Häufig gestellte Fragen zu Lebensmittelfarbstoffen


EFSA-Gutachten zu sechs Lebensmittelfarbstoffen — Häufig gestellte Fragen


Warum hat die EFSA gerade diese Farbstoffe jetzt bewertet?


Die EFSA prüft zurzeit die Sicherheit aller Lebensmittelzusatzstoffe, die in der EU zur Verwendung zugelassen sind, da die Zulassung vieler dieser Zusatzstoffe schon Jahrzehnte zurückliegt und in zahlreichen Fällen inzwischen neue wissenschaftliche Daten zur Verfügung stehen.

Das für Lebensmittelzusatzstoffe zuständige EFSA-Gremium — das ANS-Gremium — hat eine erneute Bewertung aller zulässigen Lebensmittelfarbstoffe (insgesamt 45) in die Wege geleitet. Die Europäische Kommission hatte die EFSA gebeten, diese sechs Farbstoffe vorrangig zu behandeln, da gewisse Sicherheitsbedenken hinsichtlich dieser Stoffe vorgebracht worden waren.

Wie lauten die wichtigsten Schlussfolgerungen der EFSA?

Nach Prüfung aller verfügbaren Daten hat das ANS-Gremium die zulässigen täglichen Aufnahmemengen (ADI) für drei der fraglichen Lebensmittelfarbstoffe, nämlich „Chinolingelb“ (E104), „Gelborange S“ (E110) und „Cochenillerot A“ (E124), herabgesetzt. Das Gremium geht davon aus, dass aufgrund dessen die Exposition gegenüber — oder der Verzehr von — diesen Farbstoffen bei Erwachsenen und Kindern die neuen zulässigen täglichen Aufnahmemengen überschreiten kann.

Für die drei weiteren Farbstoffe, die zur Bewertung vorlagen, hat das Gremium die Werte für die zulässigen täglichen Aufnahmemengen nicht geändert. Dies betrifft die Farbstoffe „Tartrazin“ (E102), „Azorubin“ (E122) und „Allurarot AC“ (E129). Das Gremium ist auch zu der Schlussfolgerung gekommen, dass nur bei Kindern, die große Mengen von Lebensmitteln und Getränken zu sich nehmen, welche Azorubin oder Allurarot AC enthalten, die Möglichkeit besteht, dass diese zulässigen täglichen Aufnahmemengen überschritten werden.

Bei fünf der sechs Lebensmittelfarbstoffe (Chinolingelb, Gelborange S, Cochenillerot A, Azorubin und Allurarot AC) konnte nach Auffassung des Gremiums aufgrund der zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Erkenntnisse kein Kausalzusammenhang zwischen den einzelnen Farbstoffen und Unverträglichkeitsreaktionen, wie Reizungen von Haut und Nase, festgestellt werden. Das Gremium ist allerdings auch zu dem Ergebnis gelangt, dass Tartrazin bei einem kleinen Teil der Bevölkerung Unverträglichkeitsreaktionen hervorrufen kann.

Dem Gremium zufolge ermöglichen die zurzeit zur Verfügung stehenden Daten bei allen sechs Farbstoffen keinen Nachweis eines Kausalzusammenhanges zwischen den einzelnen Farbstoffen und möglichen Auswirkungen auf das menschliche Verhalten.

Ist eine Person gefährdet, die mehr als die zulässige tägliche Aufnahmemenge zu sich nimmt? Und wenn ja, inwiefern?

Die zulässige tägliche Aufnahmemenge gibt an, welche Menge einer bestimmten Substanz lebenslang pro Tag ohne nennenswerte Auswirkungen auf die Gesundheit aufgenommen werden kann. Die zulässige tägliche Aufnahmemenge leitet sich in der Regel aus der höchsten Aufnahme ab, bei der Substanzen in Tierversuchen noch keine schädlichen Auswirkungen zeigen, wonach ein Sicherheitskoeffizient von 100 zugrunde gelegt wird, um die Unterschiede zwischen Mensch und Tier zu berücksichtigen. Das bedeutet, dass ein Überschreiten der zulässigen täglichen Aufnahmemenge nicht zwangsläufig mit nachteiligen Auswirkungen auf die Gesundheit verbunden ist.

Das ANS-Gremium hat die zulässige tägliche Aufnahmemenge für drei der sechs bewerteten Farbstoffe herabgesetzt, da neue Daten nahe legen, dass die Konzentrationen, bei denen schädliche Auswirkungen in Tierversuchen auftreten können, möglicherweise niedriger sind als bisher angenommen. Dies erfolgte jedoch in jedem Fall aufgrund der jeweils verschiedenen verfügbaren Daten und somit aus unterschiedlichen Gründen.

In welchen Lebensmitteln werden diese Farbstoffe verwendet?

