Neue Finanzhilfen für molekulare Ansätze in Bezug auf durch Lebensmittel übertragbare Krankheitserreger sowie für „Read-across“-Methoden im Bereich chemische Gefahren

Wissenschaftliche Forschungseinrichtungen in den Mitgliedstaaten können ab sofort neue Fördermittel für Projekte in zwei Bereichen beantragen, die für die aktuelle und künftige Risikobewertungstätigkeit der EFSA von zentraler Bedeutung sind: die Bewertung mikrobiologischer und chemischer Gefahren. Dieser Anruf zur Einreichung von Vorschlägen ist die erste von mehreren neuen Finanzierungsmöglichkeiten, mit denen die EFSA die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern und Forschungseinrichtungen in ganz Europa fördern will.

Der Aufruf richtet sich an förderfähige wissenschaftliche Einrichtungen (sogenannte "Artikel-36-Organisationen“, die von den Mitgliedstaaten benannt werden) und bezieht sich auf Forschungsvorhaben in folgenden zwei Bereichen:

1) Molekulare Ansätze zur Identifizierung und Charakterisierung von durch Lebensmittel übertragbaren mikrobiellen Krankheitserregern, insbesondere mittels Vollgenomsequenzierung (Whole Genome Sequencing – WGS)

Der Einsatz der WGS zur Generierung neuer Daten könnte Risikobewertern helfen, ein besseres Verständnis der bakteriellen genetischen Vielfalt zu erlangen, epidemiologische Zusammenhänge einzuschätzen und Marker für ein krankheitserregendes Potenzial beim Menschen zu ermitteln. Gegenwärtig liegen in der EU jedoch nur begrenzte Erfahrungen zur Verwendung von WGS-Verfahren im Bereich der mikrobiellen Lebensmittelsicherheit vor.

Projekte zur Koordinierung der im Lebensmittelsektor sowie in der Human- und Veterinärmedizin unternommenen Anstrengungen sollen dazu beitragen, größeren Nutzen aus dem Einsatz der WGS für die Lebensmittelsicherheit und den Schutz der öffentlichen Gesundheit zu ziehen. Neue Wege der Datenanalyse sowie deren Übersetzung in verständlich geschriebene Berichte, die für öffentliche Gesundheitsmaßnahmen zu verwerten sind, werden ebenfalls benötigt.

2) Entwicklung und Anwendung von „Read-across“-Methoden zur Gefahrenbewertung chemischer Stoffe im Bereich der Lebensmittelsicherheit.

Dank moderner Methoden zur Identifizierung und Charakterisierung chemischer Gefahren erlebt die Toxikologie derzeit einen „Paradigmenwechsel“ von einem empirischen Untersuchungsansatz hin zu einem mechanistischen. Die Entwicklung prädiktiver Instrumente und neuer Risikobewertungsrahmen bringt eine systemtoxikologische Perspektive mit sich, die auf integrierte Teststrategien (ITS) zurückgreift. ITS treiben die Entwicklung neuer Instrumente voran, während alternative Versuchsmethoden sich darauf konzentrieren, die chemische Wirkungsweise (Mode of Action) bzw. die Sequenz der Reaktionsschritte und Prozesse, die mögliche Schadwirkungen auslösen können, abzubilden (Adverse Outcome Pathway).

Die vorgeschlagenen Projekte sollten die Nutzung physikalisch-chemischer Eigenschaften (z.B. quantitative Struktur-Wirkungs-Beziehungen) und historischer toxikologischer Daten aus in vivo- und in vitro-Studien mit Säugern sowie den Einsatz alternativer Versuchstierarten (z.B. Fische) im Rahmen von „Read-across“-Verfahren erforschen. Dabei sollten für die Lebens- und Futtermittelsicherheit relevante Fallstudien einbezogen werden (etwa aus den Bereichen Pestizide, Kontaminanten, Lebens- und Futtermittelzusätze, Aromastoffe oder Lebensmittelkontaktmaterialien) sowie evidenzbasierte Ansätze („Weight-of-evidence“) Anwendung finden.