Trans-Fettsäuren: EFSA-Gremium überprüft Aufnahme über die Nahrung und gesundheitliche Auswirkungen

Das Wissenschaftliche Gremium für diätetische Produkte, Ernährung und Allergien (NDA) der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit hat heute ein Gutachten über Trans-Fettsäuren (TFAs) in Lebensmitteln und die Auswirkung des Verzehrs von Trans-Fettsäuren auf die menschliche Gesundheit veröffentlicht. Trans-Fettsäuren erhöhen, genauso wie gesättigte Fettsäuren, den LDL-Cholesterinspiegel (des “schlechten” Cholesterins) im Blut und damit auch das Risiko einer koronaren Herzkrankheit (KHK). Das Gremium kam zu dem Ergebnis, dass sich Trans-Fettsäuren bei gleichem Gehalt in der Nahrung möglicherweise stärker auf die Herzgesundheit auswirken als gesättigte Fettsäuren. Die derzeitige Aufnahme von Trans-Fettsäuren über die Nahrung ist jedoch im Allgemeinen um mehr als das 10fache geringer als die von gesättigten Fettsäuren, deren Aufnahme in vielen europäischen Ländern über den Ernährungsempfehlungen liegt. Das NDA-Gremium bewertete auch andere Auswirkungen auf die Gesundheit und kam zu dem Ergebnis, dass die wissenschaftlichen Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen der TFA-Aufnahme und Krebs, Typ-2-Diabetes oder Allergien nicht überzeugend bzw. widersprüchlich sind. Abschließend stellte das Gremium fest, dass keine Analysenmethoden zur Verfügung stehen, um zwischen TFA aus natürlichen Quellen und solchen, die bei der Lebensmittelverarbeitung entstehen, zu unterscheiden.

Bei der Risikobewertung von Trans-Fettsäuren prüfte das NDA-Gremium der EFSA sowohl Daten zu natürlich in Lebensmitteln vorkommenden TFAs, wie beispielsweise in bestimmten tierischen Fetten (z.B. Milch-, Rinder-, Lamm- und Hammelfett), als auch solche, die durch Herstellungsverfahren entstehen, wie etwa durch das Härten von Ölen (z.B. bei bestimmten Margarinen und Streichfetten).

Das Gremium stellte fest, dass die Aufnahme von Trans-Fettsäuren von Land zu Land schwankt, wobei die niedrigsten Aufnahmemengen in den Mittelmeerländern zu beobachten sind. Der Anteil der TFA an der täglichen Energiezufuhr beträgt (basierend auf Schätzungen für die Jahre 1995/96) etwa 0,5-2,0%, während der Anteil der gesättigten Fettsäuren im Bereich von 10,5-18% liegt. Jüngste Ernährungserhebungen zeigen, dass die TFA-Aufnahme in einer Reihe von EU-Ländern abgenommen hat, was in erster Linie darauf zurückzuführen ist, dass Lebensmittelerzeugnisse (z.B. Streichfette) umrezeptiert wurden, um den TFA-Gehalt zu verringern.

Erkenntnisse aus zahlreichen Studien am Menschen deuten darauf hin, dass – ebenso wie bei gesättigten Fettsäuren – eine erhöhte TFA-Aufnahme über die Nahrung (im Vergleich zu einfach oder mehrfach ungesättigten cis-Fettsäuren) der Blutspiegel von LDL-Cholesterin (Low-Density-Lipoprotein, das als ‘schlechtes’ Cholesterin gilt) erhöht, und damit auch das Risiko einer koronaren Herzkrankheit (KHK). Der Anstieg von LDL-Cholesterin ist proportional zur aufgenommenen Menge an TFA. Diese Studien zeigen auch, dass TFA bei gleichem Gehalt in der Nahrung das Risiko für eine koronare Herzkrankheit stärker erhöhen können als gesättigte Fettsäuren. Dies ist darauf zurückzuführen, dass TFA – im Gegensatz zu gesättigten Fettsäuren – auch den Blutspiegel von HDL-Cholesterin (High-Density-Lipoprotein, das als ‘gutes’ Cholesterin gilt) senken und den der Triglyceride steigern. Die durchschnittlichen Aufnahmemengen von TFA in den europäischen Ländern sind jedoch generell um mehr als das 10fache niedriger als die gesättigter Fettsäuren.

Diese Ergebnisse kommentierte Professor Albert Flynn, Vorsitzender des NDA-Gremiums der EFSA, mit den Worten: “Die Erkenntnisse aus Interventionsstudien am Menschen, untermauert durch die Ergebnisse von epidemiologischen Studien, sprechen dafür, dass sich Trans-Fettsäuren möglicherweise stärker auf die Herzgesundheit auswirken als gesättigte Fettsäuren. Angesichts der aktuellen Aufnahmemengen von TFA ist jedoch ihr Potenzial für eine wesentliche Erhöhung des kardiovaskulären Risikos weitaus geringer als das der gesättigten Fettsäuren, deren Verzehr gegenwärtig in vielen europäischen Ländern über den Ernährungsempfehlungen liegt.”

