EFSA legt Bevölkerungsreferenzwerte für die Proteinzufuhr fest

Webnachricht
9 Februar 2012

Mit der Veröffentlichung von Werten für die Bevölkerungsreferenzzufuhr (Population Reference Intakes – PRI) für Eiweiß hat die EFSA die letzte Phase ihrer Arbeit zu Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr (Dietary Reference Values – DRV) abgeschlossen.

Ein PRI-Wert gibt die von Alter und Geschlecht abhängige Menge eines einzelnen Nährstoffs an, von der angenommen wird, dass sie die Mehrheit einer bestimmten Bevölkerungsgruppe vor ernährungsbedingten Gesundheitsschäden schützt. Das EFSA-Gremium für diätetische Produkte, Ernährung und Allergien hat die Bevölkerungsreferenzwerte für die Proteinzufuhr von Erwachsenen, Säuglingen und Kindern sowie Schwangeren und stillenden Mütter wie folgt festgesetzt:

  • Erwachsene (einschließlich ältere Menschen) – 0,83 g pro kg Körpergewicht pro Tag
  • Säuglinge, Kinder und Jugendliche – je nach Alter zwischen 0,83 g und 1,31 g pro kg Körpergewicht pro Tag
  • Schwangere – zusätzliche Aufnahme von 1 g, 9 g und 28 g pro Tag für das jeweils erste, zweite beziehungsweise dritte Schwangerschaftsdrittel
  • Stillende Mütter – zusätzliche Aufnahme von 19 g pro Tag während der ersten 6 Monate der Stillzeit und danach 13 g pro Tag

Das Gremium beschäftigte sich zwar auch mit verschiedenen gesundheitsbezogenen Ausirkungen, etwa auf Knochengesundheit, Körpergewicht, Muskelmasse und Nierenfunktion, die mit der Proteinzufuhr in Zusammenhang gebracht werden können, kam aber zu dem Schluss, dass die vorliegenden Daten nicht ausreichen, um auf Grundlage dieser Auswirkungen Werte für die Bevölkerungsreferenzzufuhr abzuleiten.

Das Gremium hält die Proteinzufuhr in allen Bevölkerungsgruppen in Europa für ausreichend. Gemäß nationalen Erhebungen von Lebensmittelverzehrsdaten liegt die durchschnittliche Proteinzufuhr bei Erwachsenen oft bei oder über dem Bevölkerungsreferenzwert von 0,83 g pro kg Körpergewicht pro Tag (zwischen 67 g und 114 g pro Tag für Männer und zwischen 59 g und 102 g pro Tag für Frauen).

Die Bevölkerungsreferenzwerte für die Proteinzufuhr beziehen sich auf gemischtes Nahrungseiweiß sowohl tierischer als auch pflanzlicher Herkunft. Das Gremium stellt fest, dass zufolge der Umfassenden Europäischen Datenbank der EFSA über den Lebensmittelverzehr Fleisch und Fleischprodukte die hauptsächlichen Proteinquellen in der Ernährung von Erwachsenen in Europa sind, gefolgt von Getreide/Getreideprodukten und Milch-/Molkereiprodukten.

Die EFSA hat das heute veröffentlichte wissenschaftliche Gutachten über die Proteinzufuhr auf ein Ersuchen der Europäischen Kommission erstellt, die bisherigen europäischen Empfehlungen zu Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr unter Berücksichtigung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und jüngster, auf nationaler und internationaler Ebene herausgegebener Empfehlungen zu aktualisieren. Das Gremium hatte in früheren Gutachten bereits Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr für Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Fette und Wasser festgesetzt.

Dieses und frühere Gutachten über Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr wurden vom Gremium nach Rücksprache mit Mitgliedstaaten, Wissenschaftlern und anderen Interessengruppen verabschiedet. Durch diese Konsultationen ist gewährleistet, dass die EFSA beim Abschluss ihrer Arbeiten auf ein möglichst breites Spektrum an Informationen, Daten und Ansichten zurückgreifen kann und den politischen Entscheidungsträgern der EU umfassende Beratung auf dem neuesten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse bietet.


Hinweise für die Redaktion:

Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr (DRV) umfassen einen ganzen Satz an quantitativen Werten, wie den durchschnittlichen Nährstoff- bzw. Energiebedarf, die Bevölkerungsreferenzzufuhr, die angemessene Aufnahmemenge, den Referenzbereich und den unteren Schwellenwert für die Aufnahme sowie die zulässige Aufnahmehöchstmenge. Sie können als Grundlage für die Lebensmittelkennzeichnung und die Festlegung lebensmittelorientierter Ernährungsleitlinien verwendet werden (s. auch das wissenschaftliche Gutachten der EFSA über die Festlegung lebensmittelorientierter Ernährungsleitlinien – Scientific Opinion on establishing Food-Based Dietary Guidelines ).

Das Gremium setzte die Bevölkerungsreferenzzufuhr für Eiweiß anhand der Stickstoffbilanz fest. Die Stickstoffbilanz ist die Differenz zwischen der Stickstoffaufnahme über die Nahrung und der Stickstoffmenge, die mit den Ausscheidungsprodukten des Körpers abgeführt wird. Bei gesunden Erwachsenen entspricht der Eiweißbedarf der Menge, die für die Aufrechterhaltung einer ausgeglichenen Stickstoffbilanz nötig ist. Die faktorielle Methode wird zur Berechnung des Eiweißbedarfs unter physiologischen Bedingungen, wie Wachstum, Schwangerschaft oder Stillen, angewendet. In diesen Fällen wird Stickstoff nicht nur für die Aufrechterhaltung der Stickstoffbilanz, sondern auch die Ablagerung von Eiweiß in neu gebildeten Geweben und der Milch benötigt. Bei Kindern muss die Stickstoffbilanz positiv sein, damit ein Wachstum möglich ist.

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