Nährstoffaufnahme-Referenzwerte und Ernährungsleitlinien

Als ausgewogen gilt eine Ernährung, die durch eine bedarfsgerechte Zufuhr von Energie und Nährstoffen für Gesundheit und Wohlbefinden sorgt. Unter Nährstoffaufnahme-Referenzwerten (Dietary Reference Values – DRV) versteht man sämtliche Nährstoffempfehlungen und Referenzwerte für die Aufnahme von Nährstoffen wie etwa Referenzaufnahmemengen für die Bevölkerung, den durchschnittlichen Nährstoffbedarf, die angemessene Aufnahmemenge und den unteren Aufnahmegrenzwert. Die Nährstoffaufnahme-Referenzwerte können beispielsweise als Grundlage für Referenzwerte bei der Lebensmittelkennzeichnung und zur Erstellung von lebensmittelorientierten Ernährungsleitlinien (Food-Based Dietary Guidelines – FBDG) verwendet werden. Mithilfe derartiger Ernährungsleitlinien werden die empfohlenen Nährstoffaufnahmemengen in praktische Empfehlungen für die Ernährung und den Verzehr bestimmter Lebensmittel umgesetzt, die Verbrauchern wertvolle Orientierungshilfe geben und ihnen helfen, sich gesund zu ernähren.

EU-Rahmen

Die wissenschaftliche Beratung zur Nährstoffaufnahme bildet die Grundlage für Gemeinschaftsmaßnahmen im Bereich der Ernährung. So haben politische Entscheidungsträger diese Beratung zum Beispiel bei Beschlüssen zur Lebensmittelkennzeichnung genutzt. Auf EU-Ebene enthielt das im Jahr 1993 vom früheren Wissenschaftlichen Ausschuss für Lebensmittel (SCF) erstellte Gutachten über die Nährstoff- und Energieaufnahme in der Europäischen Gemeinschaft Referenzwerte für die Aufnahme von Energie und bestimmten Nährstoffen. Nunmehr ist eine Überprüfung und Aktualisierung dieses Gutachtens erforderlich geworden, um sicherzustellen, dass sich die Gemeinschaftsmaßnahmen im Ernährungsbereich auf die neuesten verfügbaren Erkenntnisse stützen.

In diesem Bereich sind auch andere Quellen wissenschaftlicher Beratung verfügbar. So haben wissenschaftliche Beratungsgremien in den Mitgliedstaaten Empfehlungen zur Nährstoffaufnahme ausgesprochen, und auch internationale Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation haben empfohlene Aufnahmewerte für bestimmte Nährstoffe und Nahrungsbestandteile veröffentlicht. Zusammengenommen lassen diese Berichte zwar ein wachsendes Maß an Übereinstimmung erkennen, doch in einigen Fragen bestehen auch Abweichungen.

Aufgabe der EFSA und daraus resultierende Aktivitäten

Die EFSA leistet umfassende wissenschaftliche Beratung auf dem neuesten Stand der Erkenntnisse, um die politischen Entscheidungsträger der EU bei ihrer Tätigkeit auf dem Gebiet der Ernährung zu unterstützen. Die Beratung der EFSA zur Nährstoffaufnahme dient als wichtige Erkenntnisgrundlage für die Gestaltung der Ernährungspolitik, die Festlegung von ernährungsbezogenen öffentlichen Gesundheitszielen und die Entwicklung von Informations- und Aufklärungsprogrammen zur gesunden Ernährung für die Verbraucher.

Theoretisch

Die EFSA identifiziert und analysiert wissenschaftliche Studien sowie Berichte nationaler und internationaler Behörden auf mögliche gesundheitliche Wirkungen eines bestimmten Nährstoffs.

 
Praktisch

Gesundheitliche Wirkungen von Ballaststoffen werden durch Auswertung wissenschaftlicher Studien ermittelt.

