Kampf gegen Ausbreitung antimikrobieller Resistenzen bei zoonotischen Infektionen erfordert bessere Überwachung

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMEA) und der Wissenschaftliche Ausschuss „Neu auftretende und neu identifizierte Gesundheitsrisiken“ (SCENIHR) der Europäischen Kommission haben ein gemeinsames wissenschaftliches Gutachten zur Resistenz gegen antimikrobielle Wirkstoffe unter besonderer Berücksichtigung von durch Tiere und Lebensmittel auf Menschen übertragenen Infektionen (Zoonosen) veröffentlicht.

Im gemeinsamen Gutachten wird festgestellt, dass in den letzten Jahren weltweit ein verstärktes Auftreten bakterieller Resistenzen gegen antimikrobielle Wirkstoffe zu verzeichnen ist und dass diese Resistenzen die Behandlung einiger menschlicher und tierischer Infektionen erschweren. Daher müssten die Überwachungsaktivitäten verstärkt und die Entwicklung neuer antimikrobieller Wirkstoffe sowie neuer Strategien im Kampf gegen die Ausbreitung von Resistenzen vorangetrieben werden. Es besteht Forschungsbedarf zur Erarbeitung anderer Strategien, mit denen Infektionskrankheiten bei Tieren bekämpft werden können, wie z. B. von Impfprogrammen.

Anlass zur Sorge gibt laut dem Gutachten insbesondere die bakterielle Resistenz gegenüber Antibiotika, die für die Behandlung von Salmonellen- und Campylobacter-Infektionen eingesetzt werden — den beiden meistgemeldeten zoonotischen Infektionen in Europa —, und das Gutachten zeigt auf, welche Antibiotika als besonders wichtig für deren Behandlung angesehen werden[1]. Obgleich der Einsatz von Antibiotika als Hauptfaktor für die Entwicklung bakterieller Resistenzen betrachtet werden müsse, könne auch die Verwendung von Bioziden (einschließlich von Desinfektionsmitteln, Antiseptika und Konservierungsstoffen) zu bakteriellen Resistenzen beitragen.

„Die Antibiotikaresistenz stellt eine der größten Gefahren für die öffentliche Gesundheit in der Europäischen Union dar und ist ein Hauptarbeitsgebiet des ECDC. Die Hauptursache für Resistenzen gegen antibiotische Wirkstoffe beim Menschen bleibt der Einsatz von Antibiotika in der Humanmedizin. Wenn der Missbrauch und übermäßige Einsatz von Antibiotika anhält, verlieren wir die Mittel für die Behandlung ernsthafter Infektionskrankheiten“, warnt Dominique L. Monnet, Senior Expert und Koordinator für „Antimikrobielle Resistenzen und Infektionen im Gesundheitswesen“ beim ECDC.

Im Gutachten zu antimikrobiellen Resistenzen bei zoonotischen Infektionen wird betont, dass es durch die Globalisierung des Lebensmittelhandels und die Zunahme des Reiseverkehrs in Länder außerhalb der EU schwer ist, Daten aus Überwachungsprogrammen auf EU-Ebene zu vergleichen und die Auswirkungen von Bakterienstämmen zu bewerten, die von außerhalb der EU kommen. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass die Bekämpfung dieser Bedrohung mit lediglich einer einzigen Strategie durch die in den verschiedenen EU-Ländern zu verzeichnenden Unterschiede im Grad der Resistenz gegen antimikrobielle Wirkstoffe erschwert wird.

„Resistenzen entstehen durch die Fähigkeit der Bakterien, sich angesichts der immer stärkeren Exposition gegenüber antimikrobiellen Wirkstoffen aus der Human- und Veterinärmedizin zu verändern. Die meisten der gegen antimikrobielle Wirkstoffe resistenten Stämme von Zoonosenbakterien finden sich im Magen-Darm-Trakt von gesunden Tieren, vor allem von Geflügel, Schweinen und Rindern“, so Professor Dan Collins, Vorsitzender des EFSA-Gremiums für biologische Gefahren (BIOHAZ-Gremium).

Lebensmittelbedingte Infektionen, die durch diese Bakterien verursacht werden, lassen sich sehr häufig auf die Kontamination während der Schlachtung der Tiere oder bei der Lebensmittelverarbeitung zurückführen. Das Gutachten führt aus, dass derzeit keine Daten verfügbar sind, um zu zeigen, dass der Gebrauch von Antibiotika in der Humanmedizin auch einen Einfluss auf die Resistenz von Zoonosenbakterien haben könne.

