EFSA veröffentlicht ihren zweiten Jahresbericht über Pestizidrückstände in Lebensmitteln

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat ihren Jahresbericht über Pestizidrückstände veröffentlicht. Der Bericht enthält eine Übersicht über die Pestizidrückstände in Lebensmitteln[1] in der Europäischen Union im Jahr 2008[2] und bewertet die Exposition der europäischen Verbraucher gegenüber diesen Rückständen durch ihre Ernährung. Laut Bericht liegen 96,5 % der analysierten Proben unter den Rückstandshöchstgehalten (MRL) von Pestiziden, die für Lebensmittel in der EU festgelegt sind.

Dem Bericht zufolge überschreiten 3,5 % aller analysierten Proben die gesetzlich festgelegten Rückstandshöchstgehalte. Im Jahr 2007 enthielten 4,2 % aller Proben Pestizidrückstände, die über den gesetzlichen Grenzwerten lagen. Insgesamt wurden über 70 000 Proben von fast 200 verschiedenen Arten von Lebensmitteln auf Pestizidrückstände analysiert. Mit den in den EU-Mitgliedstaaten eingesetzten Überwachungsmethoden können bis zu 862 verschiedene Pestizide nachgewiesen werden.

Rückstandswerte und Exposition

In Lebensmitteln, die aus Ländern außerhalb der Europäischen Union eingeführt wurden, fand man mehr über den Grenzwerten liegende Pestizidrückstände (7,6 %) als in Proben aus der EU (2,4 %). Gemäß den Ergebnissen des durch die EU koordinierten Pestizidüberwachungsprogramms, mit dem Vergleichsdaten für alle Mitgliedstaaten gesammelt werden sollen, hat der Anteil der Proben, die frei von Pestizidrückständen waren, im Vergleich zu den Vorjahren zugenommen. Im Jahr 2008 wurden in 62,1 % der getesteten Proben keine Pestizidrückstände festgestellt, während in den Jahren 2005 bis 2007 52,7 % bis 58,0 % der Proben keine messbaren Pestizidrückstände enthielten.

Von 2062 Proben von Säuglingsnahrung enthielten 76 Spuren von Pestiziden, und der festgelegte Höchstgehalt wurde in nur 4 Proben (0,2 %) überschritten. Die europäischen Rechtsvorschriften in diesem Bereich sind sehr restriktiv und erlauben für jedes einzelne Pestizid höchstens Rückstände von 0,01 mg/kg.

In Erzeugnissen aus ökologischer Landwirtschaft wurden die Rückstandshöchstgehalte bei 0,9 %[3] der untersuchten Proben überschritten. In Bezug auf die ökologische Lebensmittelerzeugung erlauben die EU-Rechtsvorschriften lediglich den Einsatz einer sehr begrenzten Anzahl von Pestiziden. In der EU gibt es keine speziellen Rückstandshöchstgehalte für ökologische Erzeugnisse. Für sie gelten dieselben Grenzwerte wie für konventionelle Erzeugnisse.

Nach Angaben des Referats „Peer-Review der Risikobewertung von Pestiziden“ der EFSA (PRAPeR-Referat), das den Bericht erstellte, bedeuten der Nachweis von Pestiziden in Lebensmitteln und in vielen Fällen sogar das Überschreiten eines Rückstandshöchstgehaltes nicht unbedingt, dass dies in Bezug auf die Lebensmittelsicherheit besorgniserregend ist. Zur Bewertung des Verbraucherrisikos schätzte die EFSA die chronische Exposition (Langzeitexposition) gegenüber Pestiziden in den wichtigsten Lebensmitteln, aus denen sich die Ernährung der Europäer zusammensetzt[4], sowie die akute Exposition (Kurzzeitexposition) für neun Arten von Feldfrüchten, die im Jahr 2008 im Rahmen des koordinierten EU-Programms überwacht wurden[5]. In beiden Fällen verwendete die EFSA eine vorsichtige Methode mit zurückhaltenden Annahmen, um die Verbraucherexposition gegenüber Pestiziden abzuschätzen.

