EFSA@EXPO im Rückblick: Wie öffnen wir die Schatztruhe an Daten am besten?

Die Erhebung und Analyse von Daten ist von zentraler Bedeutung für die Arbeit der EFSA. Jedes Jahr erhält die Behörde Millionen von Datensätzen, darunter zum Beispiel Analysedaten zu Pestizidrückständen und Kontaminanten in Lebens- und Futtermitteln. Die EFSA verwendet diese Informationen für ihre Risikobewertungen. Davon abgesehen bleiben die Daten weitgehend ungenutzt. Vor dem Hintergrund eines immer lauteren gesellschaftlichen Rufs nach offenen Daten ist es an der Zeit zu fragen, wie diese Daten freigegeben und in weiterem Umfang genutzt werden können. In der Sektion „Offene Risikobewertung: Daten“ diskutierten Wissenschaftler offen zugängliche Daten, Dateninteroperabilität, Datenqualität und Datenvisualisierung. 

Förderung von offener Wissenschaft in Europa

„Open Data“-Initiativen gibt es bereits in vielen Mitgliedstaaten. Es besteht jedoch ein Bedarf an mehr Zusammenarbeit und Koordinierung zur Förderung einer europaweiten, datenbasierten offenen Wissenschaft. Dieser Einsicht folgend hat die Europäische Kommission die Europäische Open Science Politikagenda ins Leben gerufen, im Rahmen derer Initiativen unterstützt werden, die darauf abzielen, große Dateninfrastrukturen zu schaffen, Datenstandards zu verbessern, den gemeinsamen Zugriff auf Daten zu steigern sowie neue Methoden zu entwickeln. Jean-Claude Burgelman von der Europäischen Kommission eröffnete die Sektion und legte dar, inwiefern politische Entwicklungen auf europäischer Ebene auf gesellschaftliche Forderungen nach offenen Daten und offener Wissenschaft antworten. 

Freigabe von Daten des öffentlichen Sektors auf EU-Ebene 

Daten des öffentlichen Sektors werden unter Verwendung öffentlicher Gelder generiert und sollten daher für Bürger und Unternehmen frei zugänglich sein. Dies ist ein Grundprinzip der EU-Politik offener Daten, so Yvo Volman vom Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union. Es gibt gute Gründe für die Freigabe öffentlicher Daten – allein der wirtschaftliche Nutzen wird auf bis zu 40 Mrd. EUR pro Jahr geschätzt, wie Volman ausführte. Er erklärte auch, wie das offene Datenportal der EU als zentraler Zugangspunkt zu Daten des öffentlichen Sektors auf EU-Ebene funktioniert. 

Visualisierung von Daten 

In einer Zeit, in der wir mit einer Fülle an Informationen überflutet werden, ist die Fähigkeit, große Datenmengen sinnvoll zu erschließen, von entscheidender Bedeutung. Die Visualisierung von Daten – die Schaffung einer visuellen Schnittstelle zu Daten also – ist ein leistungsstarkes Instrument, um auf den Sinngehalt von Daten zuzugreifen, Erkenntnisse daraus zu ziehen und neue Wege für die Forschung aufzuzeigen. Anhand von Beispielen der Ausstellung „Places & Spaces: Mapping Science“ (Orte & Räume: Abbildung der Wissenschaft) der Indiana University veranschaulichte die dort tätige Katy Börner, wie Techniken der Datenvisualisierung eingesetzt werden können, um eine Fülle an nützlichen Informationen zu extrahieren. 

Daten auffindbar machen

Um das volle Potenzial offener Daten auszuschöpfen, ist es notwendig, diese auffindbar zu machen. Nutzer, seien es Menschen oder Maschinen, müssen in der Lage sein, die jeweils benötigten Daten zu finden. Identifikatoren für Informationen sind der Schlüssel zur Erschließung von Daten. Bei Informationsidentifikatoren handelt es sich um Kennzeichnungen, die eine eindeutige und genaue Identifizierung von Informationen, unabhängig von spezifischen Kontexten und Nutzergruppen, ermöglichen. Dave Weller von Thomson Reuters sprach über seine Erfahrungen mit Identifikatoren und Identifiksationssystemen, welche die Regeln zur Erstellung und Zuordnung von Identifikatoren vorgeben. 

EMA: Freigabe von Daten aus klinischen Studien

Das richtige Gleichgewicht zwischen der Freigabe von Industriedaten und dem Schutz der Privatsphäre bzw. von kommerziellen Interessen zu finden ist eine Herausforderung. Aber es ist nicht unmöglich, wie Hans-Georg Eichler von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) in seinem Vortrag demonstrierte. Seit 2014 verfolgt die EMA hat eine strikte Politik des offenen Zugangs für sämtliche Daten aus klinischen Studien zu Arzneimitteln. Diese Politik hilft, die Effizienz klinischer Studien zu verbessern, betehenden Forschungsbedarf zu ermitteln sowie zukünftige Entwicklungen in der Medizin zu fördern. 

EFSA und Mitgliedstaaten bündeln Anstrengungen zur Freigabe von Daten

Die EFSA stützt sich bei ihren Risikobewertungen im Bereich der Lebensmittelsicherheit auf Daten aus den Mitgliedstaaten. Der Umfang an Daten nimmt stetig zu, was deren Standardisierung und Harmonisierung unerlässlich macht. Leif Busk von der Nationalen Lebensmittelbehörde Schwedens und Stefano Cappè (EFSA) zeigten in ihrer Präsentation, dass bereits große Fortschritte in dieser Hinsicht erzielt wurden. Doch auch wenn die EFSA derzeit dabei ist, ihre Vision des offenen Datenzugangs mit Leben zu füllen, gibt es nach wie vor viel zu tun; ein zentrales Thema, das es dabei anzugehen gilt, ist Data Governance. 

Bereitstellung von Daten für Kunden: ein Beispiel

Als Verbraucher von Lebensmitteln fordern wir stetig mehr Informationen über die Produkte, die wir kaufen. Wir wollen wissen, wo ein Produkt herkommt, woraus es besteht und bis wann es aufzubrauchen ist. Britta Gallus von der Metro-Gruppe führte aus, wie ihr Unternehmen auf diese Forderungen eingeht, indem es große Mengen im Zusammenhang stehender Daten verwaltet und diese den Kunden zur Verfügung stellt. Transparenz und Rückverfolgbarkeit entlang der gesamten Versorgungskette, so die Referentin, sind unerlässlich, um das Vertrauen der Verbraucher zu gewinnen. 

Medienkontakte

Medienstelle der EFSA 
Tel. +39 0521 036 149
E-mail: Press@efsa.europa.eu