Kaninchenkäfige: EFSA stellt Tierschutzprobleme fest

Die EFSA ist zu dem Schluss gekommen, dass das Wohlergehen erwachsener Kaninchen, die in herkömmlichen Käfigen gehalten werden, schlechter ist als das von Kaninchen, die in anderen in der EU verwendeten Systemen untergebracht sind. Das Hauptproblem ist die eingeschränkte Bewegungsfreiheit. Die Ergebnisse sind Teil eines umfassenden Vergleichs der in der EU verwendeten Systeme zur Haltung von Kaninchen.

Das wissenschaftliche Gutachten der EFSA beruht auf einer umfassenden Befragung von Kaninchenexperten in der EU. Es stützt sich auf Experteneinschätzungen, da nur wenige Daten zu diesem Thema vorliegen. Die EFSA betont in ihren Empfehlungen, dass Daten über das Wohlergehen von Nutzkaninchen in der gesamten EU erhoben werden müssen. Sie schlägt außerdem vor, die herkömmlichen Käfige zu vergrößern und strukturell zu verbessern, um das Wohlergehen der Kaninchen zu fördern.

Die Sachverständigen berücksichtigten eine Reihe von Auswirkungen auf die Gesundheit und das Verhalten, beispielsweise eine eingeschränkte Bewegungsfreiheit, Ruheprobleme, anhaltender Durst oder Hunger, thermischer Stress und Hautveränderungen.

Kaninchenzucht findet in der EU hauptsächlich in fünf Mitgliedstaaten statt: Frankreich, Italien, Portugal, Spanien und Ungarn. Die Zuchtverfahren variieren sowohl zwischen diesen Ländern als auch innerhalb der Länder stark.

Zur Erfassung dieser Unterschiede konzentriert sich das wissenschaftliche Gutachten der EFSA auf sechs Beispiele für Haltungssysteme: herkömmliche Käfige, strukturell aufgewertete Käfige, erhöhte Ställe, Bodenställe, Systeme im Freien/teilweise im Freien sowie biologische Systeme.

Die wichtigsten Schlussfolgerungen lauten:

  • Das Wohlergehen ausgewachsener Kaninchen ist in herkömmlichen Käfigen geringer als in den fünf anderen Haltungssystemen (mit einer Sicherheit von 66-99 %). Die größte Auswirkung auf das Wohlergehen ist die eingeschränkte Bewegungsfreiheit.
  • Das Wohlergehen von nicht entwöhnten Kaninchen (Jungtieren) ist bei Systemen im Freien am niedrigsten und bei erhöhten Ställen am höchsten (Sicherheit 66-99 %). Die größte Auswirkung auf Jungtiere im Freien ist thermischer Stress.
  • Biologische Systeme sind im Allgemeinen gut.

Die EFSA hat zwei weitere Stellungnahmen zu Tierschutzfragen im Zusammenhang mit der Kaninchenzucht veröffentlicht: Eine beleuchtet die Betäubungsmethoden und ermittelt die Gefahren für das Wohlergehen sowie Indikatoren für das Wahrnehmungsvermögen bei der Schlachtung. Sie enthält Vorschläge für Abhilfemaßnahmen. Die andere betrifft Tierschutzfragen im Zusammenhang mit der Tötung aus anderen Gründen als der Fleischerzeugung (z. B. Seuchenbekämpfung).

Hintergrund

Kaninchen sind zahlenmäßig die am zweithäufigsten gezüchtete Art in der EU. Obwohl Mindestanforderungen für den Schutz von Nutztieren, einschließlich Kaninchen, festgelegt sind, gibt es in der EU keine artspezifischen Rechtsvorschriften zum Schutz des Wohlergehens von Nutzkaninchen.

Im Jahr 2017 nahm das Europäische Parlament eine Entschließung zu Mindeststandards für den Schutz von Nutzkaninchen an und forderte die EFSA auf, ein wissenschaftliches Gutachten vorzulegen, das zur Umsetzung der Entschließung beitragen würde.

Das Parlament reagierte damit auf die Bedenken von NRO, Interessenträgern und Verbraucherverbänden hinsichtlich des schlechten Wohlergehens, der hohen Stressbelastung und der hohen Sterblichkeits- und Morbiditätsraten von Kaninchen, die in Europa gezüchtet werden. Darüber hinaus gibt es Bedenken, dass die elektrische Betäubung von Kaninchen die Tiere nicht immer vollständig bewusstlos macht und Schmerzen, Stress und Leiden verursacht.

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