Häufig gestellte Fragen zur Nanotechnologie

Was ist Nanotechnologie?

Nanotechnologien verwenden Stoffe, die in sehr kleinen Volumina vorliegen. Ein Nanometer (nm) ist ein Milliardstel Meter (der Begriff ist von dem griechischen Wort nanos, Zwerg, abgeleitet). Chemische Stoffe werden im Allgemeinen als Nanomaterialien betrachtet, wenn sie eine Größe von etwa 100 nm oder kleiner aufweisen.

Weshalb werden Stoffe in Nanoform eingesetzt?

Sehr kleine chemische Stoffe können andere Eigenschaften als Stoffe mit anderen Partikelgrößen aufweisen. Dies kann neue Möglichkeiten für die Herstellung von Produkten wie Medikamenten, Kosmetik und Lebensmitteln bieten, bei der das geänderte Verhalten genutzt werden kann. Dieses gegenüber größeren chemischen Stoffen veränderte Verhalten kann jedoch auch mögliche Risiken bergen.

Wie wird Nanotechnologie eingesetzt?

Nanotechnologie weist eine Reihe von konkreten oder potenziellen Einsatzmöglichkeiten auf. Beispielsweise sind Sonnenschutzmittel auf dem Markt, die durch den Einsatz nanopartikulärer chemischer Stoffe transparent statt opak wirken und dennoch einen Schutz vor UV-Strahlen bieten. Im Lebensmittelbereich können nanopartikuläre Stoffe eingesetzt werden, um die Lebensmittelverpackung zu verbessern oder den Nährwert eines Produktes zu erhöhen.

Warum ist die EFSA in diesem Bereich tätig?

Aufgrund der Eigenschaften und Merkmale, die bei anderen Partikelgrößen von Stoffen nicht zu beobachten sind, können Stoffe in Nanoform Risiken beinhalten. Der Einsatz nanopartikulärer Stoffe bietet zwar potenziell nützliche Anwendungsmöglichkeiten und Vorteile, es müssen jedoch auch mögliche Risiken berücksichtigt werden. In deren Bewertung in Bezug auf die Lebensmittelkette besteht die Aufgabe der EFSA. Die EFSA bietet unabhängige wissenschaftliche Beratung für Risikomanager in Europa zur Entscheidungsfindung über geeignete Maßnahmen für den Verbraucherschutz.

Was ist die Aufgabe der EFSA?

Die EFSA wurde von der Europäischen Union ersucht, ein Gutachten zu den potenziellen Risiken, die von der Nanowissenschaft und der Nanotechnologie für die Futter- und Lebensmittelsicherheit ausgehen, zu erstellen. Der Gutachtenentwurf konzentriert sich auf Nanomaterialien, die hergestellt und absichtlich in die Lebensmittelkette eingeführt werden. Zudem befasst er sich ausführlich mit den Konzepten für die Bewertung einschlägiger Risiken – spezielle Anwendungen technisch hergestellter Nanomaterialien (Engineered Nano Materials, ENM) als solche werden demnach nicht bewertet. Der Gutachtenentwurf dient als Orientierungshilfe für Antragsteller, welche Daten für die Durchführung spezieller Risikobewertungen künftig bereitzustellen sind.

Welchen Inhalt hat der Gutachtenentwurf?

Der Gutachtenentwurf gelangt zu den folgenden wichtigen Schlussfolgerungen:

  • Die bewährten internationalen Risikobewertungskonzepte, die derzeit bei chemischen Stoffen in Nicht-Nanoform zur Anwendung kommen, lassen sich auch bei technisch hergestellten Nanomaterialien (ENM) anwenden.
  • Derzeit ist es nicht möglich, wissenschaftliche Daten zu Stoffen in Nicht-Nanoform zufriedenstellend zu extrapolieren und sie auf Stoffe in Nanoform anzuwenden. Folglich müssen bei der Beurteilung ihrer Sicherheit von Fall zu Fall besondere Risikobewertungen durchgeführt werden, die sich auf die speziellen Daten einschlägiger, auf die jeweilige Anwendung zugeschnittener Sicherheitsprüfungen stützen.
  • Mögliche Risiken sind durch die besonderen Eigenschaften von ENM bedingt, die teilweise auf die geringe Partikelgröße und die große Oberfläche zurückzuführen sind. Die geringe Partikelgröße führt zu einer höheren körperinternen Mobilität, als sie Stoffe mit größeren Abmessungen besitzen, und die große Oberfläche erhöht die Reaktivität.
  • Zusätzliche Einschränkungen und Unsicherheiten ergeben sich insbesondere im Zusammenhang mit der Charakterisierung, dem Nachweis und der Messung von technisch hergestellten Nanomaterialien (ENM) in Lebensmitteln, Futtermitteln oder im Körper. Auch zur Absorption, Verteilung, Exkretion und zum Metabolismus sowie zur Toxizität von technisch hergestellten Nanomaterialien (ENM) liegen nur in beschränktem Umfang Daten vor.

Was steht als Nächstes an?

Die EFSA führt bis zum 1. Dezember 2008 eine Konsultation zum Entwurf des Gutachtens durch. Nach Abschluss wird der Entwurf erneut vom Wissenschaftlichen Ausschuss der EFSA erörtert. Nach seiner Fertigstellung wird das EFSA-Gutachten der Europäischen Kommission dabei helfen, geeignete Maßnahmen zu ermitteln, geltende Rechtsvorschriften zu bewerten und den Gegenstand eventueller weiterer EFSA-Gutachten aus diesem Bereich zu bestimmen.

Sind derzeit Lebensmittelprodukte auf dem Markt, in denen Stoffe in Nanoform eingesetzt werden?

Für die Zulassung von in Europa verkauften Produkten sind die Europäische Gemeinschaft und die Mitgliedstaaten zuständig. Die EFSA hat keine Informationen über die sich auf dem Markt befindlichen Produkte, da dies nicht in ihren Zuständigkeitsbereich fällt. Die Technologie für einige Anwendungen ist jedoch vorhanden und möglicherweise sind Produkte von außerhalb Europas auf dem Markt, die Stoffe in Nanoform entweder im Produkt oder in seiner Verpackung enthalten.

Besteht ein regulatorischer Rahmen für Nanotechnologie?

Die Regulierung liegt nicht im Aufgabenbereich der EFSA, die unabhängige wissenschaftliche Beratung für Risikomanager bietet. Es liegt in der Zuständigkeit von Risikomanagern, unter Berücksichtigung der Gutachten der EFSA über geeignete Maßnahmen zu entscheiden und geltende Rechtsvorschriften zu bewerten - Information der EG über Regelungsaspekte bei Nanomaterialien

Wie kann ich mich an der Konsultation beteiligen?

Beiträge zu der Konsultation können über die EFSA-Website übermittelt werden. EFSA würde insbesondere zusätzliche zu berücksichtigende Studien oder Daten begrüßen.