     
Die EFSA bewertet Belege zu Zusammenhängen zwischen der Aufnahme eines Nährstoffs und bestimmten gesundheitlichen Ergebnissen.   Die Belege für den Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Ballaststoffen und der Darmfunktion oder ernährungsbedingten Krankheiten werden bewertet.
     
Wenn Zusammenhänge zwischen Nährstoffen und Gesundheit nachgewiesen werden, leistet die EFSA wissenschaftliche Beratung, die von politischen Entscheidungsträgern genutzt werden kann.   Eine tägliche Aufnahme von 25 g Ballaststoffen wird als Nährstoffaufnahme-Referenzwert festgesetzt, weil sie für eine normale Darmfunktion bei Erwachsenen ausreicht, während ein Verzehr von mehr als 25 g Ballaststoffen täglich das Risiko für koronare Herzkrankheit und Typ-2-Diabetes senken und dazu beitragen kann, das Gewicht zu halten.

Wie wird diese Beratung genutzt?

Politische Entscheidungsträger wie etwa Behörden der Mitgliedstaaten können die wissenschaftliche Beratung (unter Berücksichtigung des Lebensmittelverzehrs, der Nährstoffaufnahme und des Gesundheitszustandes der Bevölkerung) bei ihren Empfehlungen für die Nährstoffaufnahme (z. B. durch Festsetzung einer empfohlenen täglichen Aufnahme von 25 g Ballaststoffen für Erwachsene) oder bei der Erstellung lebensmittelorientierter Ernährungsleitlinien (z. B. durch Empfehlung eines regelmäßigen Verzehrs von Obst, Gemüse und Vollkorngetreide) nutzen.

Arbeit der EFSA im Bereich der Nährstoffaufnahme-Referenzwerte

Die EFSA wurde von der Europäischen Kommission ersucht, die im Jahr 1993 vom Wissenschaftlichen Ausschuss für Lebensmittel (SCF) empfohlenen Referenzwerte für die Nährstoff- und Energieaufnahme zu überprüfen und auf den neuesten Stand zu bringen. Dabei berücksichtigt die EFSA neue wissenschaftliche Erkenntnisse und die jüngsten Empfehlungen nationaler und internationaler Fachgremien. Außerdem beauftragte die Kommission die EFSA, die zuständigen Behörden in den Mitgliedstaaten dabei zu unterstützen, die Empfehlungen für die Nährstoffaufnahme in praktische lebensmittelorientierte Ernährungsleitlinien umzusetzen.

Um eine allgemein einheitliche Vorgehensweise zu gewährleisten, veröffentlichte das EFSA-Gremium für diätetische Produkte, Ernährung und Allergien (NDA) im März 2010 ein Gutachten zu den allgemeinen Grundsätzen für die Festlegung von Nährstoffaufnahme-Referenzwerten. Das Gremium empfahl außerdem Referenzwerte für die Aufnahme von Kohlenhydraten, Ballaststoffen, Fetten und Wasser.

Darüber hinaus veröffentlichte das Gremium ein weiteres Gutachten zu lebensmittelorientierten Ernährungsleitlinien, das politische Entscheidungsträger dabei unterstützt, die Referenzwerte für die Nährstoffaufnahme in praktische Empfehlungen für den Verzehr bestimmter Lebensmittel umzusetzen.

Alle Gutachtenentwürfe zu Nährstoffaufnahme-Referenzwerten, einschließlich der im März 2010 veröffentlichten Gutachten, durchlaufen vor ihrer Fertigstellung eine öffentliche Konsultation mit den Mitgliedstaaten, der wissenschaftlichen Fachwelt und anderen Interessengruppen. Dies stellt sicher, dass die EFSA bei der Erstellung ihrer Gutachten eine möglichst breit gefächerte Meinungsvielfalt berücksichtigt und die Entscheidungsträger der EU in deutlich verständlicher Form, umfassend und nach dem neuesten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse berät.

