EFSA@EXPO im Rückblick: Wie sich epigenetische Veränderungen auf unsere Gesundheit auswirken

Im Rahmen der zweiten Wissenschaftskonferenz der EFSA trafen sich vom 14. bis 16. Oktober 2015 hunderte Wissenschaftler, politische Entscheidungsträger und Akademiker in Mailand, um über Entwicklungen und Herausforderungen im Bereich der Lebensmittelsicherheit zu diskutieren. Nun ist das gesamte Video-Material online verfügbar, sodass Sie sich in den kommenden Wochen die Diskussionen, die in den verschiedenen Sektionen der Konferenz stattfanden, (erneut) anschauen können. Was waren die Hauptthemen der einzelnen Sitzungen? Welche zentralen Fragen wurden aufgeworfen und welche Forschungsrichtungen für die Zukunft ermittelt?

Wissenschaft, Innovation und Gesellschaft

Die zweite Plenarveranstaltung konzentrierte sich auf das Zusammenspiel von Wissenschaft, Innovation und Gesellschaft. Die vier Vortragenden stellten Themengebiete vor, zu denen derzeit bedeutende biologische Forschungen laufen. Es wird erwartet, dass die daraus resultierenden Erkenntnisse sich darauf auswirken werden, wie in Zukunft die regulatorische Risikobewertung bei Lebensmitteln abläuft.

Ein gemeinsames Thema aller vier Präsentationen war die Bedeutung epigenetischer Veränderungen für die menschliche Gesundheit und Lebenserwartung. Bei epigenetischen Veränderungen handelt es sich um Veränderungen der Genexpression, die nicht durch Modifizierungen der DNA hervorgerufen werden, sondern durch andere Faktoren, wie Umwelt und Ernährung sowie pharmazeutische, mikrobielle und den Lebensstil betreffende Aspekte, bedingt sind.

Darmbakterien und ihr Einfluss auf unsere Gesundheit

Der menschliche Darm beherbergt zwischen 1.000 und 10.000 Bakterienspezies mit mehr als 5 Millionen Genen. Welchen Einfluss hat dieses Mikrobiom auf die Gesundheit und Erkrankungen des Menschen? Anne Salonen von der Universität Helsinki berichtete von den großen Fortschritten, die in den letzten Jahren dabei erzielt wurden, die Komplexität des Darm-Mikrobioms besser zu verstehen. Eine der derzeitigen Herausforderungen besteht darin, nachzuvollziehen, wie unterschiedliche Umwelt- und Wirtsfaktoren die Vielfalt des Mikrobioms eines Individuums modifizieren.

Der Einfluss epigenetischer Faktoren auf den Alterungsprozess

In den letzten 100 Jahren ist die (allgemeine) Lebensdauer erheblich gestiegen. Pierluigi Nicotera vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn (Deutschland) führte aus, dass Studien darauf hindeuten, dass epigenetische Mechanismen für diese verlängerte Lebenserwartung verantwortlich sind. Allerdings bringen die verlängerten Lebensspannen andere Risiken für Gesundheit und Wohlbefinden mit sich. So erhöht die Langlebigkeit die Anfälligkeit des körpereigenen Genmaterials gegenüber zufälligen Fehlern oder Stressfaktoren. 

Was gibt es Neues auf dem Gebiet der reproduktiven Endokrinologie?

Der einzige Zweck unseres Daseins ist die Reproduktion, der Prozess also, mit dem wir unsere Gene an die nächste Generation weitergeben. Richard M. Sharpe von der Universität Edinburgh umriss die wichtigsten aktuellen Entwicklungen auf dem Forschungsgebiet der humanen Reproduktionsbiologie. Eine der zentralen Erkenntnisse scheint hier zu sein, dass wir nicht nur das Ergebnis unserer Gene sind, sondern auch die Wahl des Lebensstils unserer Eltern und Großeltern uns beeinflusst.

Wie wirkt sich die moderne Ernährung auf unsere Gesundheit aus?

Das Konzept „One Health – One Planet“ (eine Gesundheit – ein Planet) bezieht sich auf die Verflechtungen zwischen Ökologie, Umwelt, Tiergesundheit und menschlicher Gesundheit. Anknüpfend an das die Sektion durchziehende Grundthema der Epigenetik präzisierte James Trosko von der Michigan State University die Konsequenzen für die menschliche Gesundheit, die sich aus der Diskrepanz zwischen der langsamen biologischen Evolution unserer Gene und den raschen Veränderungen in der modernen Gesellschaft ergeben, insbesondere im Hinblick auf Ernährung und Lebensdauer.

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