecken von olympischen Maßen verdünnt werden. 54,1% der 2017 untersuchten Proben waren frei von messbaren Pestizidrückständen.

5. Wie kommt also die Zahl von 95,9% zustande?

Zusätzlich zu den 54,1% der Proben, die rückstandsfrei waren, wurden 41,8% ermittelt, die Rückstände im Rahmen der gesetzlichen Grenzen enthielten. Insgesamt lagen also 95,9% der Proben innerhalb der gesetzlichen Grenzwerte.

6. Warum gibt es mehr Überschreitungen als 2016?

Dies ist höchstwahrscheinlich auf die hohe Zahl von Stichproben zu Durchsetzungszwecken im Jahr 2017 zurückzuführen (12,1% der Gesamtzahl gegenüber 4,9% im Jahr 2016). Die Probenahme zu Durchsetzungszwecken zielt auf Pestizide oder Lebensmittel aus Ländern ab, bei denen in der Vergangenheit Überschreitungen festgestellt wurden. Daher ist hier der Nachweis von Rückständen wahrscheinlicher als bei einer zufälligen Stichprobe (siehe Frage 9).

7. Wie sieht es mit Lebensmitteln aus, die Rückstände von mehr als einem Pestizid enthalten?

Wie in den Vorjahren wurden 2017 in etwas mehr als einem Viertel der Proben Mehrfachrückstände erfasst. Das Vorhandensein von Mehrfachrückständen stellt keine Nichteinhaltung der Gesetzesvorschriften in Bezug auf Rückstandshöchstgehalte dar, solange einzelne Pestizide die gesetzlichen Grenzwerte nicht überschreiten. Erzeugnisse mit Mehrfachrückständen sollten allerdings sorgfältig von den nationalen Behörden geprüft werden (zum Beispiel im Hinblick darauf, ob Kombinationen von Pestiziden bewusst eingesetzt werden, um Rückstandshöchstgehalte für einzelne Substanzen zu umgehen).

8. Gibt es bei den Proben Unterschiede zwischen Waren, die in der EU erzeugt wurden, und solchen von außerhalb der EU?

Die Mehrzahl der getesteten Proben (64,3%) stammte aus den EU-Mitgliedstaaten, Island und Norwegen; 28,8% betrafen aus Drittländern eingeführte Produkte. Gesetzliche Grenzwerte wurden in 2,6% der Proben für Produkte aus EU- und EWR-Ländern überschritten und in 7,6% der Proben aus Nicht-EU-Ländern. Sowohl in EU- als auch Nicht-EU-Proben wurden mehrere nicht von der EU zugelassene Pestizide gefunden. Da diese Ergebnisse auf einen möglichen Missbrauch nicht zugelassener Substanzen hindeuten, empfiehlt die EFSA den Mitgliedstaaten, den Ursachen auf den Grund zu gehen und gegebenenfalls Abhilfemaßnahmen zu ergreifen.

9. Wer entscheidet, welche Lebensmittel und Substanzen analysiert werden?

Der Bericht enthält Datensätze aus zwei Programmen:

  • Ein von der EU koordiniertes Programm, im Rahmen dessen die Europäische Kommission Bericht erstattende Länder verpflichtet, eine gemeinsame Liste von Lebensmitteln und Pestiziden zu analysieren. Hierbei werden verschiedene Gruppen von Lebensmitteln in einem Drei-Jahres-Zyklus analysiert. Die Probenahme erfolgt nach dem Zufallsprinzip, um statistisch repräsentative Ergebnisse im Hinblick auf die von den europäischen Bürgern konsumierten Lebensmittel zu erhalten.
  • Nationale Kontrollprogramme, deren Rahmen von den einzelnen Mitgliedstaaten festgelegt wird. Die Programme sind „risikobasiert“, d.h. ihr Schwerpunkt liegt auf Lebensmitteln, in denen Rückstandskonzentrationen zu erwarten sind, welche die gesetzlichen Grenzwerte überschreiten. Dies ist die in Frage 6 erwähnte Probenahme zu Durchsetzungszwecken.

Die Zahl von 95,9% ergibt sich aus den kombinierten Ergebnissen der Berichte beider Programme. Betrachtet man ausschließlich die Ergebnisse des von der EU koordinierten Programms für 2017, das 11.158 Proben von 12 Lebensmitteln abdeckte, zeigt sich, dass 98,4% der Proben innerhalb der gesetzlichen Grenzwerte lagen.

10. Weisen die Daten darauf hin, dass Risiken für die europäischen Verbraucher bestehen?

akuten (kurzfristigen) als auch des chronischen (langfristigen) ernährungbedingten Risikos, indem sie die Daten aus dem EU-koordinierten Programm mit von den Mitgliedstaaten bereitgestellten Informationen zum Lebensmittelverzehr kombiniert. Ausgehend von den Daten für 2017 gelangte die EFSA zu dem Schluss, dass nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen die akute und die chronische ernährungsbedingte Exposition gegenüber Pestizidrückständen wahrscheinlich keine Bedenken für die Gesundheit der Verbraucher aufwerfen.

Die EFSA arbeitet derzeit an der Finalisierung einer Methodik, die Risikobewertungen ermöglichen soll, bei denen die ernährungsbedingte Exposition gegenüber mehreren Rückständen berücksichtigt wird. Die EFSA wird im September zwei Pilotstudien zur kumulativen Risikobewertung veröffentlichen.