Wissenschaftliche Empfehlung der EFSA zur Anfälligkeit aquatischer Arten für bestimmte Krankheiten

Das Gremium für Tiergesundheit und Tierschutz (AHAW-Gremium) der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit hat die verfügbaren wissenschaftlichen Daten über eine Reihe von Fisch- und Schalentierarten (Weich- und Krustentiere) geprüft, um deren mögliche Anfälligkeit („Empfänglichkeit“) für eine Liste von 14 verschiedenen Krankheiten festzustellen, die im Rahmen der Europäischen Union festgelegt worden sind.

Auf Ersuchen der Europäischen Kommission untersuchte das Gremium, welche der in der Richtlinie 2006/88/EG angegebenen Arten angesichts der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht mehr als „empfänglich“ zu betrachten sind, oder ob andere als die bereits aufgeführten Arten als „empfänglich“ eingestuft werden müssen. Das Ergebnis dieser Arbeit kann als Grundlage für die Kommission bei der Aktualisierung der Liste der empfänglichen Arten dienen, die in Europa gezüchtet und/oder nach Europa importiert werden, und ist hilfreich bei der Festlegung der am Besten geeigneten Maßnahmen zur Bekämpfung von Krankheiten.

Die Richtlinie definiert „empfängliche Art“ als „jede Art, bei der eine Infektion durch einen Erreger nachgewiesen wurde, die entweder auf natürlichem Wege oder experimentell durch Simulation der natürlichen Infektionswege erfolgte“. Es ist jedoch schwierig, wissenschaftlich nachzuweisen, ob eine experimentelle Infektion die natürlichen Übertragungswege nachahmt oder nicht. Überdies ist es gelegentlich schwierig, zwischen einer Infektion durch Krankheitserreger oder einer Kontamination unterscheiden zu können. Die EFSA arbeitete daher eine Reihe wissenschaftlicher Kriterien für die Bewertung der Anfälligkeit aus, die anschließend sowohl auf die vorhandene Liste der empfänglichen Arten sowie auf andere Arten angewandt wurden, die für die in der Liste aufgeführten Krankheiten empfänglich sein könnten.

Die Wissenschaftler konnten verschiedene Arten identifizieren, deren Empfänglichkeit durch fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt wird — diese Arten werden in dem Gutachten als Gruppe I bezeichnet —, darunter einige, die derzeit noch nicht in der Liste enthalten sind. Das Gremium empfiehlt, eine mögliche Aufnahme dieser neu identifizierten anfälligen Arten in die Liste in Erwägung zu ziehen.

Für eine große Gruppe der Fischarten — die in dem Gutachten als Gruppe II bezeichnet werden — konnten die Wissenschaftler jedoch nur einen partiellen oder gar keinen Nachweis finden, der auf eine Empfänglichkeit der Arten für bestimmte Krankheitserreger hinweist . Das Gremium empfiehlt weitere Studien zur Untersuchung der Empfänglichkeit der Arten in Gruppe II.

Das heute veröffentlichte wissenschaftliche Gutachten identifiziert eine Vielzahl von Arten, die zahlreiche Gruppen von Wassertieren umfassen und die für die 14 Krankheiten der in der Liste angegebenen Fische, Weich- und Krustentiere empfänglich sind. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Überprüfung identifizieren außerdem viele Krankheiten, wie etwa das epizootische ulzerative Syndrom, die virale hämorrhagische Septikämie oder die Weißpünktchenkrankheit, für die sehr viele Arten empfänglich sind.

Die Wissenschaftler weisen ferner darauf hin, dass einige Arten nicht nur für einen, sondern vielmehr für mehrere Krankheitserreger empfänglich sind. Die Wissenschaftler betonen, dass diese Arten hinsichtlich der Ausbreitung der Krankheit wahrscheinlich ein höheres Risiko darstellen — beispielsweise wenn mit ihnen gehandelt wird — als Arten, die nur für eine Krankheit empfänglich sind.

Die Arbeit wurde vom AHAW-Gremium durchgeführt, das zusammengetreten war und die neueste, nach dem Peer-Review-Verfahren erstellte wissenschaftliche Literatur in diesem Bereich konsultiert hat. Dabei haben die Wissenschaftler des Gremiums mit Unterstützung externer Sachverständiger eine Reihe wissenschaftlicher Kriterien ausgearbeitet, mit denen sich Übertragungswege für Infektionen sowie die Reaktion auf diese Infektionen bei den verschiedenen Arten bewerten lassen. Diese Kriterien wurden bei der Bewertung der Empfänglichkeit der Arten angewendet.

[1] Die Krankheiten von aquatischen Tieren sind in Anhang IV, Teil II der Richtlinie 2006/88/EG des Rates aufgeführt. Diese Richtlinie mit Gesundheits- und Hygienevorschriften für Tiere in Aquakultur und Aquakulturerzeugnisse und zur Verhütung und Bekämpfung bestimmter Wassertierkrankheiten listet bestimmte Krankheiten von Wassertieren und die Fischarten auf, die für diese Krankheiten anfällig sind und als Überträger für die Übertragung dieser Krankheiten dienen.
[2] Diese Arten gehören zur Gruppe I und sind in Tabelle 4 auf den Seiten 24-25 des wissenschaftlichen Gutachtens aufgeführt.
[3] Diese Arten sind in Tabelle 6 auf den Seiten 28-29 des wissenschaftlichen Gutachtens aufgeführt.
[4] Diese Arten gehören zur Gruppe II und sind in den Tabellen 5 und 7 auf den Seiten 25-28 sowie den Seiten 29-30 des wissenschaftlichen Gutachtens aufgeführt.