EFSA veröffentlicht Empfehlungen zur Risikominimierung hinsichtlich der möglichen Exposition gegenüber STEC in Gemüsen

Pressemitteilung
9 Juni 2011

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat eine im Schnellverfahren erstellte Risikobewertung zur Verbraucherexposition gegenüber STEC/VTEC (Shiga-Toxin bzw. Verotoxin bildende E. coli) durch den Verzehr roher Gemüse veröffentlicht und gibt Empfehlungen zur Risikominimierung hinsichtlich der möglichen Kontamination von Lebensmitteln und Infizierung von Menschen. Der für den gegenwärtigen Ausbruch in Deutschland verantwortliche Stamm (STEC O104:H4) kommt zwar selten vor, weist jedoch Ähnlichkeit mit früher gemeldeten Stämmen auf[1].

Der Expositionsweg für den STEC-Ausbruch in Deutschland ist nach wie vor unbekannt. Obwohl die Kontamination roher Gemüse mit STEC selten ist, wurde sie mit einigen schweren Ausbrüchen, einschließlich dem gegenwärtigen Ausbruch in Deutschland, in Zusammenhang gebracht. Die Europäische Kommission hat daher die EFSA ersucht, Beratung bezüglich der relativen menschlichen Exposition gegenüber STEC durch die oberflächliche bzw. innere Kontamination von Gemüsen sowie den Umgang mit Gemüsen von der Erzeugung bis zum Verbraucher bereitzustellen. Aufgrund begrenzter verfügbarer Informationen bezüglich STEC in Gemüsen war es den Wisenschaftlern der EFSA unmöglich, die relative menschliche Exposition über diese Wege abzuschätzen. Im Hinblick auf die Risikominimierung betonen die Wissenschaftler der EFSA die Bedeutung der Vermeidung einer Kontamination vor und nach der Ernte.

Der Bewertung der EFSA-Wissenschaftler zufolge ähnelt der Stamm, der ursächlich für den Ausbruch in Deutschland ist, früher gemeldeten Stämmen. Jedoch ist er im Verlauf des gegenwärtigen Ausbruchs für eine ungewöhnlich hohe Zahl von Fällen und einen erhöhten Schweregrad der Erkrankung verantwortlich. Die Infektion mit STEC kann beim Menschen blutige Durchfälle verursachen und zu Fällen des hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) führen, eine systemische Krankheit, die in vereinzelten Fällen zu akutem Nierenversagen und zum Tod führen kann.

Mögliche Wege der menschlichen Exposition und Ansteckung mit STEC sind kontaminierte Lebensmittel und Trinkwasser, der direkte oder indirekte Kontakt mit Tieren sowie der Kontakt von Mensch zu Mensch. In ihrem Bericht hat die EFSA insbesondere die mögliche Exposition durch Gemüse bewertet.

In ihrer Expositionsbewertung berücksichtigte die EFSA die bakterielle Kontamination auf der Oberfläche sowie im Inneren von Gemüsen, sowohl vor als auch nach der Ernte. Während auf EU-Ebene die generelle Verbreitung der Gemüsekontamination mit STEC sehr niedrig ist, gibt es in der internationalen wissenschaftlichen Fachliteratur eine zunehmende Zahl von Berichten über STEC-Ausbrüche, die mit Gemüsen, insbesondere Sprossen und grünen Blattsalaten, im Zusammenhang stehen. Die Kontamination ereignet sich zumeist auf der Oberfläche des Pflanzengewebes. Eine innere Kontamination, etwa über die Wurzel der Pflanze, kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, auch wenn die diesbezüglichen Daten von sehr begrenzter und experimenteller Natur sind.

Entsprechend dem Ersuchen der Euopäischen Kommission geben die Wissenschaftler der EFSA Empfehlungen zur Minimierung eines möglichen Risikos durch die Kontamination von Lebensmittel sowie die menschliche Infizierung durch STEC. Die EFSA bestätigt bestehende Empfehlungen zur Bedeutung der Beachtung guter lanwirtschaftlicher Praxis sowie guter Herstellungs- und Hygienepraktiken, wie sie in international anerkannten Leitlinien festgelegt sind.

