Fleischbeschau: EFSA schließt Überprüfung der derzeitigen Praxis ab und empfiehlt Verbesserungen

Pressemitteilung
27 Juni 2013

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat ein umfangreiches Projekt abgeschlossen, das die wissenschaftliche Grundlage für eine EU-weite Modernisierung der Fleischbeschau schaffen soll. Unter Verfolgung eines risikobasierten Ansatzes hat die EFSA von Fleisch ausgehende Gefahren für die öffentliche Gesundheit ermittelt und eingestuft. Einem Ersuchen der Europäischen Kommission folgend hat die Behörde Verbesserungen der Fleischbeschauverfahren empfohlen, um die Verbraucher vor Risiken im Zusammenhang mit solchen Gefahren zu schützen.

Die Geschäftsführende Direktorin der EFSA, Catherine Geslain-Lanéelle, erklärte: „Die Ergebnisse dieser Arbeit werden Risikomanager dabei unterstützen, Risiken für die öffentliche Gesundheit auf einer wichtigen Stufe der Fleischerzeugungskette zu begrenzen“.

Die vier heute veröffentlichten wissenschaftlichen Gutachten dienen der Beratung hinsichtlich der Fleischbeschauverfahren bei Rindern, Schafen und Ziegen, Zuchtwild sowie als Haustiere gehaltenen Einhufern wie Pferden. Ihnen gingen zwei Gutachten über die Fleischbeschau bei Schweinen und Geflügel voraus, die jeweils in den Jahren 2011 und 2012 veröffentlicht wurden. Seither hat die EFSA die Fleischbeschauverfahren bei einer Vielzahl unterschiedlicher Tierarten bewertet, die in der EU zur Fleischerzeugung dienen.

Herkömmliche Verfahren der Fleischbeschau sind zum Nachweis der wichtigsten von Fleisch ausgehenden Gefahren, wie Campylobacter und Salmonella, oder der Kontamination durch chemische Substanzen, wie persistenten (langlebigen) organischen Schadstoffen oder verbotenen Substanzen, nicht immer geeignet. Aus diesem Grund entschied die Europäische Kommission, die Praxis der Fleischbeschau in der EU zu modernisieren.

Bei allen der Fleischerzeugung dienenden Tieren, die berücksichtigt wurden, hat die EFSA von Fleisch ausgehende biologische und chemische Gefahren ermittelt und entsprechend ihrem Risiko für die öffentliche Gesundheit eingestuft.

Hinsichtlich der biologischen Gefahren stützt sich die Einstufung auf die Bewertung ihrer Auswirkungen auf die Inzidenz von Krankheiten, des Schweregrads der Krankheiten beim Menschen und die Hinweise darauf, dass der Verzehr des Fleisches der verschiedenen Tierarten ein wichtiger Risikofaktor für das Auftreten der Krankheit ist.

Die Einstufung der chemischen Gefahren basiert auf den Ergebnissen der nationalen Rückstandskontrollpläne aus den Jahren 2005 bis 2010 und anderer Testprogramme sowie auf stoffspezifischen Kriterien wie etwa dem toxikologischen Profil.

Darüber hinaus hat die EFSA für die wichtigsten von Lebensmitteln ausgehenden biologischen Gefahren harmonisierte epidemiologische Indikatoren vorgeschlagen. Diese Indikatoren werden im Rahmen des vorgeschlagenen umfassenden Systems zur Gewährleistung der Sicherheit von Fleisch von Nutzen sein, indem sie die Kategorisierung von Erzeugerbetrieben, Herden und Schlachthöfen entsprechend dem potenziellen Risiko sowie die Festlegung mikrobiologischer Zielwerte für Schlachtkörper erlauben.

Die wissenschaftlichen Sachverständigen der EFSA haben Verbesserungen der derzeitigen Praxis bzw. alternative Verfahren der Fleischbeschau vorgeschlagen und dabei auch die Auswirkungen der vorgeschlagenen Änderungen auf die aktuelle Überwachungspraxis im Hinblick auf Tiergesundheit und Tierschutz berücksichtigt.