Die Farbstoffe werden bei verschiedenen Lebensmitteln eingesetzt, zu denen alkoholfreie Getränke, Backwaren, Nachspeisen, Soßen, Würzmittel und Süßwaren gehören.

Bei welchen Bevölkerungsgruppen ist die Exposition am höchsten? In welchen Ländern?

Die Schlussfolgerungen des ANS-Gremiums basieren auf Daten betreffend die Exposition von Kindern aus neun EU-Mitgliedstaaten gegenüber diesen Farbstoffen und auf Daten betreffend die Exposition von britischen Erwachsenen, die als Verbraucher der höchsten Mengen an Erfrischungsgetränken in Europa gelten. Die Daten zeigten, dass sowohl der durchschnittliche als auch der hohe Verzehr bei Kindern im Allgemeinen wesentlich höher liegt als bei Erwachsenen.

In welchem Zusammenhang stehen die Arbeiten der EFSA bezüglich dieser Farbstoffe zu der Arbeit der britischen Agentur für Lebensmittelstandards (Food Standards Agency)?

Die Food Standards Agency hatte eine Studie in Auftrag gegeben, die von Wissenschaftlern an der Universität von Southampton im Jahr 2007 durchgeführt wurde. Diese ergab, dass bestimmte Mischungen dieser Farbstoffe (und dem Konservierungsstoff Natriumbenzoat) geringfügige Auswirkungen auf die Aktivität und Aufmerksamkeit bestimmter Gruppen von Kindern haben können.

Das ehemalige EFSA-Gremium für Lebensmittelzusatzstoffe, Aromastoffe, Verarbeitungshilfsstoffe und Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen (AFC-Gremium) hat diese Studie im Jahr 2008 geprüft und ist dabei zu dem Ergebnis gelangt, dass die Studie keine ausreichenden Erkenntnisse aufwies, die eine Änderung der zulässigen täglichen Aufnahmemengen der einzelnen Farbstoffe erforderlich machen würden. Einer der Gründe hierfür war die Tatsache, dass in der Studie Mischungen und keine einzelnen Zusatzstoffe untersucht wurden. Somit war es nicht möglich, die Auswirkungen einem der einzelnen Farbstoffe zuzuordnen.

Als Teil der systematischen Prüfung von Lebensmittelzusatzstoffen, die zur Verwendung in der EU zugelassen sind, hat die EFSA jetzt alle zur Verfügung stehenden Nachweise in Bezug auf jeden dieser einzelnen Farbstoffe untersucht. Diese Farbstoffe wurden vorrangig bewertet, da Sicherheitsbedenken vorgebracht worden waren.

Haben diese Farbstoffe Auswirkungen auf das Verhalten von Kindern?

Das ANS-Gremium ist zu der Schlussfolgerung gelangt, dass die derzeit zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Erkenntnisse, einschließlich der sogenannten „Southampton study“ (Southampton-Studie) (McCann et al., 2007), keinen Nachweis eines Kausalzusammenhangs zwischen den einzelnen Farbstoffen und möglichen Auswirkungen auf das Verhalten ermöglichen. Die Auffassung des Gremiums steht auch mit dem früheren Gutachten der EFSA in Einklang, demzufolge die Studie von McCann et al. keine ausreichenden Nachweise erbringt, die eine Änderung der zulässigen täglichen Aufnahmemenge der einzelnen Farbstoffe rechtfertigen würden.

Warum hat die EFSA nur einzelne Farbstoffe und keine Mischungen untersucht?

Im Rahmen des EU-Lebensmittelsicherheitssystems werden zurzeit alle Zusatzstoffe einzeln bewertet und zugelassen. Der Verbraucherschutz ist nur dann gewährleistet, wenn die Sicherheit jedes einzelnen Zusatzstoffes für sich nachgewiesen ist, ehe Risikomanager (d. h. die Europäische Kommission, das Europäische Parlament und die EU-Mitgliedstaaten) eine Zulassung für die Verwendung in Lebensmitteln in Erwägung ziehen können.

Eine Bewertung der Sicherheit von Mischungen ist aufgrund der unendlichen Zahl möglicher Kombinationen von Zusatzstoffen und anderen natürlich in der Ernährung vorkommenden Substanzen praktisch nicht möglich, wobei zusätzlich Unterschiede bei der Lebensmittelzusammensetzung, den Verbraucherentscheidungen und den Ernährungsmustern zu berücksichtigen sind.

Was ist der nächste Schritt?

Die EFSA hat die Aufgabe, unabhängige wissenschaftliche Begutachtungen vorzunehmen. Alle Folgemaßnahmen liegen im Zuständigkeitsbereich der Entscheidungsträger, d. h. der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament und den EU-Mitgliedstaaten.