In Bezug auf andere gesundheitliche Auswirkungen ergaben Studien an Menschen keine einheitlichen Beweise für eine Wirkung der TFA auf den Blutdruck bzw. auf andere Faktoren, die mit einem KHK-Risiko verbunden sind (z.B. die Thrombozytenaggregation), oder auf die mit Diabetes verbundene Insulinempfindlichkeit. Die epidemiologischen Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen der TFA-Aufnahme und Krebs, Typ-2-Diabetes oder Allergien sind wenig überzeugend bzw. widersprüchlich. Es konnte kein Kausalzusammenhang für die vermuteten unerwünschten Wirkungen von TFA auf die fötale Entwicklung und die Säuglingsentwicklung festgestellt werden.

In den meisten Interventionsstudien wurden einfach ungesättigte TFA aus gehärteten Pflanzenölen untersucht. Es kann nicht festgestellt werden, ob sich die gesundheitlichen Auswirkungen von TFAs je nach Ursprung (d. h. TFAs aus dem Fett von Wiederkäuern von TFAs in gehärteten Pflanzenölen) unterscheidet. Außerdem gibt es keine Analysenmethode, die auf ein breites Spektrum von Lebensmitteln anzuwenden ist und die zwischen den von Natur aus in Lebensmitteln vorkommenden TFAs (z.B. in Milch- und Rinderfett) und den bei der Verarbeitung von gehärteten Ölen entstehenden TFAs unterscheiden kann.

Notes to editors

Die vom NDA-Gremium der EFSA durchgeführte Risikobewertung geht zurück auf eine Anfrage der Europäischen Kommission. Im März 2003 erließen die dänischen Behörden Rechtsvorschriften, die Grenzwerte für Trans-Fettsäuren in Ölen festlegten, sowie in verarbeiteten Lebensmitteln, die Fette und Öle als Zutaten enthalten. Ausgenommen waren Trans-Fettsäuren, die natürlich in tierischem Fett vorkommend. Den dänischen Behörden zufolge war diese Maßnahme aus Gründen des öffentlichen Gesundheitsschutzes gerechtfertigt, um das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf ein Mindestmaß zu senken. Da die Mitgliedstaaten unterschiedlicher Ansicht waren, beschloss die Europäische Kommission, die EFSA um ein wissenschaftliches Gutachten über Trans-Fettsäuren in der Ernährung und ihre Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit zu bitten.

Fettsäuren lassen sich nach der Anzahl ihrer Doppelbindungen einteilen. Gesättigte Fettsäuren haben keine Doppelbindungen, während einfach ungesättigte Fettsäuren eine Doppelbindung und mehrfach ungesättigte Fettsäuren zwei oder mehr Doppelbindungen aufweisen. Trans-Fettsäuren sind ungesättigte Fettsäuren mit mindestens einer Doppelbindung in der trans-Konfiguration. Auch wenn die meisten ungesättigten Fettsäuren in Lebensmitteln eine cis-Struktur haben, kommt in Lebensmitteln auch die trans-Konfiguration vor.

Trans-Fettsäuren werden vor allem dann gebildet, wenn flüssige Öle zu festen Fetten wie Backfett und Hartmargarine verarbeitet werden. Die Härtung (Hydrierung), d.h. die Anlagerung von Wasserstoff an pflanzliches Öl, erhöht die Haltbarkeit und die Geschmacksstabilität von Lebensmitteln, die diese Fette enthalten. Trans-Fettsäuren werden auch beim Erhitzen und Braten von Ölen bei hohen Temperaturen gebildet. TFA kommen aber auch natürlich vor, überwiegend in tierischen Lebensmitteln (z.B. in Milch- und Rinderfett) durch bakterielle Transformation von ungesättigten Fettsäuren im Pansen (erster Magen) von Wiederkäuern.

Milch- und Rinderfett enthalten üblicherweise etwa 3-6% TFAs (% der Gesamt-Fettsäuren), während der Gehalt in Lamm- und Hammelfett auch etwas höher sein kann. Die TFA-Gehalte in den meisten Speisefetten liegen unter 1-2%. Pflanzenöle und Flüssigmargarinen haben einen niedrigen Anteil an TFAs, normalerweise unter 1%. Der TFA-Gehalt von Backwaren (Zwieback, Cracker, Kekse usw.) sowie einigen Frühstücksflocken mit Fettzusatz, Pommes frites, Trockensuppen und einigen Süßwaren und Snacks kann, je nach Art des verwendeten Fettes, erheblich schwanken (von unter 1% bis zu 30%).

In der EU liegen die mittleren täglichen TFA-Aufnahmemengen in 14 verschiedenen Ländern nach Schätzungen im Bereich von 0,5-2,1% der Gesamtenergiezufuhr bei Männer bzw. 0,8-1,9% bei Frauen (Transfair-Studie, 1995-96). In den Mittelmeerländern war die TFA-Aufnahme am niedrigsten. Die mittleren Aufnahmemengen von gesättigten Fettsäuren lagen im Bereich von 10,5 bis 18% der Gesamtenergiezufuhr, wobei die niedrigsten Aufnahmemengen in Südeuropa zu verzeichnen waren. Nach Empfehlungen der Gesundheitsbehörden sollte der Anteil der gesättigten Fettsäuren an der Gesamtenergieaufnahme maximal 10% betragen, um das Risiko von koronaren Herzkrankheiten zu senken.

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