Bei der Ausführung dieses komplexen und bereichsübergreifenden Auftrags konnte die EFSA auf ihr breite Fachkompetenz auf zahlreichen Gebieten innerhalb ihres wissenschaftlichen Aufgabenbereichs zurückgreifen: biologische Gefahren, einschließlich Zoonosen (Tierkrankheiten, die auf Menschen übertragbar sind), chemische Kontaminanten in der Lebensmittelkette, Tiergesundheit und Tierschutz sowie Methoden der Risikobewertung und Datensammlung.

ANHANG

Überblick über die wichtigsten Ergebnisse
Wichtigste, für die einzelnen Tierarten ermittelten biologischen und chemischen Gefahren

Tierarten Biologische Gefahren Chemische Gefahren
Rinder Verocytotoxin produzierende Escherichia coli (VTEC), Salmonella Dioxine, dioxinähnliche polychlorierte Biphenyle (DL-PBC)
Schafe und Ziegen VTEC, Toxoplasma Dioxine, dioxinähnliche polychlorierte Biphenyle (DL-PBC)
Einhufer Trichinella Phenylbutazon*, chemische Elemente (Cadmium)
Zuchtwild (Rehe, Hirsche) Toxoplasma Keine
Zuchtwild (Wildschweine) Salmonella, Toxoplasma Keine
Zuchtwild (Rentiere, Strauße, Kaninchen) Keine Keine

*Die EFSA empfiehlt die Aufnahme von Phenylbutazon, dessen Einsatz innerhalb der Lebensmittelkette verboten ist, in die nationalen Rückstandskontrollpläne (NRKP) insbesondere für Einhufer.

Empfehlungen für alle Tierarten

Biologische Gefahren

  • Einführung eines umfassenden Systems zur Gewährleistung der Sicherheit von Fleisch, einschließlich definierter Zielwerte für die wichtigsten Gefahren bei Schlachtkörpern. Hierzu sind u. U. neue Daten zu biologischen Gefahren erforderlich, die die Ableitung solcher Zielwerte erlauben.
  • Zur Einhaltung dieser Zielwerte sollten sowohl auf Ebene der Erzeugerbetriebe als auch der Schlachthöfe die für die wichtigsten Gefahren verfügbaren Überwachungsoptionen genutzt werden.
  • Herden/Erzeugerbetriebe und Schlachthöfe sollten entsprechend der Risikohöhe der biologischen Gefahren kategorisiert werden.
  • Das routinemäßige Abtasten oder Anschneiden bei der Post-mortem-Beschau sollte unterlassen werden.

Auswirkungen auf Tiergesundheit und Tierschutz

  • Die Fleischbeschau – sowohl ante als auch post mortem – ist ein wertvolles Instrument für die Überwachung bestimmter Bedingungen im Hinblick auf Tiergesundheit und Tierschutz.
  • Bei ausschließlicher Durchführung visueller Post-mortem-Untersuchungen sollten andere Ansätze verfolgt werden, um den damit verbundenen Verlust an Informationen hinsichtlich der Tiergesundheit und des Tierschutzes auszugleichen. Die Umstellung auf eine ausschließlich visuelle Post-mortem-Beschau würde bei manchen Tierkrankheiten die Qualität der Überwachung beeinträchtigen. Insbesondere dürfte sich dies ungünstig auf die Überwachung der Rindertuberkulose auswirken.
  • Die stärkere Berücksichtigung anderer, entlang der gesamten Lebensmittelkette hinweg erfasster Daten könnte den Verlust einiger, jedoch nicht aller durch die vorgeschlagenen Änderungen verloren gehenden Informationen ausgleichen.

Kontaminanten

  • Überwachung von chemischen Rückständen und Kontaminanten basierend auf dem Risiko ihres Vorkommens unter Berücksichtigung von Informationen zur Lebensmittelkette und ihrer Priorisierung entsprechend der Bedenklichkeit.
  • Auf Testergebnissen beruhende, flexiblere Kontrollprogramme, die auch neue Gefahren erfassen können.
  • Stärker integrierte Protokolle für Probenahme, Tests und Maßnahmen bei der Überwachung von chemischen Stoffen in der Lebensmittelkette und von Umweltschadstoffen.

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