Pestizide und aquatische Organismen – EFSA veröffentlicht neue Leitlinien

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat überarbeitete Leitlinien zur Bewertung der von Pestiziden ausgehenden Risiken für aquatische Organismen herausgegeben – darunter Fische, Amphibien, Wirbellose und Pflanzen –, die in Teichen, Gräben und Bächen in der Nähe von Feldern leben, die mit diesen Substanzen behandelt werden. Das vom Gremium der EFSA für Pflanzenschutzmittel und ihre Rückstände (PPR-Gremium) erarbeitete Leitliniendokument beschreibt Methoden zur Bewertung des Ausmaßes der Beeinträchtigung, die von einer Pestizid-Exposition für Populationen aquatischer Organismen, einschließlich Wasserpflanzen und Algen, ausgeht. Dieses Risikobewertungsmodell soll Risikobewerter und Entscheidungsträger auf nationaler und EU-Ebene dabei unterstützen, den Schutz aquatischer Organismen beim Inverkehrbringen von Pestiziden sicherzustellen.

Das PPR-Gremium wurde um die Aktualisierung der Leitlinien ersucht, damit die jüngsten regulatorischen und wissenschaftlichen Entwicklungen berücksichtigt werden können, die seit der ursprünglichen Erstellung des Dokuments durch die Europäische Kommission im Jahr 2002[1] erfolgten. Die Überarbeitung ist Teil des kontinuierlichen Beitrags der EFSA zum Schutz von Verbrauchern, Tieren und Umwelt vor Risiken im Zusammenhang mit Pestiziden.

Die Leitlinien zur Risikobewertung von Pestiziden wurden nach einer umfassenden öffentlichen Konsultation unter Berücksichtigung Hunderter von Kommentaren erarbeitet, die von den wichtigsten Interessengruppen eingereicht wurden. Die Leitlinien enthalten Empfehlungen, wie sich analysieren lässt, ob die Pestizid-Konzentrationen, die in an Anbauflächen angrenzenden Oberflächengewässern vorliegen, ein kurz- oder langfristiges Risiko für aquatische Organismen darstellen. Das Dokument enthält detaillierte Anleitungen, wie die Wirkungen von Pestiziden auf aquatische Organismen zu bewerten und mit einer Expositionsabschätzung zu verknüpfen sind.

Das vorrangige Ziel der Leitlinien besteht darin, die Gesamtpopulationsgrößen aquatischer Organismen zu sichern. In Rücksprache mit Risikomanagern hat das PPR-Gremium Maßnahmen erarbeitet, die einen verbesserten Schutz für aquatische Wirbellose, wie Fische und Amphibien, bieten.

Zur Erreichung dieser Ziele beschreiben die Leitlinien ausführlich zwei Modelle, die von Risikomanagern zur Bewertung der möglichen Wirkung von Pestiziden auf aquatische Organismen angewandt werden können, wobei sich die Modelle auf jeweils eines von zwei möglichen gewünschten Schutzzielen beziehen:

  • Die Möglichkeit des ökologischen Schwellenwerts (ecological threshold option – ETO), die nur vernachlässigbare Wirkungen auf aquatische Organismen zulässt.
  • Die Möglichkeit der ökologischen Erholung (ecological recovery option – ERO), die einige nachteilige Auswirkungen auf Populationen aquatischer Organismen zulässt, solange diese sich innerhalb eines akzeptablen Zeitraums wieder erholen.

Wie in den bisherigen Leitlinien wird auch in dem überarbeiteten Dokument eine mehrstufige Bewertungsmethode zur Erreichung der gewünschten Schutzziele vorgeschlagen. Die neuen Leitlinien geben jedoch detailliertere Empfehlungen zur Anwendung des mehrstufigen Bewertungsansatzes, um so einen harmonisierten Bewertungsrahmen für alle Risikobewerter in der EU bereitzustellen.

Die neue mehrstufige Bewertungsmethodik führt von einer grundlegenden Ausgangsstufe, bei der gesetzlich geforderte Kerndaten verwendet werden, bis hin zu komplexeren und differenzierteren höheren Stufen. Auf der ersten Stufe wird ein konservativer Ansatz angewandt, der einen hohen Sicherheitsfaktor in die Bewertungen einbezieht. Dies bedeutet, dass Risiken für aquatische Organismen durch Pestizide für Konzentrationen bewertet werden, deren Auftreten beim Einsatz der Stoffe gemäß guter landwirtschaftlicher Praxis unwahrscheinlich ist. Ergibt sich auf dieser untersten Stufe kein Hinweis auf ein Risiko, ist davon auszugehen, dass eine Bedrohung für aquatische Organismen durch den entsprechenden Stoff tatsächlich ausgeschlossen werden kann. Lässt sich zunächst kein Risiko ausschließen, bieten die höheren Stufen der Bewertung von Pestizidwirkungen auf aquatische Organismen eine differenziertere Evaluierung des möglichen Risikos.

Das Leitliniendokument enthält auch ausführliche Empfehlungen, wie sich gesetzlich zulässige Pestizid-Konzentrationen im Wasser – sogenannte regulatorisch akzeptable Konzentrationen (regulatory acceptable concentrations, RAC) – ableiten lassen, so dass der Schutz aquatischer Organismen entsprechend den zwei vorgeschlagenen Bewertungsmodellen gewährleistet ist.

Im November 2013 wird die EFSA für alle Interessengruppen eine Informationsveranstaltung zu dem Leitliniendokument abhalten.

Feature zum Thema: Interview (Q

Veranstaltung: EFSA Info Session with stakeholders on revised aquatic ecotoxicology guidance

[1] Guidance Document (GD) on Aquatic Ecotoxicology (Leitliniendokument zur aquatischen Ökotoxikologie) gemäß Richtlinie 91/414/EWG des Rates (SANCO/3268/2001 rev.4 (final), 17. Oktober 2002).

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