Die EFSA bewertet Bakteriophagen

Das BIOHAZ-Gremium der EFSA kommt in einem jüngst veröffentlichten Gutachten zu dem Ergebnis, dass Bakteriophagen unter speziellen Bedingungen auf sehr wirksame Weise bestimmte Krankheitserreger aus Lebensmitteln entfernen können. Auf der Grundlage der zurzeit verfügbaren Daten aus nach der Peer-Review-Methode begutachteter wissenschaftlicher Literatur konnte das Gremium jedoch nicht abschließend beurteilen, ob Bakteriophagen im Falle einer Neukontaminierung von Lebensmitteln gegen Bakterien schützen können. Die Wirksamkeit von Bakteriophagen bei einer Neukontaminierung hängt von den Eigenschaften des Lebensmittels selbst, von der Art des bzw. der Bakteriophagen, von der Art und Weise seiner bzw. ihrer Verwendung sowie von Umweltfaktoren ab.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) war von der Europäischen Kommission ersucht worden, ein Gutachten zur Anwendung und Wirkungsweise von Bakteriophagen auf Lebensmittel tierischen Ursprungs abzugeben. Die EFSA war insbesondere gebeten worden, die Wirkungsweise von Bakteriophagen auf Lebensmittel tierischen Ursprungs (Schlachtkörper, Fleisch oder Milchprodukte) zu beschreiben und festzustellen, ob die Bakteriophagen eine anhaltende Wirkung im Fertiglebensmittel haben.

Das Gremium für biologische Gefahren (BIOHAZ-Gremium) der EFSA ist zu der Schlussfolgerung gelangt, dass einige Bakteriophagen unter speziellen Bedingungen erwiesenermaßen sehr wirksam sind, um bestimmte Krankheitserreger gezielt aus Fleisch, Milch und daraus hergestellten Erzeugnissen zu beseitigen. Das Gremium vermochte jedoch nicht abschließend beurteilen, ob Bakteriophagen im Falle einer Neukontaminierung von Lebensmitteln gegen Bakterien schützen können.

Das BIOHAZ-Gremium weist darauf hin, dass Bakteriophagen bestimmte Wirte infizieren und sich dabei im Allgemeinen auf einige Bakterienarten oder -stämme beschränken. Bakteriophagen kommen in der Natur vor, besiedeln ein breites Spektrum von Lebensräumen und können in erheblicher Anzahl aus Fleisch, Milch und daraus hergestellten Produkten isoliert werden. Bakteriophagen vermehren sich am besten auf wachsenden Bakterienzellen, können sich aber auch auf Zellen, die nicht in der Wachstumsphase sind, fortpflanzen. Das Gremium hat außerdem festgestellt, dass in den Populationen der Zielbakterien einige Mutanten vorkommen könnten, die unempfindlich gegenüber Bakteriophagen werden. Die Häufigkeit solcher Mutationen und ihre Folgen hängen wahrscheinlich vom jeweiligen Bakteriophagen, von der Art der Anwendung und vom betroffenen Bakterium ab.

In Bezug auf die Dauer ihrer Wirkung im Enderzeugnis weist das BIOHAZ-Gremium darauf hin, dass Bakteriophagen sich wie inerte Partikel in der Umwelt verhalten und dazu neigen, länger als ihre Wirte in der Umwelt zu überdauern. Ihre antibakterielle Langzeitwirkung wird jedoch auf trockenen Oberflächen beeinträchtigt. Außerdem hängt die Lebensdauer in Nahrungsmitteln von der Art des Bakteriophagen, von den Anwendungsbedingungen, wie z. B. der Dosis, sowie von der physikalischen und chemischen Beschaffenheit des jeweiligen Lebensmittels (z. B. pH-Wert, Feuchtigkeitsgehalt usw.) ab. Kühltemperaturen verbessern beispielsweise das Überleben von Bakteriophagen auf der Oberfläche von Fleisch und auf/in Milcherzeugnissen.

Das BIOHAZ-Gremium der EFSA hat abschließend die Empfehlung ausgesprochen, dass zur weiteren Bewertung des Überdauerns von Bakteriophagen in Lebensmitteln und ihrer Fähigkeit, eine Neukontamination mit krankheitserregenden Bakterien zu verhindern, die Erforschung spezieller Kombinationen von Bakteriophagen, Bakterien und Lebensmitteln gefördert werden sollte.

[1] Bakteriophagen sind Viren, die Bakterien abtöten. Sie kommen in der Umwelt in natürlicher Form und in reichlichem Ausmaße vor und treten infolgedessen auch in Lebensmitteln auf.

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