Daneben hat die EFSA auch wissenschaftliche Gutachten zur Festlegung von tolerierbaren Aufnahmehöchstmengen (UL-Werten) für Vitamine und Mineralstoffe erstellt. Diese Nährstoffaufnahme-Referenzwerte sind die höchste tägliche Aufnahmemenge eines Nährstoffs, bei der wahrscheinlich kein Risiko für gesundheitsschädliche Wirkungen besteht. Die von der EFSA festgelegten oberen Aufnahmegrenzwerte unterstützen die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten bei der Festsetzung von Höchstmengen von Nährstoffen, die in angereicherten Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln zulässig sind.

Übersicht über die öffentlichen Konsultationen zu Nährstoffaufnahme-Referenzwerten:

Gutachten Stand der öffentlichen Konsultation
Allgemeine Grundsätze zur Festlegung von Nährstoffaufnahme-Referenzwerten Abgeschlossen.
Gutachten veröffentlicht im März 2010.
Leitliniendokument zu lebensmittelorientierten Ernährungsleitlinien Abgeschlossen.
Gutachten veröffentlicht im März 2010.
Referenzwerte für die Aufnahme von Energie, Makronährstoffen und Wasser  
Nährstoffaufnahme-Referenzwerte für Wasser Abgeschlossen.
Gutachten veröffentlicht im März 2010.
Nährstoffaufnahme-Referenzwerte für Kohlenhydrate und Ballaststoffe Abgeschlossen.
Gutachten veröffentlicht im März 2010.
Nährstoffaufnahme-Referenzwerte für Fette Abgeschlossen.
Gutachten veröffentlicht im März 2010.
Nährstoffaufnahme-Referenzwerte für Proteine Abgeschlossen.
Gutachten veröffentlicht im Februar 2012.
Nährstoffaufnahme-Referenzwerte für Energie Abgeschlossen.
Gutachten veröffentlicht im Januar 2013.
Referenzwerte für die Aufnahme von Mikronährstoffen  
Nährstoffaufnahme-Referenzwerte für Fluorid Abgeschlossen.
Gutachten veröffentlicht im August 2013.
Nährstoffaufnahme-Referenzwerte für Molybdän Abgeschlossen.
Gutachten veröffentlicht im August 2013.
Nährstoffaufnahme-Referenzwerte für Vitamin C Abgeschlossen.
Gutachten veröffentlicht im November 2013.
Nährstoffaufnahme-Referenzwerte für Mangan Abgeschlossen.
Gutachten veröffentlicht im November 2013.
Nährstoffaufnahme-Referenzwerte für Biotin Abgeschlossen.
Gutachten veröffentlicht im Februar 2014.
Nährstoffaufnahme-Referenzwerte für Pantothensäure Abgeschlossen.
Gutachten veröffentlicht im Februar 2014.
Nährstoffaufnahme-Referenzwerte für Jod Abgeschlossen.
Gutachten veröffentlicht im Mai 2014.
Nährstoffaufnahme-Referenzwerte für Niacin Abgeschlossen.
Gutachten veröffentlicht im Juli 2014.
Nährstoffaufnahme-Referenzwerte für Chrom Abgeschlossen.
Gutachten veröffentlicht im Oktober 2014.
Nährstoffaufnahme-Referenzwerte für Selen Abgeschlossen.
Gutachten veröffentlicht im Oktober 2014.
Nährstoffaufnahme-Referenzwerte für Zink Abgeschlossen.
Gutachten veröffentlicht im Oktober 2014.
Nährstoffaufnahme-Referenzwerte für Folat Abgeschlossen.
Gutachten veröffentlicht im November 2014.
Nährstoffaufnahme-Referenzwerte für Vitamin A Abgeschlossen.
Gutachten veröffentlicht im März 2015.
Nährstoffaufnahme-Referenzwerte für Calcium Abgeschlossen.
Gutachten veröffentlicht im Mai 2015.
Nährstoffaufnahme-Referenzwerte für Vitamin E (als α-Tocopherol) Abgeschlossen.
Gutachten veröffentlicht im Juli 2015.
Nährstoffaufnahme-Referenzwerte für Vitamin B12 (Cobalamin) Abgeschlossen.
Gutachten veröffentlicht im Juli 2015.
Nährstoffaufnahme-Referenzwerte für Phosphor Abgeschlossen.
Gutachten veröffentlicht im Juli 2015.
Nährstoffaufnahme-Referenzwerte für Magnesium Abgeschlossen.
Gutachten veröffentlicht im Juli 2015.
Nährstoffaufnahme-Referenzwerte für Eisen Abgeschlossen.
Gutachten veröffentlicht im Oktober 2015.
Nährstoffaufnahme-Referenzwerte für Kupfer Abgeschlossen.
Gutachten veröffentlicht im Oktober 2015.