Neben ihrer beratenden Tätigkeit unterstützt die EFSA die Untersuchung des STEC-Ausbruchs auch durch die Zurverfügungstellung von erfahrenen wissenschaftlichen Mitarbeitern, die über Fachkompetenz in den Bereichen der Datenerhebung sowie der epidemiologischen Analyse, einschließlich lebensmittelbedingter Ausbrüche, verfügen. Darüber hinaus wird die Behörde im Verlauf des heutigen Tages zusammen mit dem Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) einen technischen Bericht zur Prävalenz und Inzidenz[2] von STEC-Infizierungen bei Menschen, Tieren und Lebensmitteln veröffentlichen. Dieser Bericht basiert auf Daten, die der Europäischen Kommission, dem ECDC und der EFSA jährlich von den EU-Mitgliedstaaten zur Verfügung gestellt werden, sowie auf Daten aus der laufenden Untersuchung des gegenwärtigen STEC-Ausbruchs.


Hinweise für die Redaktion:

Bei der Minimierung von Risiken, die durch eine mögliche Lebensmittelkontamination bzw. menschliche Infizierung durch STEC ausgehen, sollte der Schwerpunkt auf der Vermeidung der Kontamination vor und nach der Ernte liegen. 

Empfehlungen zur Risikominimierung umfassen:

  • Vor der Ernte – Gute landwirtschaftliche Praxis, d. h. Vermeiden des Zutritts von landwirtschaftlichen Nutztieren in die unmittelbare Umgebung von Frischwaren; Verwendung von Beregnungswasser von entsprechender mikrobiologischer Qualität; kontrollierte Beschaffung, Handhabung und Aufbereitung von organischem Dünger.
  • Nach der Ernte – Die Anwendung von Risikominimierungsmaßnahmen entsprechend den Regeln guter Herstellungs- und Hygienepraxis in Übereinstimmung mit den verfügbaren Leitlinien internationaler Organisationen wird empfohlen. Hierzu zählen insbesondere: die Verwendung von Wasser von entsprechender mikrobiologischer Qualität während der Weiterverarbeitung; die grundlegende Schulung von Mitarbeitern zu guten Hygienepraktiken im Umgang mit Lebensmitteln; entsprechende Gestaltung und Hygiene-Management von Lebensmittelanlagen und Betriebsgeländen, einschließlich einer planvollen Schädlingskontrolle; sowie die ordnungsgemäße Überwachung der Kühlkette. Sollte es denoch zur Lebensmittelkontamination kommen, ist die einzige wirksame Methode zur Eliminierung von STEC die Durchführung einer bakterientötenden Behandlung, etwa durch Erhitzen (z. B. Kochen oder Pasteurisieren) bzw. Bestrahlen.
  • Hinweise zu guten Hygienepraktiken für Gastronome und zu Hause – Hände vor und nach der Zubereitung von Lebensmitteln waschen; Obst und Gemüse immer waschen; Vermeidung von Kreuz-Kontamination; Lagertemperaturen für Lebensmittel niedrig halten. Das Schälen und Kochen von Obst und Gemüse kann ebenfalls Mikroben beseitigen.

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[1] Ein ähnlicher E.coli O104:H4-Stamm wurde in Deutschland vor 10 Jahren in einem Fall beobachtet, bei dem infolge einer STEC-Infizierung das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) auftrat. Der gegenwärtige Ausbruch weist sowohl Merkmale von STEC-Stämmen auf, welche üblicherweise von Tieren ausgehen, als auch solche von EAEC-Stämmen (enteroaggregative E.coli), die in der Regel von Menschen ausgehen.
[2] Die Prävalenz ist definiert als die Gesamtzahl der Fälle in einer Gruppe (Population) in einem bestimmten Zeitraum, während die Inzidenz sich auf die Zahl neuer Fälle in einem bestimmten Zeitraum bezieht.