EFSA gibt Empfehlung zur Verringerung von Campylobacter in Hühnern heraus

Webnachricht
7 April 2011

Das BIOHAZ-Gremium der EFSA hat ein wissenschaftliches Gutachten zur Beurteilung der Auswirkungen möglicher Kontrollmaßnahmen zur Verringerung des Auftretens von Campylobacter in Hühnern und Hühnerfleisch auf die öffentliche Gesundheit veröffentlicht. Darüber hinaus haben die Sachverständigen bewertet, inwieweit Reduktionsziele für Campylobacter bei Hühnern in der Europäischen Union zu einem Rückgang der Anzahl von Campylobakteriose-Fällen beim Menschen im Zusammenhang mit dem Verzehr von Hühnerfleisch führen können.

Das EFSA-Gutachten unterstützt Risikomanager bei der Festlegung von Maßnahmen zur Verringerung der Fälle von Campylobakteriose, der häufigsten über Lebensmittel übertragenen Infektionskrankheit in Europa.

Im Jahr 2009 wurden 198 252 Fälle von Campylobakteriose beim Menschen registriert[1]. Allerdings wird die Erkrankung in der Mehrheit der Fälle nicht gemeldet, sodass davon auszugehen ist, dass die tatsächliche Zahl bei etwa neun Millionen Fällen jährlich liegt. Die durch Campylobakteriose verursachten Kosten für die öffentlichen Gesundheitssysteme und Produktivitätsverluste werden EU-weit auf rund 2,4 Mrd. EUR pro Jahr geschätzt.

Hühner sind als eine der Hauptquellen der Campylobakteriose beim Menschen bekannt[2]. Insbesondere Hühnerfleisch ist für 20 % bis 30 % der Fälle beim Menschen verantwortlich. In dem Gutachten beurteilen die Sachverständigen des BIOHAZ-Gremiums die Wirkung von Maßnahmen, die dazu beitragen könnten, das Auftreten von Campylobacter in Hühnern vor und nach der Schlachtung zu verringern.

Den Sachverständigen der EFSA zufolge könnten Maßnahmen vor der Schlachtung das Risiko um bis zu 50 % verringern, wobei davon auszugehen ist, dass dieser Wert erheblichen Schwankungen zwischen den Mitgliedstaaten unterliegt. Im Zentrum solcher Maßnahmen steht v. a. die Verhinderung eines Eindringens von Bakterien in die Stallungen, in denen Hühner gehalten werden, sowie die Verringerung der Campylobacter-Bakterien in den Eingeweiden von zur Schlachtung vorgesehenen Hühnern. Außerdem führen die Sachverständigen eine Reihe möglicher zusätzlicher Schritte auf, deren Umsetzung sich in Verbindung mit Maßnahmen vor der Schlachtung als wirksam erwiesen hat. Diese Schritte umfassen: die Verwendung von Fliegengittern, die Herabsetzung des Schlachtalters der Hühner sowie die Aufgabe der Ausdünnungspraxis (da Menschen beim Betreten der Hühnerställe Bakterien von außen hineintragen können).

Mögliche sonstige Maßnahmen zur Senkung des Risikos in der Fleischerzeugungskette umfassen beispielsweise das Kochen im industriellen Umfang oder eine Bestrahlung des Fleischs – beides würde voraussichtlich alle möglicherweise auf dem Fleisch befindlichen Campylobacter zerstören – sowie ein Einfrieren über 2 bis 3 Wochen, was das Risiko um mehr als 90 % senken würde. Durch das kurzzeitige Einfrieren von Schlachtkörpern (2 bis 3 Tage) oder die Behandlung von Hühnerschlachtkörpern mit heißem Wasser (20 Sekunden bei 80 °C) bzw. chemischen Stoffen wie Milchsäure würde das Risiko um schätzungsweise 50 % bis 90 % gesenkt.

In dem Gutachten wird des Weiteren darauf hingewiesen, inwieweit die Festlegung von Reduktionszielen für Campylobacter in Hühnern in der EU das Kontaminationsrisiko für Menschen senken könnte. Würden z. B. in jedem Mitgliedstaat nicht mehr als 25 % der Hühnerbestände positiv auf Campylobacter getestet, würde sich die Zahl der Fälle beim Menschen halbieren. Bei einer weiteren Absenkung dieses Ziels auf lediglich 5 % der Hühnerbestände würde sich das Risiko für den Menschen um 90 % verringern.

Zusätzlich könnte das Risiko für die öffentliche Gesundheit durch eine Begrenzung der Anzahl der Campylobacter-Bakterien pro Gramm Hühnerfrischfleisch, je nach festgelegtemWert, um bis zu 90 % gesenkt werden.

Den Sachverständigen zufolge sollten Kontrollmaßnahmen nach ihrer Wirksamkeit im Hinblick auf das Erreichen der verschiedenen Ziele und/oder der möglicherweise festgelegten mikrobiologischen Kriterien ausgewählt werden.

