EFSA aktualisiert wissenschaftliche Empfehlungen zur Frage der Sicherheit von sechs Lebensmittelfarben

Nach Prüfung aller verfügbaren Daten hat das Wissenschaftliche Gremium für Zusatzstoffe der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, das ANS-Gremium, die zulässigen täglichen Aufnahmemengen (ADI) für die künstlichen Lebensmittelfarbstoffe „Chinolingelb“ (E104), „Gelborange S“ (E110) und „Cochenillerot A“ (E124) herabgesetzt.[1] Das Gremium geht davon aus, dass aufgrund dessen die Exposition von Erwachsenen und Kindern gegenüber diesen Farbstoffen diese neuen zulässigen täglichen Aufnahmemengen überschreiten kann.

Das Gremium ist zu der Schlussfolgerung gelangt, dass auf Grundlage der zurzeit verfügbaren Daten die zulässigen täglichen Aufnahmemengen für drei weitere zu bewertende Farbstoffe — „Tartrazin“ (E102), „Azorubin“ (E122), „Allurarot AC“ (E129) — nicht geändert werden müssen. Dem Gremium zufolge besteht nur bei Kindern, die große Mengen von Lebensmitteln und Getränken, welche Azorubin oder Allurarot AC enthalten, zu sich nehmen, die Möglichkeit, dass diese zulässigen täglichen Aufnahmemengen überschritten werden.

John Larsen, der Vorsitzende des ANS-Gremiums, erläutert hierzu: „Viele Lebensmittelfarbstoffe sind vor Jahrzehnten erstmalig zugelassen worden und werden seitdem verwendet. Nach so einer langen Verwendungsdauer prüfen wir nun zum Schutz der europäischen Verbraucher die gesamten verfügbaren Daten — einschließlich jedweden neuen Datenmaterials — im Hinblick auf die Sicherheit dieser Farbstoffe. Diese Arbeiten werden systematisch für sämtliche Lebensmittelzusatzstoffe durchgeführt. Den Anfang machen diese Farbstoffe, zu denen einige Bedenken vorgebracht worden waren.“

Die sechs vom Gremium neu bewerteten Farbstoffe werden bei verschiedenen Lebensmitteln eingesetzt, zu denen alkoholfreie Getränke, Backwaren und Nachspeisen gehören. Das Gremium ist zu dem Ergebnis gelangt, dass einer dieser Farbstoffe — Tartrazin — bei einem kleinen Teil der Bevölkerung Unverträglichkeitsreaktionen wie z. B. Hautirritationen hervorrufen kann. In bezug auf die anderen fünf Lebensmittelfarbstoffe (Chinolingelb, Gelborange S, Cochenillerot A, Azorubin und Allurarot AC) konnten aufgrund der begrenzten Zahl zur Verfügung stehender wissenschaftlicher Nachweise keine Schlussfolgerungen bezüglich eines möglichen Kausalzusammenhangs zwischen den Farbstoffen und Unverträglichkeitsreaktionen gezogen werden.

Die EFSA bewertet zurzeit die Sicherheit aller einzelnen Lebensmittelzusatzstoffe, die in der EU zur Verwendung zugelassen sind, und hat dabei zunächst mit der Prüfung der Lebensmittelfarbstoffe begonnen. Die Europäische Kommission hatte die EFSA gebeten, diese sechs Farbstoffe vorrangig zu behandeln, nachdem von der Southampton University (McCann et al.) im Jahr 2007 die sogenannte „Southampton study“ (Southampton-Studie) veröffentlicht worden war, in der eine Verbindung zwischen gewissen Kombinationen dieser Farbstoffe mit dem Konservierungsmittel Natriumbenzoat und dem Auftreten von Hyperaktivität bei Kindern aufgezeigt wird.

John Larsen ergänzt hierzu: „Für drei von sechs bewerteten Farbstoffen haben wir die zulässigen täglichen Aufnahmenmengen herabgesetzt, was jedoch für jeden der einzelnen Farbstoffe aufgrund der jeweils verschiedenen verfügbaren Daten und somit aus unterschiedlichen Gründen erfolgt ist. Die zurzeit zur Verfügung stehenden Daten — einschließlich der Southampton-Studie — ermöglichen keinen Nachweis eines Kausalzusammenhanges zwischen den einzelnen Farbstoffen und möglichen Auswirkungen auf das Verhalten.“

Die wissenschaftlichen Empfehlungen der EFSA werden die Verlässlichkeit geeigneter Folgemaßnahmen seitens der Europäischen Kommission und der EU-Mitgliedstaaten stärken.

[1] Die zulässige tägliche Aufnahmemenge (ADI) gibt an, welche Menge einer bestimmten Substanz lebenslang pro Tag ohne nennenswerte Auswirkungen auf die Gesundheit aufgenommen werden kann.

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