EFSA@EXPO im Rückblick: Mikrobiologische Risikobewertung

Die Sektion widmete sich Themen an der vordersten Front der mikrobiologischen Risikobewertung, von der Einstufung mikrobiologischer Risiken über die Abschätzung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kosten von Krankheiten bis hin zu Unsicherheit bei der Risikobewertung. Ausgehend von ihren jeweiligen Erfahrungen sprachen sechs Referenten über Lehren der Vergangenheit sowie Herausforderungen und Chancen der Zukunft.   

Die globale Last lebensmittelbedingter Krankheiten

Durch Lebensmittel übertragbare Erkrankungen betreffen uns alle, so Arie Havelaar von der University of Florida. Große Ausbrüche haben in den letzten Jahren breite Aufmerksamkeit auf sich gezogen, so etwa der Melamin-Skandal in China oder die E. coli-Ausbrüche in Deutschland. Diese sind jedoch nur die Spitze des Eisbergs – das Problem ist noch größer in den Entwicklungsländern, wo lebensmittelbedingte Krankheiten vor allem Kinder und ihre Mütter betreffen. Diese Krankheitslast ist noch nicht vollständig dokumentiert worden.  Prof. Havelaar präsentierte das WHO-Programm zur Abschätzung der globalen Belastung durch lebensmittelbedingte Krankheiten, das Ende 2015 abgeschlossen wurde.

Einstufung mikrobiologischer Risiken

Die Einstufung von Risiken hilft politischen Entscheidungsträgern, ihre Aufmerksamkeit auf die wichtigsten Probleme der öffentlichen Gesundheit zu konzentrieren, erklärte Kostas Koutsoumanis von der Aristoteles-Universität Thessaloniki, und legte dar, dass die Risikoeinstufung für das Risikomanagement zunehmend an Bedeutung gewinnt.  Er beschrieb die Arbeiten zur Einstufung mikrobiologischer Risiken, die im Verlauf der letzten vier Jahre vom EFSA-Gremium für Biologische Gefahren durchgeführt wurden.

Toolkit zur Berechnung der Belastung durch übertragbare Krankheiten

Wir müssen Risiken und Krankheitserreger einstufen. Dies wird uns ermöglichen, die begrenzten Ressourcen im Bereich der öffentlichen Gesundheit optimal zuzuweisen, und den Mitgliedstaaten beim Umgang mit bestehenden und neuen Bedrohungen helfen. So Alessandro Cassini vom Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten, der ein Toolkit zur Abschätzung der Belastung durch übertragbare Krankheiten in Europa vorstellte. Das Toolkit umfasst benutzerfreundliche Visualisierungen, welche die Kommunikation komplexer Informationen für Entscheidungsträger erleichtern. 

Typisierungsmethoden und Risikobewertung: der Fall VTEC

„Nach dieser Präsentation werden Sie Verotoxin-produzierende E. coli nicht mehr als einzelnen Erreger ansehen“, versprach Flemming Scheutz vom Statens Serum Institut in Dänemark, der am Beispiel von VTEC veranschaulichte, wie Typisierungsmethoden im Rahmen der Risikobewertung angewendet werden können.

Die vielfältige Welt der Viren

Marion Koopmans vom Erasmus Medical Centre in Rotterdam sprach über Chancen und Herausforderungen bei der Risikobewertung von Viren. Genetische Diversität und Evolution, Immunität, die Vielfalt der Endpunkte und Nachweisverfahren sind nur einige der spezifischen Faktoren, die es dabei zu berücksichtigen gilt, wie Koopmans ausführte. 

Umgang mit Unsicherheit bei dringenden Bewertungen: der EHEC-Ausbruch in Deutschland von 2011

Jede Krise ist anders, aber es gibt einige häufige Ursachen, die sich ermitteln lassen, erklärte Gordon Müller-Seitz von der Technischen Universität Kaiserslautern. Mangelnde Vorbereitung, organisationskulturelle Anomalien, fehlender Transfer von Erkentnisssen aus früheren Vorfällen, fehlerhafte Management-Mantras und Unkenntnis von Interdependenzen sind nur einige der häufigsten Fehler im Rahmen von Reaktionsmaßnahmen.  Prof. Müller-Seitz gab einen Einblick bezüglich der Herausforderungen und Lehren, die sich aus der durch enterohämorrhagische Escherichia coli hervorgerufene Krise in Deutschland ergaben.

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