EFSA bewertet Sicherheit von Lebensmittelbestrahlung

Sachverständige der EFSA haben die wissenschaftlichen Empfehlungen zur Sicherheit der Bestrahlung von Lebensmitteln – einem Verfahren zur Zerstörung von Bakterien, die Lebensmittelvergiftungen verursachen – aktualisiert. Im Rahmen ihrer umfassenden Beratung für politische Entscheidungsträger der EU befasste sich das BIOHAZ-Gremium[1] der EFSA mit der Wirksamkeit und mikrobiologischen Sicherheit des Verfahrens, während das CEF-Gremium[2] der EFSA mögliche Risiken untersuchte, die sich aus der Entstehung verschiedener chemischer Stoffe infolge der Lebensmittelbestrahlung ergeben können.

Die Sachverständigen der EFSA kommen zu dem Schluss, dass mit der Lebensmittelbestrahlung keine mikrobiologischen Risiken für Verbraucher verbunden sind. Die Praxis der Bestrahlung sollte jedoch trotz ihrer Wirksamkeit als lediglich eines von mehreren Verfahren zur Reduzierung von Pathogenen in Lebensmitteln angesehen werden. Den wissenschaftlichen Experten zufolge sollte die Bestrahlung Teil eines integrierten Programms für Lebensmittelsicherheits-Management zum Schutz der Verbraucher sein, das auch gute landwirtschaftliche, Herstellungs- und Hygiene-Praktiken umfasst.

Die Sachverständigen führen aus, dass die Mehrzahl der Stoffe, die sich bei der Bestrahlung in Lebensmitteln bilden, auch während anderer bei der Lebensmittelverarbeitung eingesetzter Verfahren entstehen, und zwar in vergleichbaren Konzentrationen wie etwa durch die Hitzebehandlung von Lebensmitteln.

Die Sachverständigen stellen ferner fest, dass gegenwärtig nur eine sehr begrenzte Menge der in Europa konsumierten Lebensmittel bestrahlt wird. Die einzigen neueren Hinweise auf mögliche Gesundheitsbeeinträchtigungen infolge von Lebensmittelbestrahlung betreffen einige jüngere Studien über neurologische Störungen bei Katzen, die ausschließlich mit Tierfutter gefüttert wurden, das in extrem hohen Dosen bestrahlt worden war. Diese Auswirkungen wurden ausschließlich bei Katzen festgestellt. In den betreffenden Studien wird jedoch weder auf die Ursachen noch die Mechanismen eingegangen, die die Entwicklung der beobachteten neurologischen Störungen erklären könnten. Um die mögliche Relevanz dieser Studien für die menschliche Gesundheit bewerten zu können, wären weitere Untersuchungen erforderlich.

Die Gremien empfehlen, dass Entscheidungen über Lebensmittel, die bestrahlt werden dürfen, sowie über die zu verwendenden Dosen[3] nicht wie bisher nur auf Grundlage vorgegebener Lebensmittelkategorien getroffen werden sollten, sondern auch abhängig von Faktoren wie: den betroffenen Bakterien, dem Grad der erforderlichen Bakterienreduktion, ob es sich um frische, tiefgekühlte oder getrocknete Lebensmittel handelt sowie dem Fett- bzw. Eiweißgehalt der Lebensmittel. Darüber hinaus, so die Sachverständigen, solle bei diesen Entscheidungen auch die Vielfalt von Lebensmittelerzeugnissen berücksichtigt werden, die dem Verbraucher heutzutage zur Verfügung stehe, wie zum Beispiel Fertigmahlzeiten.

Was ist Lebensmittelbestrahlung?
Bei der Bestrahlung von Lebensmitteln handelt es sich um ein Verfahren, das zur Abtötung von Bakterien, die Lebensmittelvergiftungen wie Salmonellen- oder Campylobacter-Infektionen verursachen, eingesetzt werden kann. Es kann auch das Reifen von Obst hinauszögern und dazu beitragen, Gemüse wie Kartoffeln und Zwiebeln am Keimen zu hindern. In der EU müssen alle Lebensmittel oder Lebensmittelzutaten, die bestrahlt wurden, als „bestrahlt“ oder „mit ionisierenden Strahlen behandelt“ gekennzeichnet sein, um den Verbrauchern eine fundierte Ernährungsentscheidung zu ermöglichen.


Bestrahlte Lebensmittel sollten nicht mit Lebensmitteln verwechselt werden, die infolge nuklearer Zwischenfälle möglicherweise radioaktiv belastet wurden. Die Bestrahlung von Lebensmitteln macht sie nicht radioaktiv.

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[1] Das BIOHAZ-Gremium befasst sich mit Fragen zu biologischen Gefahren im Zusammenhang mit der Lebensmittelsicherheit sowie durch Lebensmittel verursachten Krankheiten.
[2] Das CEF-Gremium ist zuständig für Fragen der Verwendungssicherheit von Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, Enzymen, Aromastoffen und Verarbeitungshilfsstoffen sowie für Fragen, die die Sicherheit von Verfahren betreffen.
[3] Die in der EU zur Bestrahlung zugelassenen Lebensmittel und Lebensmittelzutaten sind in der Richtlinie 1999/3/EG aufgeführt. Bislang enthält diese Liste nur eine einzige Lebensmittelkategorie: getrocknete aromatische Kräuter und Gewürze. Mitgliedstaaten können auf nationaler Ebene die Bestrahlung von Lebensmitteln und Lebensmittelzutaten genehmigen, für die der frühere Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der Europäischen Kommission (SCF) in den Jahren 1986, 1992 und 1998 eine befürwortende Stellungnahme abgegeben hat. Hierzu gehören Obst, Gemüse, Zerealien, Fisch, Schalentiere, Frischfleisch und Geflügel.