Bei der Bewertung der Langzeitexposition gelangte die EFSA zu dem Ergebnis, dass keines der analysierten Pestizide Bedenken in gesundheitlicher Hinsicht aufwirft. Bei der Bewertung der akuten Exposition nahm die EFSA an, dass die Menschen große Portionen von Lebensmitteln, die die höchsten gemessenen Rückstände enthalten, verzehren. In Beezug auf dieses Szenarios des schlimmsten anzunehmenden Falles erklärte die EFSA, dass ein potenzielles Verbraucherrisiko bei 35 Pestizid-Erzeugnis-Kombinationen bestehen könne, dies allerdings lediglich in Ausnahmefällen[6].

In dem Bericht gibt die EFSA eine Reihe von Empfehlungen zur Verbesserung zukünftiger Pestizidüberwachungsprogramme.

Zweiter Jahresbericht über Pestizidrückstände

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Hinweise für Herausgeber

Rückstandshöchstgehalte (kurz „MRL“, von „Maximum Residue Level(s)“) sind die gesetzlich festgelegten Höchstgehalte an Pestizidrückständen in oder auf Lebensmitteln und Futtermitteln. Sie beruhen auf der Anwendung guter landwirtschaftlicher Praxis und setzen voraus, dass die zugelassenen Pestizide in der niedrigsten Menge, die für einen wirksamen Pflanzenschutz erforderlich ist, verwendet werden. Bevor ein Rückstandshöchstgehalt festgesetzt werden kann, muss das betreffende Pflanzenschutzmittel einer Risikobewertung unterzogen werden, um die Verbrauchersicherheit zu gewährleisten.

Die in diesem Bericht vorgestellten Ergebnisse sind nicht ganz mit den Ergebnissen des Berichts für das Jahr 2007 vergleichbar, und zwar hauptsächlich wegen einer wichtigen Änderung der EU-Rechtsvorschriften über Pestizide im Jahr 2008. Seit dem 1. September 2008 sind die Rückstandshöchstgehalte für sämtliche Wirkstoffe, die in Pflanzenschutzmitteln verwendet werden und in die Nahrungskette gelangen können, auf EU-Ebene harmonisiert. Vor der Harmonisierung bestand ein gemischtes System, in dem die MRL-Werte für rund 250 Substanzen EU-weit harmonisiert waren, während für die übrigen Substanzen noch nationale MRL-Werte galten.

Das EFSA-Referat „Peer-Review der Risikobewertung von Pestiziden“ (PRAPeR-Referat) ist für die Bewertung der Rückstandshöchstgehalte von Pestiziden zuständig. Dabei werden die Verbraucherexposition und die potenziellen gesundheitlichen Auswirkungen, die aus allen beabsichtigten Verwendungen von Stoffen in Lebens- und Futtermitteln resultieren können, umfassend bewertet. Die EFSA prüft, ob der Expositionsgrad für alle Verbrauchergruppen, d. h. auch für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen wie Kleinkinder, ältere Menschen und Vegetarier, gesundheitlich unbedenklich ist.

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[1] Obst, Gemüse und Getreideerzeugnisse.
[2] Der Bericht umfasst die 27 EU-Mitgliedstaaten sowie Norwegen und Island.
[3] Es ist zu beachten, dass die EU-Rechtsvorschriften den Einsatz bestimmter Pestizide in der ökologischen Lebensmittelerzeugung erlauben.
[4] Lebensmittel aus 20 bis 30 Feldfrüchten (Obst, Gemüse und Getreide), die Hauptbestandteile der Ernährung in Europa sind (z. B. Weizen, Äpfel, Orangen, Kartoffeln, Tomaten). Die Überwachung der Pestizidrückstände in diesen Nahrungspflanzen ergibt eine repräsentative Grundlage zur Schätzung der Exposition gegenüber Pestizidrückständen durch die Ernährung.
[5] Diese Feldfrüchte waren: Bohnen ohne Hülsen, Karotten, Gurken, Mandarinen, Orangen, Birnen, Kartoffeln, Reis und Spinat.
[6] Unter einer Pestizid-Erzeugnis-Kombination ist der Einsatz eines bestimmten Pestizids für ein bestimmtes Erzeugnis wie zum Beispiel Reis, Karotten oder Birnen zu verstehen.
 

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