„Europa braucht eine stärkere EFSA und eine stärkere Risikobewertungsgemeinschaft“

Pressemitteilung
16 November 2012

In Europa gelten mit die höchsten Standards für die Sicherheit von Lebensmitteln weltweit, und gemeinsam werden wir diese Errungenschaft bewahren und weiterentwickeln. Mit dieser Botschaft schloss die Geschäftsführende Direktorin der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine Konferenz, die die EFSA mit großem Erfolg gemeinsam mit der Generaldirektion für Gesundheit und Verbraucher (GD SANCO) der Europäischen Kommission in dieser Woche in Parma abgehalten hat.

„Bei dieser Konferenz haben wir viele verschiedene Stimmen gehört, und wir sollten diesen Dialog weiter ausbauen. Das Wichtigste ist, dass wir uns heute darauf verständigt haben, dass Europa eine stärkere EFSA und eine stärkere Risikobewertungsgemeinschaft braucht“, so Catherine Geslain-Lanéelle. Sie sprach zum Abschluss einer Konferenz, zu der Vertreter der Europäischen Kommission, des Europäischen Parlaments, von Nichtregierungsorganisationen und Industrieverbänden gekommen waren. Die Veranstaltung bildete den Höhepunkt einer Reihe von Aktivitäten der EFSA anlässlich des zehnten Jahrestags ihrer Gründung und der Einführung des Allgemeinen Lebensmittelrechts im Jahr 2002.

Die Konferenz zum Thema „Ready for the Challenges of Tomorrow“ (bereit für die Herausforderungen von morgen) bot wichtigen Partnern und Interessengruppen der EFSA Gelegenheit, über die ersten zehn Jahre des Bestehens der Behörde Bilanz zu ziehen und über das weitere Vorgehen zu diskutieren.

In seiner Einführungsrede lobte Ladislav Miko, stellvertretender Generaldirektor für die Lebensmittelkette bei der GD SANCO, die Arbeit der Behörde: „Das bei der EFSA gebündelte wissenschaftliche Fachwissen sucht seinesgleichen in der Welt, und die Kommission schätzt die Behörde als einen wichtigen Partner.“ Und er fügte hinzu: „Ihre Tätigkeit hat Auswirkungen auf das tägliche Leben der EU-Bürger.“

Die Antworten der Panelteilnehmer und Delegierten auf die Frage, welche Leistungen der EFSA sie als wesentliche Errungenschaften erachten, ergaben ein breites Spektrum. So habe die Behörde

  • dafür gesorgt, Lebensmittel schneller sicherer zu machen, und somit „Zeit gespart“;
  • die Fähigkeit der EU gestärkt, rasch und wirksam auf Lebensmittelkrisen zu reagieren;
  • die Zusammenarbeit mit und zwischen den Mitgliedstaaten intensiviert; und
  • eine Kultur des Vertrauens zwischen Risikobewertern und Risikomanagern zur Unterstützung einer wissenschaftlich fundierten Politikgestaltung geschaffen.

Die Konferenzteilnehmer befassten sich auch mit den künftigen Herausforderungen und erörterten – in Anknüpfung an ein Thema der wissenschaftlichen Konferenz, die die EFSA in der Woche zuvor abgehalten hatte – die fortwährende Bedeutung des Dialogs mit Risikomanagern und Interessengruppen.

Unter anderem wurden folgende Aspekte als künftige Herausforderungen genannt:

  • Wie kann in Zeiten von Sparzwängen sichergestellt werden, dass die Behörde über genügend Mittel zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben verfügt?
  • Es ist notwendig, zu einem besseren Verständnis der öffentlichen Risikowahrnehmung zu gelangen und die Kommunikation zugänglicher zu gestalten, insbesondere in Anbetracht der zunehmenden Bedeutung von Social Media und viralen Nachrichten, die über das Internet verbreitet werden.
  • Es ist wichtig sicherzustellen, dass auch in Zukunft auf die besten wissenschaftlichen Sachverständigen zurückgegriffen werden kann, und die Risikobewertungskapazitäten in der EU auszubauen.

Eine zweite Sektion war der Rolle der Wissenschaft im Rahmen der Politikgestaltung gewidmet. Marit Paulsen, stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung des Europäischen Parlaments, führte in das Thema ein und plädierte dafür, dass sich Politiker um eine „Hubschraubersicht“ bemühen und das Thema öffentliche Gesundheit ganzheitlich betrachten sollten. „Es ist unerlässlich, dass die Wissenschaft bei mehr Politikern Gehör findet. Kurzfristiges Denken ist keine Basis für eine sichere, nachhaltige Lebensmittelkette“, gab sie zu bedenken und fuhr fort: „Die Gestaltung der Zukunft ist eine gemeinsame Aufgabe von Wissenschaftlern, Politikern und Bürgern.“

Anschließend setzten sich die Teilnehmer der Sektion unter anderem mit folgenden Fragen auseinander: „Sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die Beschlüssen im Bereich der Lebensmittelsicherheit zugrundeliegen, zuverlässig?“ und „Wird bisweilen die Wissenschaft für Probleme verantwortlich gemacht, die nicht ihr, sondern der Politik oder der Wirtschaft zuzuschreiben sind?“ Auch die Rolle von Nichtregierungsorganisationen war Gegenstand der Diskussion, ebenso wie die Notwendigkeit sicherzustellen, dass Fragen zur Politikgestaltung an die richtigen Adressaten gerichtet werden, d.h. an die Risikomanager und nicht die Risikobewerter.

In einer breitgefächerten Debatte betonten mehrere Redner, dass ein streng wissenschaftliches methodisches Vorgehen der beste Schutz vor Bedenken hinsichtlich des Ursprungs und der Objektivität von Daten und Forschungsergebnissen ist.

Professor Anthony Hardy, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Ausschusses der EFSA, stellte fest: „Es ist unerheblich, wer wissenschaftliche Belege beibringt, solange diese der Prüfung standhalten und anerkannten wissenschaftlichen Kriterien genügen.“ David Byrne, ehemaliger EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz, fügte hinzu: „Wissenschaft ist der Lebensnerv der Risikobewertung. Ist die wissenschaftliche Methode fundiert, ist auch das Ergebnis zuverlässig.“

José Bové, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung des Europäischen Parlaments, stimmte dem zu: „Wir brauchen die EFSA, wir brauchen sogar eine stärkere EFSA. Aber die EFSA braucht auch kritische Freunde.“ Und weiter: „Die Behörde kann den Dialog ausbauen, und sie kann konstruktive Kritik und Forderungen von Nichtregierungsorganisationen stärker berücksichtigen.“

Catherine Geslain-Lanéelle wies in ihren Schlussbemerkungen darauf hin, dass sich die Wissenschaft kontinuierlich weiterentwickle und dass die EFSA Risikomanager auch in Zukunft bei der Festlegung von Schwerpunkten zum Schutz der Verbraucher unterstützen müsse. Die Behörde freue sich darauf, mit all ihren Partnern – in Europa und darüber hinaus – den weiteren Weg gemeinsam zu gestalten.

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