EFSA startet öffentliche Konsultation über Genotoxizitätstests

Webnachricht
20 April 2011

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat eine öffentliche Konsultation zu einem Gutachtenentwurf ihres Wissenschaftlichen Ausschusses über Strategien zur Durchführung von Genotoxizitätstests[1] mit Stoffen, die in Lebens- und Futtermitteln verwendet werden, gestartet. Das Gutachten soll die Identifizierung von Stoffen unterstützen, die das Erbgut (die DNA) von Zellen schädigen und zur Entstehung von chronischen Krankheiten wie Krebs sowie von Erbkrankheiten[2] beitragen können. Alle Interessengruppen und interessierten Kreise sind aufgerufen, ihre Anmerkungen zu dem Entwurf im Rahmen einer Online-Konsultation bis zum 31. Mai 2011 abzugeben.

Dieses Gutachten, das auf Initiative des Wissenschaftlichen Ausschusses der EFSA erarbeitet wurde, ist Ausdruck des anhaltenden Bestrebens der Behörde, zu gewährleisten, dass ihre Risikobewertungen stets dem neuesten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse entsprechen. Es wird in die Risikobewertung von Stoffen, die in der Lebens- und Futtermittelkette verwendet werden, einfließen und zur weiteren Harmonisierung der Herangehensweise der Wissenschaftlichen Gremien der EFSA in Bezug auf Genotoxizitätstests beitragen[3].

In dem Gutachten werten die Sachverständigen der EFSA die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über Genotoxizitätstests auf europäischer und internationaler Ebene aus. Dabei wird ein breites Spektrum von Aspekten berücksichtigt, wie zum Beispiel aktuelle Erfahrungen mit der Kombination von Tests mit unterschiedlicher Sensitivität und Prädiktivität, international anerkannte Leitlinien bzw. Protokolle für Tests sowie Richtlinien für die Abwägung der Verwendung von In-vivo-Tests unter Berücksichtigung der Notwendigkeit, unnötige Tierversuche zu vermeiden.

Dem Gutachten zufolge müssen für eine adäquate Beurteilung des genotoxischen Potenzials eines Stoffes Genmutationen sowie strukturelle und numerische Chromosomenveränderungen untersucht werden, da erwiesen ist, dass alle diese Aspekte mit der Karzinogenese (der Krebsentstehung) sowie der Entwicklung von Erbkrankheiten im Zusammenhang stehen. Entsprechend der Empfehlung des Gutachtens ist eine adäquate Berücksichtigung aller dieser Aspekte durch die Verwendung von zunächst zwei In-vitro-Tests und, falls nötig, einem anschließenden In-vivo-Test möglich. Der Gutachtenentwurf enthält Einzelheiten zu den vom Wissenschaftlichen Ausschuss der EFSA empfohlenen Tests.

Bei der Fertigstellung des endgültigen Gutachtens wird der Wissenschaftliche Ausschuss sämtliche Anmerkungen, die während der öffentlichen Konsultation eingehen, berücksichtigen. Ein zusammenfassender Bericht wird auf der Website der EFSA gemeinsam mit dem voraussichtlich im Herbst fertiggestellten endgültigen Gutachten veröffentlicht.


Hinweise für die Redaktion:

Genotoxizitätstests sind ein wichtiger Bestandteil der Risikobewertung von Chemikalien im Allgemeinen, einschließlich chemischer Stoffe, die in Lebens- und Futtermitteln verwendet werden. Bei der Entwicklung seines Ansatzes hat der Wissenschaftliche Ausschuss andere nationale und internationale Initiativen in diesem Bereich berücksichtigt (wie zum Beispiel die der WHO sowie den für REACH – die Verordnung der Europäischen Union über Chemikalien und deren sichere Verwendung – ausgearbeiteten Leitfaden).

Der Wissenschaftliche Ausschuss der EFSA unterstützt die Arbeit der EFSA-Gremien in wissenschaftlichen Fragen bereichsübergreifender Art und ist für die allgemeine Koordination verantwortlich, um die Konsistenz der von den Gremien erstellten Gutachten sicherzustellen. Der Wissenschaftliche Ausschuss konzentriert sich auf die Entwicklung harmonisierter Risikobewertungsmethoden in Bereichen, in denen noch keine EU-weit gültigen Verfahren festgelegt wurden.

Für Medienanfragen wenden Sie sich bitte an:
Medienstelle der EFSA
Tel. +39 0521 036 149
E-Mail: Press@efsa.europa.eu


[1] Genotoxizität ist die Fähigkeit eines Stoffes, das Erbgut (die DNA) von Zellen zu verändern, was sich nachteilig auf die menschliche Gesundheit auwirken kann.
[2] Erbkrankheiten werden durch Schädigungen der DNA in den Keimzellen der Eltern verursacht, die an die Nachkommen weitergegeben werden.
[3] Wissenschaftliche Gremien und Referate