EFSA@EXPO im Rückblick: Von Übergewicht bis Unterernährung – die globale Perspektive

Dank rasanter Entwicklungen in Wissenschaft und Technik nimmt unser Wissen über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit kontinuierlich zu. Dieses verbesserte Verständnis kann helfen, nicht-übertragbaren Krankheiten und Störungen wie Adipositas, Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen im späteren Leben vorzubeugen. Auf globaler Ebene stellt die nachhaltige Versorgung der wachsenden Erdbevölkerung mit nahrhaften Lebensmitteln eine enorme Herausforderung dar. Die Sektion konzentrierte sich auf Entwicklungen und Herausforderungen, denen Ernährungsexperten gegenüber stehen, sowie Möglichkeiten, um den Bedrohungen für Lebensmittelversorgung und Gesundheit zu begegnen.

Ernährung im 21. Jahrhundert

Tom Sanders vom Kings College in London rahmte die Debatte, indem er drei Schlüsselbereiche aufzeigte, die in den kommenden Jahrzehnten die Arbeitsweise von Ernährungswissenschaftlern prägen werden – eine alternde Bevölkerung; eine Zunahme von Adipositas insbesondere in jüngeren Altersgruppen und ein draus folgender massiver Anstieg der Diabetes-Fälle in ganz Europa; sowie der Klimawandel. Unterschiede zwischen Ländern – zum Beispiel das im Vergleich zu Europa wesentlich schnellere Bevölkerungswachstum in Indien und China – würden Versuche, globale Strategien zu entwickeln, zusätzlich erschweren, so Sanders. Neue Technologien könnten sich ihm zufolge als zweischneidiges Schwert erweisen: sie könnten zu einem besseren Verständnis von Ernährungsfragen beitragen, aber auch mit zu Bewegungsmangel führen.

Metabolische Programmierung: Folgen für die Ernährung von Neugeborenen und Kindern

Mary Fewtrell vom Institute of Child Health am University College in London beantwortete die Frage „Was ist metabolische Programmierung?“ und warf einen detaillierten Blick auf Fortschritte im Bereich der Ernährungsprogrammierung beim Menschen sowie die sich daraus ergebenden Folgen für die Praxis. Bei Programmierungsstimuli kann es sich um endogene (hormonbedingte) oder umweltbedingte Reize (wie Temperatur, Licht oder Kontaminanten) handeln, so die Referentin. Der entscheidende Punkt ist zu verstehen, dass die Exposition gegenüber solchen Reizen in kritischen Entwicklungsfenstern – z.B. als Fötus oder Kleinkind – langfristige, dauerhafte Folgen für den Menschen haben kann.

Personalisierte Ernährung für das Mikrobiom: die Darmflora füttern, ändern oder austauschen?

Es gibt bis zu 1.000 Mikroorganismen im menschlichen Darm, die sich im Zusammenspiel mit anderen Faktoren, wie etwa der Ernährung, auf die menschliche Gesundheit auswirken, erklärte Kieran Tuohy von der Fondazione Edward Munch in Italien. Die Mikrobiota – die im menschlichen Verdauungstrakt lebende „Gemeinschaft“ von Mikroorganismen – stellt ihm zufolge ein eigenes Organ dar, und der Mensch ist ihr Ökosystem.  Adipöse Menschen haben eine andere Darmflora; doch sobald sich die Ernährungsweise ändert, verändert sich auch die Zusammensetzung der Mikrobiota. Wenn wir die richtige Nahrung für die Mikroorganismen in unserem Darm finden können, so Tuohy, könnten wir in der Lage sein, unsere eigene Ernährung zu verbessern.

Neuartige Lebensmittel

Klaus Riediger von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) umriss die unterschiedlichen Definitionen neuartiger Lebensmittel (Novel Foods) und erklärte das bestehende System zur Bewertung neuartiger Lebensmittel in Europa. Er hob einige der wichtigsten Entwicklungen in diesem wachsenden Sektor hervor – darunter aus Pflanzen isolierte Lebensmittel wie Chia-Samen, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind, und Raps-Proteine –, während er zugleich darauf hinwies, dass wir neuartige Lebensmittel schon seit geraumer Zeit kennen – man denke etwa an Gerstenkaffee oder Maiskeimöl. Riediger führte weiter aus, dass die neue EU-Verordnung ein einheitliches Zulassungssverfahren vorsieht, das u.a. Nanotechnologien, ganze Tiere (Insekten), Lebensmittel aus geklonten Tieren sowie In-vitro-Fleisch umfasst.

Unzureichend genutzte Nahrungsquellen wichtiger Nährstoffe

Während ein übermäßiger Verzehr von tierischem Eiweiß zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie Adipositas und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt, steht ein Mangel an tierischem Eiweiß mit Unterernährung in Verbindung. Welche unzureichend genutzten Nährstoffquellen stehen dem Menschen also zur Verfügung? Das war die Frage, mit der sich Nanna Roos von der Universität Kopenhagen beschäftigte. In Aquakulturen gezüchteter Fisch und Meeresfrüchte können in Massen produziert werden und wesentlich zur Deckung lebenswichtiger Nährstoffe beitragen, wie die Referentin am Beispiel Bangladeschs ausführte, wo zahlreiche einheimische Arten in Aquakulturanlagen nutzbar gemacht wurden. Insekten stellen einen weiteren Bereich mit großem Potenzial dar, auch wenn bislang ihr Verzehr weitgehend von kulturellen Einstellungen bestimmt ist, so Roos.

Herausforderungen im Bereich Ernährung: Agrobiodiversität für eine gesündere Ernährung innerhalb nachhaltiger Lebensmittelsysteme

Wir stehen vor einem Ernährungs-„Trilemma“, so Gina Kennedy vom italienischen Forschungsinstitut Bioversity International: Die Ernährungslage von 805 Millionen Menschen ist unsicher; von Adipositas sind mittlerweile 2,1 Milliarden Menschen betroffen; und etwa 2 Milliarden leiden an Mikronährstoffmangel. Dr. Kennedy zog eine direkte Verbindung zwischen diesen Problemen und moderne Methoden der Lebensmittelproduktion und zeigte auf, dass die biologische Vielfalt in der Landwirtschaft soweit geschrumpft ist, dass heute 75% der Welternährung auf zwölf Kulturpflanzen und fünf Tierarten beruhen. Kennedy zufolge könnte eine nachhaltige Lebensmittelproduktion dazu beitragen, Schädlinge und Krankheiten zu bekämpfen, die Ernährung zu verbessern, Ökosysteme zu stärken und neue Lebenschancen zu schaffen.

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