Zoonosenbericht: Zahl der Listeria-Infektionen stabil, aber häufig bei älteren Menschen berichtet

Europäische Experten beobachten eine seit 2008 steigende Tendenz bei Listeriose-Fällen, heben jedoch hervor, dass die Zahl der betroffenen Menschen sich von 2014 bis 2015 stabilisiert hat. Infektionen wurden überwiegend bei Menschen über 64 Jahren berichtet. Dies sind einige der Ergebnisse des jüngsten von EFSA und ECDC erstellten Jahresberichts zu Zoonosen, der unter anderem die aktuellsten Trends in Bezug auf Salmonellose, Campylobacteriose und lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche in der Europäischen Union umfasst.

Von der Listeriose waren 2015 etwa 2.200 Menschen betroffen, was in 270 Fällen zum Tode führte – die höchste je in der EU berichtete Zahl. Der Anteil der Fälle in der Altersgruppe über 64 ist seit Jahren stetig gestiegen, von 56% in 2008 auf 64% im Jahr 2015. Zusätzlich haben sich in dieser Zeit die Zahl der gemeldeten Fälle und ihr Anteil bei den über 84-Jährigen nahezu verdoppelt.

„Es ist beunruhigend, dass die steigende Tendenz bei Listeria-Fällen, die vorwiegend in der älteren Bevölkerung auftreten, weiter anhält. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) arbeitet zusammen mit den Mitgliedstaaten daran, die Überwachung von durch Lebensmittel und Wasser übertragbaren Krankheiten, beginnend mit Listeria, zu verbessern, da eine frühere Erkennung entsprechender Cluster und Ausbrüche helfen kann, weitere Fälle zu verhindern,“ so Mike Catchpole, leitender Wissenschaftler am ECDC. „Dies ist eine Gefährdung der öffentlichen Gesundheit, die angegangen werden kann und muss,“ wie er hinzufügte.

Dr. Marta Hugas, Leiterin des Referats für biologische Gefahren und Kontaminanten bei der EFSA, erklärte: „Listeria-Bakterien überschreiten selten die gesetzlichen Grenzwerte in verzehrfertigen Lebensmitteln, der häufigsten Lebensmittelquelle für Infektionen beim Menschen. Es ist jedoch wichtig, dass die Verbraucher die Herstellerhinweise zur Lagerung und die von den nationalen Behörden ausgegebenen Leitlinien für den Verzehr von Lebensmitteln befolgen.“

Im Jahr 2015 wurden 229.213 Fälle von Campylobacteriose gemeldet. Die Krankheit ist nach wie vor die am häufigsten gemeldete lebensmittelbedingte Krankheit in der EU, bei der seit 2008 eine steigende Tendenz zu beobachten ist. Campylobacter-Bakterien sind vor allem in Geflügel und Geflügelfleisch zu finden.

Die Zahl der Fälle von Salmonellose, der am zweithäufigsten berichteten durch Lebensmittel übertragbaren Krankheit in der EU ist leicht gestiegen – von 92.007 in 2014 auf 94.625 im Jahr 2015. Der in den letzten zwei Jahren beobachtete Anstieg ist zum Teil auf eine verbesserte Überwachung und bessere diagnostische Verfahren zurückzuführen. Der langfristige Trend ist jedoch noch immer rückläufig, und die meisten Mitgliedstaaten haben ihre Reduktionsziele für Salmonella in Geflügelpopulationen erreicht.

Salmonella-Bakterien finden sich vor allem in Fleisch (Geflügel), das nicht für den rohen Verzehr bstimmt ist.

Lebensmittelbedingte Ausbrüche

Im Jahr 2015 wurden 4.362 lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche gemeldet. Die häufigste Ausbruchsursache waren Salmonellen im Zusammenhang mit dem Verzehr von Eiern. Allerdings ist die Zahl der Salmonella-Ausbrüche seit 2010 um 41% gesunken.

Hinweise für die Redaktion

  • Der von EFSA und ECDC erstellte Bericht basiert auf Daten, die von 32 europäischen Ländern (28 Mitgliedstaaten sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz) erhoben wurden, und unterstützt die Europäische Kommission sowie die Bericht erstattenden Länder bei der Überwachung, Eindämmung und Prävention von Zoonosen. Er erfasst zoonotische Infektionen, darunter Yersiniose, VTEC-Infektionen, Echinokokkose und Q-Fieber.
  • Zoonosen sind Krankheiten, die direkt oder indirekt zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können. Lebensmittelbedingte Zoonosen werden durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel übertragen.
  • Die Listeriose ist eine Erkrankung, die von dem Bakterium Listeria monocytogenes verursacht wird, das in der Umwelt weit verbreitet ist. Listerien können sich bei niedrigen Temperaturen vermehren und sind tolerant gegenüber hohen Salzkonzentrationen, weshalb sie in verarbeiteten, haltbar gemachten und gekühlten verzehrfertigen Lebensmitteln überleben können, wie etwa in verarbeitetem Fleisch und Fisch, Wurst, Milchprodukten wie Weichkäse, Butter und Milch (vor allem, wenn nicht pasteurisiert) sowie fertig zubereiteten Sandwiches und Salaten. Bei den meisten gesunden Menschen treten nach dem Verzehr kontaminierter Lebensmittel keine nennenswerten Symptome auf. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Schwangeren, Neugeborenen und ältere Menschen hingegen kann Listeriose zu Hirnhautentzündung (Meningitis), Hirninfektion (Enzephalitis) und schwerer Blutvergiftung (Sepsis) führen. Alle klinischen Bilder sind mit einer längeren Antibiotikatherapie behandelbar; die Prognose für schwerste invasive Infektionen ist jedoch schlecht.
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