Die drei EU-Einrichtungen und der SCENHIR-Ausschuss haben dieses Thema gemeinschaftlich bearbeitet, dabei ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse untereinander ausgetauscht, die Entscheidungsträger der EU zu den Risiken beraten und Maßnahmeempfehlungen abgegeben. Laut David Mackay, Leiter des Referats „Tierarzneimittel und Produktdatenmanagement“ der Europäischen Arzneimittel-Agentur, ist dieses Vorgehen „ein gutes Beispiel dafür, wie die unterschiedlichen Einrichtungen innerhalb der EU erfolgreich zusammenarbeiten können, um das Problem von Resistenzen gegen antimikrobielle Wirkstoffe anzugehen, das derzeit eine ernste Bedrohung der Gesundheit des Menschen darstellt“.

Das Gutachten zu Resistenzen gegen antimikrobielle Wirkstoffe bei zoonotischen Infektionen ist im Vorfeld des am 18. November 2009 stattfindenden Europäischen Antibiotika-Tages — mit dessen Hilfe auf das Problem der Resistenz gegenüber Antibiotika aufmerksam gemacht werden soll — veröffentlicht worden. Im Gutachten werden frühere Empfehlungen für die intensive Förderung eines besonnenen Einsatzes antimikrobieller Wirkstoffe bei Tieren bestätigt, und es wird nochmals darauf hingewiesen, dass Tierärzte und Landwirte zu Strategien für eine Minimierung der Resistenz gegen antimikrobielle Wirkstoffe geschult werden sollten. Anderen früheren Empfehlungen zufolge sollten Antibiotika wie Fluorochinolone und Cephalosporine der Behandlung von Krankheitsbildern vorbehalten sein, die schlecht auf andere antimikrobielle Wirkstoffe ansprechen.

Notes to editors

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) ist die EU-Behörde, die für die Identifizierung, Bewertung und Kommunikation aktueller und neuauftretender Bedrohungen für die menschliche Gesundheit durch Infektionskrankheiten zuständig ist.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMEA) beschäftigt sich mit dem Schutz und der Förderung der Gesundheit von Menschen und Tieren. Zu diesem Zweck beurteilt und überwacht sie Arzneimittel, die für den Einsatz in der Human- und Veterinärmedizin bestimmt sind.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist im Bereich der Sicherheit von Lebensmittel- und Futtermitteln der Grundpfeiler der Risikobewertung der EU. Sie stellt unabhängige wissenschaftliche Beratung und Kommunikation zu vorhandenen und neuartigen Risiken in der Nahrungskette zur Verfügung.

Der von der Generaldirektion „Gesundheit und Verbraucher“ der Europäischen Kommission beaufsichtigte Wissenschaftliche Ausschuss „Neu auftretende und neu identifizierte Gesundheitsrisiken“ (SCENIHR) erarbeitet für die Kommission unabhängige wissenschaftliche Empfehlungen zu im Zusammenhang mit neuauftretenden oder neuidentifizierten Gesundheits- und Umweltrisiken auftretenden Fragestellungen sowie zu weit gefächerten, komplexen oder multidisziplinären Themen, die einer umfassenden Bewertung der Risiken in Bezug auf die Sicherheit der Verbraucher und die öffentliche Gesundheit bedürfen, und schließlich verwandte Themenkreise, die nicht der Zuständigkeit anderer Risikobewertungseinrichtungen der Gemeinschaft unterliegen.

Einige Begriffsbestimmungen:

Antimikrobielle Substanzen
Eine animikrobielle Substanz ist ein Wirkstoff synthetischen oder natürlichen Ursprungs, der Bakterien zerstört, ihr Wachstum oder ihre Fähigkeit, sich in Tieren oder Menschen zu reproduzieren, wobei antivirale Wirkstoffe und Wirkstoffe gegen Parasiten ausgeschlossen sind. In dem hier betroffen Gutachten wird der Terminus „animikrobielle Substanz“ im Sinne eines Oberbegriffs verwendet, der antimikrobielle Wirkstoffe, Antibiotika und antibakterielle Wirkstoffe umfasst.

Antibiotikum
Ein Antibiotikum ist eine von einem Bakterium produzierte chemische Substanz, die in verdünnter Lösung die Fähigkeit hat, das Wachstum anderer Mikroorganismen zu hemmen oder diese zu abzutöten.

Biozid
Ein Biozid ist ein aktives chemisches Molekül, dass in einem Schädlingsbekämpfungsprodukt enthalten ist zur Verhinderung der Vermehrung von Bakterien oder zum Abtöten derselben verwendet wird.

Weiterführende Links:

[1] Für die Antibiotikabehandlung von Salmonellenerkrankungen sind bei Erwachsenen Chinolone und bei Kindern Cephalosporine betroffen, während bei Campylobacter-Infektionen Makrolide und Chinolone betroffen sind.

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