Offene Plenarsitzungen der EFSA sind laut Wissenschaftlern und Beobachtern eine begrüßenswerte Initiative

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12 Februar 2013

Seit knapp einem Jahr lässt die EFSA Beobachter zu wissenschaftlichen Sitzungen zu. In dieser Zeit haben viele der Wissenschaftlichen Gremien der Behörde sowie ihr Wissenschaftlicher Ausschuss für Beobachter geöffnete Plenarsitzungen abgehalten, so dass interessierte Dritte sich aus erster Hand einen Einblick darüber verschaffen konnten, wie die wissenschaftliche Risikobewertung bei der EFSA abläuft, und Gelegenheit hatten, mit den wissenschaftlichen Sachverständigen der Behörde persönlich in Kontakt zu treten.

An der Sitzung des Wissenschaftlichen Ausschusses[1] am 5./6. Februar nahm eine Reihe von Beobachtern interessierter Organisationen teil und verfolgte die Diskussionen über eine Vielzahl von Themen, darunter die Arbeiten des Ausschusses zu endokrin wirksamen Stoffen.

Zu den teilnehmenden Beobachtern zählte auch Stefanie Geiser von European Advisory Services, einem Unternehmen, das Beratung zu Regulierungssystemen insbesondere im Bereich Ernährung anbietet. Sie erklärte: „Es war gut zu sehen, wie durch den Wissenschaftlichen Ausschuss alles miteinander verknüpft wird. Transparenz ist schon vom Grundsatz her eine gute Sache, und hier bietet sie die Chance, einen Eindruck davon zu bekommen, wie die EFSA arbeitet, und sie besser zu verstehen.“

Julie North, die für TSGE Europe, einem unabhängigen Beratungsunternehmen für wissenschaftliche und regulatorische Dienstleistungen, tätig ist, berichtete, die Sitzung habe ihr hinsichtlich der Position der EFSA gegenüber der Europäischen Kommission „die Augen geöffnet“, und fügte hinzu: „Die EFSA wird häufig für Regulierungsfragen verantwortlich gemacht, die außerhalb ihres Verantwortungsbereichs liegen.“

Andere Beobachter erklärten, es sei interessant gewesen zu sehen, wie der Wissenschaftliche Ausschuss arbeitet. Sie betonten, die Einführung zur Diskussion über endokrin wirksame Stoffe sei besonders hilfreich gewesen. Des Weiteren äußerten sie sich anerkennend über das Grußwort der Geschäftsführenden Direktorin, in dem diese erklärte, die Sitzung sei flexibel und die Beobachter könnten neben den bereits vorab eingereichten Fragen noch Zusatzfragen stellen.

Der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Ausschusses, Tony Hardy, erklärte, er habe sich gefreut, die interessierten Beobachter bei der Plenarsitzung begrüßen zu können, und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass sie Einblicke in die Art und Tiefe der wissenschaftlichen Diskussionen gewonnen haben. „Für mich ist dies ein weiterer positiver Schritt zur Förderung der Transparenz der EFSA“, führt er aus. „Es schien nicht, als habe die Anwesenheit der Beobachter unseren lebhaften und eingehenden Meinungsaustausch beeinträchtigt. Und am Ende der Sitzung waren noch alle da!“

Das Gremium für Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, Enzyme, Aromastoffe und Verarbeitungshilfsstoffe (CEF) der EFSA hielt Ende Januar eine gut besuchte Plenarsitzung ab, an der Beobachter aus der Industrie sowie von Hochschulen und Gesundheitsbehörden teilnahmen.

Die Themenbreite reichte von der Bewertung von Aromastoff-Gruppen bis hin zur möglichen Überarbeitung der Leitlinien für die Einreichung von Daten zu Lebensmittelkontaktmaterialien. Einen besonderen Stellenwert nahm dabei die Vorstellung der jüngsten Entwicklungen im Zusammenhang mit dem anstehenden wissenschaftlichen Gutachten des Gremiums zu Bisphenol A ein, einem Stoff, der in Lebensmittelkontaktmaterialien verwendet wird.

Die Beobachter der Sitzung des CEF-Gremiums reagierten positiv auf die Initiative. Sie erklärten, sie hätten sich gefreut, an der Sitzung teilnehmen und Fragen über die Einreichung der für die Bewertung von Aromastoffen erforderlichen Daten stellen zu können.

Miguel Angel Prieto Arranz, der für den europäischen Dachverband der chemischen Industrie (European Chemical Industry Council CEFIC) tätig ist, führte aus: „Ich wurde nicht enttäuscht. Aus meiner Sicht als Verbraucher war es sehr beruhigend zu sehen, wie sorgfältig das Gremium bei der Erarbeitung seiner wissenschaftlichen Gutachten vorgeht.“

Auch Vertreter aus dem akademischen Bereich waren unter den Beobachtern des CEF-Gremiums. Stela Sava-Albaladejo von der Universität Versailles, Frankreich, promoviert über europäisches Lebensmittelrecht und die Rolle der Wissenschaft bei Regulierungsentscheidungen.

„Es besteht eine große Kluft zwischen akademischer Theorie und realer Praxis“, erklärte sie. „Meines Erachtens verstehen wir Akademiker nicht wirklich, wer die Entscheidungen trifft und wer die Risiken bewertet. Deshalb kam ich hierher, um es herauszufinden.“

Wim Mennes, stellvertretender Vorsitzender des CEF-Gremiums, berichtete, die Anwesenheit der Beobachter habe den Diskussionen keinen Abbruch getan. „Möglicherweise neigt man bei dieser Art von Veranstaltungen dazu, darauf zu achten, was man sagt, aber meines Erachtens fand ein normaler, offener Austausch statt, und kein Mitglied des Gremiums hielt sich zurück.“

Die Öffnung der wissenschaftlichen Sitzungen für Beobachter ist Teil der laufenden Bemühungen der EFSA, die Transparenz des Risikobewertungsprozesses zu erhöhen. Die Initiative steht auch in Einklang mit den Empfehlungen des Verwaltungsrats nach der im letzten Jahr veröffentlichten externen Evaluierung der EFSA und den Empfehlungen der Konsultationsplattform für Interessengruppen der Behörde.

Um interessierten Kreisen ein Verständnis für die Arbeit der EFSA zu ermöglichen, stehen auf der Website der EFSA bereits umfangreiche Informationen über die wissenschaftliche Risikobewertung sowie die Aufgaben, Mitglieder, Interessenserklärungen und Sitzungen der Gremien zur Verfügung. Das Register der Anfragen ermöglicht es interessierten Dritten zudem, den Risikobewertungsprozess von Anfang bis Ende zu verfolgen.

Zu den nächsten für Beobachter geöffneten Sitzungen zählen unter anderem die Sitzung des Gremiums für Diätetische Produkte, Ernährung und Allergien (NDA) vom 20.-22. März und die Sitzung des Gremiums für Genetisch veränderte Organismen (GMO) am 17./18. April. Interessenten für die Teilnahme können sich hier anmelden:


[1] Der Wissenschaftliche Ausschuss unterstützt die Arbeit der Wissenschaftlichen Gremien der EFSA zu bereichsübergreifenden Themen und bietet der Geschäftsführenden Direktorin der EFSA strategische Beratung.