EFSA@EXPO im Rückblick: Wie können wir die Umweltverträglichkeitsprüfung weiterentwickeln?

Die Umweltverträglichkeitsprüfung (Environmental Risk Assessment – ERA) ist ein wichtiges Element, wenn es um die Bewahrung einer gesunden Umwelt und den Schutz der biologischen Vielfalt geht. Die ERA ist für die regulatorische Entscheidungsfindung unverzichtbar geworden und dient in diesem Zusammenhang der Bewertung potenziell umweltschädlicher Wirkungen von regulierten Stressoren wie etwa genetisch veränderten Pflanzen, Pestiziden und Futtermittelzusatzstoffen. Was kann getan werden, um die Umweltverträglichkeitsprüfung weiterzuentwickeln? Anlässlich der Wissenschaftskonferenz der EFSA im Oktober 2015 äußerten sich Wissenschaftler im Rahmen einer Parallelsektion zu Aspekten der ERA, tauschten Gedanken aus und schlugen mögliche Wege für die Zukunft vor.

Bessere Strukturierung der ERA

Den Anfang machte Alan Gray vom Zentrum für Ökologie und Hydrologie im Vereinigten Königreich, der einen Überblick über jüngste Fortschritte und verbleibende Herausforderungen in diesem Bereich präsentierte. Da die ERA sich zu einem Ansatz entwickelt hat, der mehr von politischen als wissenschaftlichen Überlegungen bestimmt wird, ist eine solide Problemformulierung zum wichtigen ersten Schritt des Bewertungsprozesses geworden. Dies hat zu einer besseren Strukturierung der ERA geführt, die sich nun mit weniger, aber wesentlicheren Fragen befasst.

Ermittlung konkreter und operativer Schutzziele

Was wollen wir schützen? Wo wollen wir es schützen? Und für wie lange? Die Antworten scheinen einfach: alles, überall und für immer. Aber wie Lorraine Maltby von der Universität Sheffield im Vereinigten Königreich betonte, sind diese Antworten nicht haltbar. Sie führte aus, dass wir einen transparenten und tragfähigen Rahmen entwickeln müssen, der uns bei der Entscheidung hilft, was wir wo schützen wollen. Mit anderen Worten, wir benötigen konkrete und operative Schutzziele.

„Ökosystemleistungen“ als Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt

Der Begriff „Ökosystem(dienst)leistungen“ dient der Beschreibung der vielfältigen Wege, über die Menschen Nutzen aus der Umwelt ziehen. Glenn Suter von der US-amerikanischen Umweltschutzagentur erläuterte, dass die Verwendung dieses Begriffs geholfen hat, den Umweltschutz für Menschen wichtiger werden zu lassen. Außerdem hat er dazu beigetragen, dass mit politischen Entscheidungsträgern und Interessengruppen besser über ökologische Risiken diskutiert werden kann. In seinem Vortrag griff er auf Fallstudien zurück, um das Konzept der Ökosystemleistungen und dessen Einsatzmöglichkeiten für den Erhalt der biologischen Vielfalt zu veranschaulichen.

Die Fragen beantworten, die zu beantworten sind

Eine aussagekräftige Umweltverträglichkeitsprüfung beginnt mit einer guten Problemformulierung. In diesem ersten Schritt müssen die politischen Ziele sowie Umfang und Endpunkte der Prüfung ermittelt werden. Die Problemformulierung klärt, was bekannt ist, welche Informationen fehlen, und welche wissenschaftlichen Unsicherheiten die Risikobewertung einschränken können. Wie Joe Smith, unabhängiger Berater der australischen Regierung, ausführte, hilft eine gute Problemformulierung Risikobewertern und Regulierungsstellen zu gewährleisten, dass „die Fragen beantwortet werden, die zu beantworten sind“.

Was ist erforderlich für eine gute Umweltverträglichkeitsprüfung?

Jörg Romeis vom Institut für Nachhaltigkeitswissenschaften in der Schweiz hatte darauf eine Antwort: Wir brauchen verlässliche Studien, die verlässliche Daten liefern. Studien, die darauf ausgelegt sind, Risikohypothesen für die ERA zu überprüfen, sollten stringent und objektiv sein und den einschlägigen Qualitätsstandards entsprechen. Das erhöhe das Vertrauen in die Ergebnisse und untermauere die Gewissheit bezüglich der Schlussfolgerungen. Studien von hoher Qualität fördern die Reproduzierbarkeit und erhöhen die Akzeptanz, was wiederum den Regulierungsbehörden bei ihrer Arbeit hilft.

ERA stärker kontextualisieren

Der Ruf nach einer stärkeren Kontextualisierung der Umweltverträglichkeitsprüfung zog sich durch die gesamte Sektion. Der Umfang der ERA sollte breiter angelegt sein, und sie sollte realistischere Szenarien widerspiegeln. Was bedeutet das? Üblicherweise beziehen sich Umweltverträglichkeitsprüfungen auf einzelne, spezifische regulierte Produkte. Dabei wird aber die Vielzahl der Stressoren nicht berücksichtigt, die in den verschiedenen Landschaften zu finden sind. Der letzte Referent der Sektion, Jeff Pettis vom Bienenforschungslabor USDA-ARS in den USA, demonstrierte anhand einer Fallstudie mit Bienen, wie sich multiple Stressoren bewerten lassen.

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