Darüber hinaus enthält das Gutachten eine Reihe von Empfehlungen, u. a. die Notwendigkeit weiterer Studien zur Überprüfung der Wirksamkeit von Kontrollmaßnahmen unter Feldbedingungen, Studien zur Untersuchung spezifischer Maßnahmen für Hühner in Freilandhaltung sowie Forschungsarbeiten zur Bewertung der Gesamtwirkung einer Kombination verschiedener Maßnahmen auf unterschiedlichen Stufen der Produktionskette (von der Aufzucht bis zum Verzehr).


Hinweise für die Redaktion:


Campylobacter

Campylobacter ist ein Bakterium, das häufig in den Eingeweiden von Hühnern und anderen zur Lebensmittelerzeugung genutzten Tieren vorkommt, ohne dass es bei diesen zur Erkrankung führt. In Lebensmitteln findet sich das Bakterium am häufigsten in rohem Geflügelfleisch. Die Symptome einer Campylobakteriose – der durch Campylobacter verursachten Erkrankung beim Menschen – umfassen u. a. Durchfall und Fieber. 

Das Risiko für die Gesundheit des Menschen geht vom Verzehr von nicht durchgegartem Fleisch oder von Kreuzkontaminationen zwischen Lebensmitteln aus. Ein sorgfältiger Umgang mit rohem Fleisch, gründliches Durchgaren und gute Küchenhygiene können das Risiko, das von kontaminiertem Hühnerfleisch ausgeht, ausschließen oder senken. 

Um die Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten, müssen auch die Verbraucher ihren Teil dazu beitragen. Es empfiehlt sich, bei der Zubereitung von Speisen hygienische Grundregeln zu beachten und Lebensmittel gründlich durchzugaren.


Die Arbeit der EFSA im Bereich Zoonosen

Die Risikomanager erhalten von der EFSA wissenschaftliche Unterstützung und Beratung durch die Erhebung und Analyse von Daten über zoonotische Bakterien in Tierpopulationen sowie in Lebens- und Futtermitteln, durch die Beurteilung der Risiken für die Lebensmittelkette sowie durch Empfehlungen zu deren Prävention und Reduzierung.

Die Taskforce der EFSA „Datenerhebung zu Zoonosen“ überwacht und analysiert die Situation in Bezug auf Zoonosen, zoonotische Erreger, Resistenzen gegenüber antimikrobiellen Wirkstoffen, mikrobiologische Kontaminanten und lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche in ganz Europa. Die Taskforce besteht aus einem europaweiten Netzwerk nationaler Vertreter der Mitgliedstaaten und weiterer Bericht erstattender Länder sowie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE). Die Tätigkeit der Taskforce liefert wertvolle Daten, die die Grundlage für die Arbeit von Risikobewertern, wie dem BIOHAZ-Gremium der EFSA, bilden.

Das Referat „Datenerhebung zu Zoonosen“ erstellt in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) die jährlichen Kurzberichte der Gemeinschaft[1] über zoonotische Infektionen, die sowohl beim Menschen als auch bei Tieren vorkommen, sowie über Krankheitsausbrüche, die durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel verursacht werden. Diese Berichte beschreiben die Entwicklung der Lage in der EU und nennen die Erreger, die die häufigsten menschlichen Infektionen verursachen.

Das BIOHAZ-Gremium der EFSA bietet wissenschaftliche Beratung zu biologischen Gefahren im Zusammenhang mit der Lebensmittelsicherheit und durch Lebensmittel verursachten Krankheiten. Die Beratung bezieht sich auf lebensmittelbedingte Zoonosen (bei Tieren auftretende und auf Menschen übertragbare Krankheiten), Transmissible Spongiforme Enzephalopathien (BSE/TSE), Lebensmittelmikrobiologie, Lebensmittelhygiene sowie damit zusammenhängende Fragen der Abfallwirtschaft. Die Arbeit des Gremiums im Bereich der Risikobewertung trägt dazu bei, die europäischen Politiken und Gesetzgebungsmaßnahmen auf eine solide Grundlage zu stellen und unterstützt Risikomanager dabei, wirksame und zeitnahe Entscheidungen zu treffen.

Für Medienanfragen wenden Sie sich bitte an:
Medienstelle der EFSA
Tel. +39 0521 036 149
E-Mail: Press@efsa.europa.eu


[1] Siehe „Jahresbericht 2009 der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) über Zoonosen und lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche in der Europäischen Union“ .
[2] In seinem Wissenschaftlichen Gutachten zur Quantifizierung des von Hähnchenfleisch ausgehenden Risikos für Campylobacteriose bei Menschen in der EU von 2010 gelangt das BIOHAZ-Gremium der EFSA zu dem Schluss, dass die Handhabung, die Zubereitung und der Verzehr von Broilerfleisch unmittelbar für 20 % bis 30 % der in der EU beim Menschen auftretenden Fälle von Campylobakteriose verantwortlich sein können.