What were EFSA’s conclusions on the link between the consumption of sugars and weight gain?

EFSA’s Panel on Dietetic Products, Nutrition, and Allergies (NDA) could not establish a correlation between high intake of sugars from solid foods (mainly added sugars) and weight gain.

However, the Panel did find some evidence that high intake of sugars in the form of sugar-sweetened beverages, such as carbonated soft drinks, might contribute to weight gain. The evidence was considered insufficient to set an upper limit for intake of (added) sugars, but the Panel advised in its opinion that public health bodies in Europe may wish to take this into account when they formulate guidelines for healthy diets and when they give advice to consumers (for example, in relation to the consumption of sugar-sweetened soft drinks).

What were EFSA’s conclusions on the link between the consumption of sugars and tooth decay?

Increased risk of dental caries in children is associated with a frequent (more than about four times daily) intake of cariogenic sugars (mainly sucrose, glucose and fructose) rather than with the total amount of dietary sugars. The evidence indicates that frequent consumption of sweets and confectionery products and sugar-containing drinks is associated with a higher risk of caries.

The available data did not allow an upper limit for sugars to be set on the basis of a risk reduction for dental caries. This is because caries development through the consumption of sucrose and other cariogenic carbohydrates does not depend only on the amount of sugars consumed, but also on the frequency of consumption, and it is influenced by oral hygiene, exposure to fluoride, and other factors. However, EFSA’s NDA Panel advised that the evidence on the relationship between frequency of consumption of sugar-containing foods and dental caries should be considered by the national authorities when developing food-based dietary guidelines and other dietary advice to consumers.

Does EFSA have a role in setting public health goals related to diet?

EFSA is a risk assessment body, which is responsible for providing scientific advice to European Union risk managers upon their request (i.e. the European Commission, European Member States and the European Parliament). EFSA is not responsible for food policy matters or public health policy. More specifically, it is not EFSA’s task to make recommendations to consumers.

GENERAL
Science in support of public health
SPECIFIC
EFSA advises on sugars and health
EFSA identifies and reviews scientific studies, including reports of national and international authorities, for possible health effects of a specific nutrient. Health effects of sugars are identified by reviewing scientific studies.

EFSA evaluates evidence for relationships between the intake of a nutrient and defined health outcomes.

The evidence for the relationship between intake of sugars and risk of dental caries and weight gain is evaluated.

Where nutrient-health relationships are established, EFSA provides scientific advice which may be used by policy makers.

Frequent consumption of sugar-containing foods can increase the risk of dental caries.

The scientific evidence is inconsistent to establish a correlation between high intake of sugars from solid foods (mainly added sugars) and weight gain.

There is however some evidence that high intake of sugars in the form of sugar-sweetened beverages might contribute to weight gain.

If EFSA cannot establish public health goals what is the scope of its scientific advice?

Policy makers, such as Member States authorities, may use EFSA’s scientific advice (also taking into account food and nutrient intakes and health status of their population) when making nutrient intake recommendations (e.g. setting a recommended daily intake of dietary fibre), and when establishing food-based dietary guidelines and related consumer information and education on healthy diets at national level (e.g. recommending regular consumption of fruits, vegetables and whole-grain cereals).