Unbedenkliche Aufnahmemenge für 3-MCPD in pflanzlichen Ölen und Lebensmitteln revidiert

Sachverständige der EFSA haben mittels eines aktualisierten wissenschaftlichen Ansatzes erneut die möglichen langfristigen negativen Auswirkungen des bei der Lebensmittelverarbeitung entstehenden Schadstoffs 3-MCPD auf Nieren und männliche Fruchtbarkeit bewertet.

Die Aufnahmemengen von 3-MCPD in Lebensmitteln werden für die Mehrzahl der Verbraucher als sicher angesehen; für Verbraucher in jüngeren Altersgruppen mit hoher Aufnahme gibt es hingegen potenzielle gesundheitliche Bedenken. Im schlimmsten Fall könnten Kleinkinder, die ausschließlich Säuglingsanfangsnahrung erhalten, die unbedenkliche Aufnahmemenge leicht überschreiten.

Gutachten von 2016 aktualisiert

Bei der chemischen Verbindung 3-Monochlorpropandiol (3-MCPD) und damit verwandten Substanzen, die als 3-MCPD-Ester bezeichnet werden, handelt es sich um Prozesskontaminanten, die in einigen verarbeiteten Lebensmitteln sowie Pflanzenölen, hauptsächlich Palmöl, zu finden sind. 3-MCPD und seine Ester bilden sich unbeabsichtigterweise in diesen Lebensmitteln, insbesondere bei der Raffination von Ölen.

Das Sachverständigengremium der EFSA für Kontaminanten bewertete die potenziellen Risiken von 3-MCPD erstmals im Jahr 2016, zusammen mit einer anderen während der Lebensmittelverarbeitung entstehenden Gruppe von Schadstoffen, den so genannten Glycidylfettsäureestern (GE). Die EFSA kam seinerzeit zu dem Schluss, dass GE gesundheitliche Bedenken aufwerfen, da sie sowohl genotoxisch als auch karzinogen sind, d.h. sie können die DNA schädigen und Krebs verursachen.

Die Europäische Kommission ist derzeit damit befasst, neue EU-Rechtsvorschriften zur Senkung des GE-Gehalts in pflanzlichen Ölen und Lebensmitteln fertigzustellen.

Die vorliegende Aktualisierung bezieht sich ausschließlich auf 3-MCPD und seine Ester, und nicht auf die frühere EFSA-Bewertung von GE, die unverändert bleibt.

Warum hat die EFSA ihre Bewertung von 3-MCPD aktualisiert?

Prof. Christer Hogstrand, Vorsitzender der wissenschaftlichen Gruppe, die das Gutachten von 2016 sowie dessen Aktualisierung erarbeitete, erklärte: „Die EFSA beschloss die Überarbeitung ihrer Bewertung, nachdem der Gemeinsame FAO/WHO-Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe (JECFA) der Vereinten Nationen eine abweichende unbedenkliche Aufnahmemenge – tolerierbare tägliche Aufnahmemenge oder TDI – festlegte.“

„In der Zwischenzeit hat die EFSA die Methode, mit der wir unseren früheren TDI berechneten – den so genannten Benchmark-Dosis-Ansatz (BMD) – aktualisiert.“

„Das Gremium wandte die überarbeitete Methode bei ihrer Neubewertung von 3-MCPD an und erhöhte im Ergebnis die bisherige unbedenkliche Aufnahmemenge um das Zweieinhalbfache.“

Tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) für 3-MCPD in μg/kg KG*

EFSA 2017 2,0
JECFA 2016 4,0
EFSA 2016 0,8

* Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht

Mögliche Risiken für Nieren und männliche Fruchtbarkeit

Prof. Hogstrand fügte hinzu: „Wir prüften erneut die Daten bezüglich der Auswirkungen auf Entwicklung und Fortpflanzung, insbesondere die männliche Fruchtbarkeit, da diese Effekte vom JECFA hervorgehoben wurden.“

„Wir berechneten die Konzentrationen, bei denen mögliche negative Auswirkungen auf Nieren und männliche Fruchtbarkeit auftreten könnten. Der aktualisierte TDI bietet Schutz im Hinblick auf beide Arten von Effekten.“

Technische Unterschiede, gleiches Gesamtergebnis

Der neue TDI der EFSA ist näher am TDI des JECFA. EFSA und JECFA griffen auf die gleichen toxikologischen Daten zurück, verwendeten jedoch unterschiedliche BMD-Modellierungstechniken. Trotz dieser technischen Unterschiede kamen beide zu den gleichen generellen Schlussfolgerungen hinsichtlich der möglichen negativen Auswirkungen von 3-MCPD und den Grad der Bedenklichkeit für die öffentliche Gesundheit.

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